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    Interessanter Philharmonieabend samt Reise in die Stummfilmzeit

    Jürgen Störrs Filmszenen zu Schönbergklängen eröffneten den Philharmonieabend in der Konzertaula.Jürgen Störrs Filmszenen zu Schönbergklängen eröffneten den Philharmonieabend in der Konzertaula.

    Kamen. (wol) Zu Filmmusik hatte die Neue Philharmonie Westfalen in die Konzertaula eingeladen, kam aber ganz ohne Star Wars, Hollywood und Hans Zimmer aus. Statt dessen ging es zurück in Stummfilmtage. Aus dem Konzept von Generalmusikdirektor Rasmus Baumann wurde ein vor allem interessanter Klassikabend mit starken Highlights.

    Für Arnold Schönberg entschuldigte sich Baumann quasi vorab. Weil dessen Zwölftonmusik oft zwischen Herausforderung und Zumutung wahrgenommen wird, verabreiche die Neue Philharmonie nur eine „homöopathische Dosis“. Für die hatte sich Baumann allerdings Spektakuläres überlegt. Schönbergs „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene“ fand nie offiziell eine Filmszene, die sie hätte begleiten können. Baumann fand gleich drei filmische Ergänzungen für die drei Spielorte seines Orchesters.

    Soloviolinist Linus Roth begeisterte im Zusammenspiel mit dem Orchester und Dirigent Rasmus Baumann.Soloviolinist Linus Roth begeisterte im Zusammenspiel mit dem Orchester und Dirigent Rasmus Baumann.

    Für Kamen hatte Jürgen Störr die geforderte „Lichtspielszene“ eigens produziert, Künstler, Hochschullehrer und Mitgründer und Leiter der Ruhrkademie. Er war auch selbst vor Ort und beschrieb, was er dort geschaffen hatte. Ein atonales Schönberg-Werk und dazu ein Filmstück, dass bewusst auf jedes erzählerische Handlungselement verzichtet – interessant war auf jeden Fall, was dabei herauskam. Da Jürgen Störr jede Deutung offen lässt, konnte sein Filmset irgendwo zwischen Baustelle und Abrisskulisse auch als Kriegsszene in der Ukraine, dem Iran oder Gaza verortet werden. Schönbergs aufwühlende Klänge zu den Themen Gefahr, Angst und Katastrophe jedenfalls passten.

    Ein echtes Highlight wurde dann die Geschichte der „Roten Violine“ von John Corigliano mit einem eindrucksvollen Soloviolinisten Linus Roth und einem nicht weniger überzeugenden Orchester. So viel Solo ist selten, hervorragend wie Roth nach längerem Alleinspiel mit sanftem Klopfen das Orchester wieder zum Mittun einlädt. Die dramatische Geschichte der Roten Geige, eines Todesfalls wegen geschaffen, mal beerdigt, mal gestohlen, findet sich in der Musik wieder. Das begeisterte Kamener Publikum applaudierte sich eine Zugabe herbei. Roth ließ bei einer Paganini-Variation virtuos Bogen und Finger über seine Geige tanzen.

    Der zweite Teil des Konzertes brachte erneut Film und Musik zusammen. Für den Rosenkavalier hatte Baumann eine österreichische Stummfilmvariante aus den 20er Jahren ausgegraben. Während damals Musik den Film untermalte, war es nun eher umgekehrt. Natürlich ein spannendes Experiment mit Unterhaltungswert. Doch nach einer Weile hatte das Ganze Längen. Der zeittypischen Gestik und Mimik der Leinwandakteure und den eingestreuten Texten zu folgen, lenkte dann nur noch ab vom Orchesterspiel. Die Leinwandszenen samt von der edlen Dame als Diener gehaltenem und gefütterten „Mohrenkind“ waren ohnehin nur aus kunsthistorischen Gründen zu ertragen.

    Viel Beifall gab es doch und der Philharmonieabend blieb eben interessant. Und nun kann man sich wieder auf andere Facetten eines vielfältigen Jahresprogramms der Neuen Philharmonie Westfalen freuen.

    Reise in die Stummfilmzeit: Den schwarz-weißen Rosenkavalier  untermalte das OrchesterReise in die Stummfilmzeit: Den schwarz-weißen Rosenkavalier untermalte das Orchester

     

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