Der Kamener Thomas Detert kann auf eine lange Karriere zurückblicken und produziert noch immer neue Charthits. Die ersten Erfolge gelangen mit der Formation „Activate“. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de
von Christoph Volkmer
Kamen. Von Kamen aus in die nationalen sowie internationalen Charts und dann mit der Musik quasi um die ganze Welt - der Kamener Thomas Detert hat genau das vor 30 Jahren erlebt. Titel wie „Let the Rhythm Take Control“ und „Save Me“ sind vielen Menschen, die damals den Boom des Eurodance-Genres miterlebt haben, bis heute bekannt. KamenWeb.de hat den Musikproduzenten und Inhaber einer Plattenfirma mit angeschlossenem Musikverlages zum Gespräch getroffen.
„Die Eurodance-Zeit war schon sehr spannend. Wir waren jung und sind schon ein wenig von dem Erfolg überrascht worden“, sagt der Kamener. Das damalige Projekt „Activate“ ist bis heute nicht komplett stillgelegt worden, allerdings hat sich Thomas Detert zudem um eine Vielzahl weiterer Projekte gekümmert und so in den Jahren mehrere Millionen Tonträger verkauft sowie zahlreiche Platin- und Goldauszeichnungen abgesahnt.
Start mit Musik für PC-Spiele
Seit Beginn an ist Mike Griesheimer dabei, der bis heute Geschäftspartner des Kameners ist und damals DJ im „Valentino“ in Dortmund war. Beide betreiben in Holzwickede ein großes Musikstudio. Bevor das Thema Eurodance so richtig durch die Decke gehen sollte, hatte Detert bereits seine erste Erfolgsgeschichte im Kasten. Ende der 80er Jahre komponierte der Schulabbrecher bereits Musikstücke für diverse Spiele und C64 Magazinen an seinem Commodore 64, einem 8-Bit-Heimcomputer.
Früher Erfolg: Das Bild von Mike Griesheimer und Thomas Detert stammt aus den Zeiten im Studio in der Wallgasse in Kamen. Foto: privat
Mit dem Geld für die von ihm produzierte Musik, die für Spiele und Demos verwendet wurde, finanzierte Detert im Haus seiner Eltern in der Wallgasse sein erstes Musikstudio. Mit der Sängerin und besten Freundin Nicole Wetzel, die der Kamener schon durch seine Musik für PC-Spiele kannte, und Griesheimer, der bereits Kontakte zu einer kleinen Plattenfirma in Dortmund hatte, entstand an nur einem Nachmittag im Dachstudio das Demo zur Debütsingle „Let the Rhythm Take Control“. Erst gut zwei Monate später meldete sich das Label auf das von Detert und Griesheimer eingereichte Band und gab die Zusage für eine Veröffentlichung.
„Anfang 1994 war das Ding dann in allen Clubs und vielen Dance-Charts in Europa die Nummer eins“, sagt Detert, der bis dahin auch noch bei einer Dienstleistungsfirma zur Gebäudereinigung in Kamen gejobbt hatte. Trotz der guten Resonanzen gab es Kritik der Plattenfirma an der Sängerin, sodass Rachelle Rack für den Studiogesang engagiert wurde. Die allerdings verabschiedete sich danach in Richtung Los Angeles. Für das Projekt ein schlechter Zeitpunkt, war doch gerade erst ein Vertrag mit der weltweit führenden Agentur im Bereich der Dance-Musik unterschrieben worden. „Da waren wirklich alle dabei. Ace Of Base, Dr. Alban und Culture Beat. Und auch Activate”, so Detert rückblickend.
Das Trio „Activate“ war 1994 an vielen Orten in der Welt unterwegs - unter anderem in Brasilien. Foto: privat
Nach erfolgreicher Suche wurde die Düsseldorferin Nanni Zagar feste Sängerin und Frontfrau von der Gruppe „Activate“. Auftritte fanden nicht nur in Deutschland, sondern unter anderem in Brasilien und Peru statt. Auf Tour war das Projekt unter anderem als Support-Act mit Marky Mark und Prince Ital Joe. Vorher landete das Duo mit mehr als 100.000 verkauften Exemplaren von „Save me“, den ersten Top-25-Hit in den Charts von Media Control, dem ersten Anbieter repräsentativer Verkauf-Charts in Deutschland.
