Konzertchor Kamen, Konzertgesellschaft Schwerte und Neue Philharmonie Westfalen beschworen gemeinsam mit Gesangssolisten - hier Ivonne Fuchs und Sönke Tams Freier - Geister in der Konzertaula.
Kamen. (wol) Geister und Hexen trieben am Volkstrauertag ihr Unwesen in der Konzertaula – natürlich nur musikalisch. Die neue Philharmonie Westfalen und die bewährte Gemeinschaft der Konzertchöre aus Kamen und Schwerte lockten verstärkt durch Gesangssolisten in die Welt von Elfen und Druiden, in die Walpurgisnacht und zu Erlkönigs Tochter.
Der erste Teil des Konzertes habe nichts zu tun mit dem Schülertrauma der auswendig gelernten Zeilen von Goethes Erlkönig, versuchte einleitend Maik Morgner als Chorchef und musikalischer Leiter für diesen Abend Erleichterung zu verbreiten. Mit nächtlichem Eilritt zu Pferde und einem Toten am Ende allerdings hat das Libretto zu Erlkönigs Tochter von Niels Wilhelm Gade schon ein paar Parallelen zu Goethe. Und da Felix Mendelssohn Bartholdy sein Lehrmeister war und im zweiten Teil Mendelssohns Komposition zu Goethes Erster Walpurgisnacht erklang, hatten dann doch Goethe und Mendelssohn Bartholdy viel Einfluss auf das, was hier zu hören war.
Die Tochter des Erlkönigs (Meike Leluschko forderte Herrn Oluf (Sönke Tams Freier) mit starker Drohgebärde zum Tanz.
Die Zusammenarbeit der Konzertgesellschaft Schwerte, des Konzertchores der Stadt Kamen (ehemals Oratorienchor) und der Neuen Philharmonie hat längst Tradition. Das Miteinander ging auch diesmal auf. Maik Morgner fügte alle drei plus vier Gesangssolisten gekonnt zusammen. Dass er zuvor einleitend eine Krise des Chorwesens beschrieb, schien für diesen Abend und scheint für Kamen generell nicht recht zu stimmen. Ja, die männlichen Stimmen waren etwas unterrepräsentiert. Der Zusammenklang aber überzeugte dennoch.
Bei den Solisten glänzte Meike Leluschko als Erlkönigs Tochter mit großer Stimme und drohendem Blick, Sönke Tams Freier als Bass und Ivonne Fuchs als Altstimme mit großen Anteilen bei beiden Konzertteilen sowie Jonas Domeier als Tenor. Die beiden Chöre gruppierten sich vor allem im zweiten Teil immer wieder neu mal als Chor der Druiden, mal als Chor der Weiber aus dem Volke oder der Wächter. Und die neue Philharmonie musste zwar vor 70 Sängerinnen und Sängern mit wenig Bühnenraum auskommen, zeigte aber, dass Chorsinfonik durchaus zu Recht ihren Platz in der Sinfonischen Reihe hat.
Insgesamt geriet der zweite Part des Abends sicherlich etwas stärker, mit der Vertreibung der Wächter als schon in der Partitur angelegtem Höhepunkt. Höllenlärm war sicher nicht was da erklang. Bei „Kommt mit Zacken und mit Gabeln“ gelang das Miteinander von Chor und Orchester und das Wechselspiel von Solostimme und Chor jedoch in besonderer Weise und überzeugte wohl auch die Letzten der Zuhörer.
Beim nächsten sinfonischen Event in der Konzertaula am 10. Dezember wird es sicher weniger bedrohlich-mystisch, aber doch rätselhaft. Das verspricht jedenfalls das Programm mit einem Abend, der Kompositionen mit humorvollen Aspekten und ungeklärten Vorbildanleihen gewidmet ist.
Jonas Domeier und Sönke Tams Freier bei Gesangsparts der Walpurgisnacht.