1996 deutete sich das Ende der musikalischen Strömung an. „Da wurden Bands wie The Fugees groß und alle wollten plötzlich Hip-Hop hören“, schildert Detert. Langeweile bedeutete die sinkende Nachfrage nach Eurodance-Songs und Sounds indes nicht. Mit Griesheimer produzierte der Kamener andere Musik im Auftrag der großen Plattenfirmen. Eher zufällig kamen die Freunde 1997 auf die Idee, einen Fan-Favoriten der „Activate“-Zeit neu zu beleben. Der Song „Alarma“, der eher in schnelleren Techno-Gefilden á la Scooters „Hyper Hyper“ beheimatet war, erhielt ein neues Gewand und sorgte für neue, vor allen Dingen internationale Erfolge. Das damalige, neue Musik-Projekt, nannten die beiden „666“. „Denn wir wollten etwas produzieren, was völlig konträr zu dem war, was in den Hitlisten stattgefunden hat und somit musste der Namen auch konträr sein. Das hat funktioniert“, blickt der 55-Jährige mit einem Lächeln zurück. Aktuell hat der erfolgreiche, australische Künstler Timmy Trumpet mit seinem Remix von „Alarma“ den Song wieder auf die Bühnen der internationalen Festivals in der ganzen Welt gebracht.
Zusammen mit Mike Griesheimer produziert Thomas Detert schon seit Jahren neue Nummern im eigenen Musikstudio. Foto: privat
Die beiden Produzenten sammelten mit „666“ bis 2005 eine Vielzahl an Hit-Singles, vor allen Dingen in Schweden, Frankreich, Osteuropa, Südamerika, Asien bis nach Australien. Irgendwann wurde das selbsteingerichtete Studio im Elternhaus zu klein, vor allen Dingen dann, wenn die Verantwortlichen der Plattenfirmen nach Kamen reisten, um sich über aktuelle Produktionen zu informieren. „Die haben das meistens gar nicht geglaubt, dass wir unseren Sound auf wenig repräsentativen zwölf Quadratmetern produzieren. Aber es war so“, lacht Detert.
One Night in Bangkok
Einige Zeit später bezog das Duo dann in Holzwickede einen repräsentativen Bürokomplex an der Ferdinand-Porsche-Straße, in dem sich heute die beiden eigenen Studios befinden. Neben der Arbeit für andere Acts, landete das Duo zusammen unter einem weiteren Projekt namens „Vinylshakers“ weitere internationale Hits, indem Remakes alter Klassiker modern produziert wurden. Bekannteste Titel sind „One Night in Bangkok“, „Daddy Cool“ und „Club Tropicana“. Eine weitere Neufassung von „One Night in Bangkok“ bescherte Griesheimer und Detert mit dem Hardstyle-Duo „Da Tweekaz“ 2023 einen weiteren Hit.
Derzeit werkeln Detert und Griesheimer in ihrem Studio am Dortmunder Flughafen an neuen Projekten. Ein Comeback in den Hitlisten ist daher nie auszuschließen. Aktuell hat sich der weltweit erfolgreiche Tattoo-Künstler und Inhaber von Surf-Ink aus Kamen, Ted Bartnik, mit den beiden ins Tonstudio eingeschlossen und anstatt einer farbenfrohen Tätowierung, seinen Song „Party On“ aufgenommen, der am 27. September auf allen Streamingportalen veröffentlicht wird. „Das Feedback ist schon sehr positiv. Viele Fans singen den Gute-Laune-Ohrwurm schon mit“, berichtet Detert.
Das Video zur Chartsingle „Save Me“ mit Thomas Detert und Mike Griesheimer gibt es hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=1ynh23gh39I







