Das Publikum genoss einen stimmungsvollen Konzertabend unter freiem Himmel.
Fotostrecke: Picknick, Philharmonie und viel Applaus – Impressionen vom Klassik Open Air in Kamen.
Kamen. Ob gestandene Musiker nun wirklich am Kamener Bahnhof auf die Suche nach Currywurst gehen, mag dahingestellt sein. Schon wahrscheinlicher ist es, dass sie nach der Fahrplanumstellung der Busgesellschaft dort an einem Samstagabend gar nicht erst ankommen. Es war jedenfalls ein erster gelungener Treffer für das Crossover-Quartett „UWAGA!“, genau aus diesem Grund verspätet auf der Bühne des GSW Klassik Open Air aufzulaufen.
Die Neue Philharmonie Westfalen und das Quartett „UWAGA!“ sorgten für einen außergewöhnlichen Konzertabend.
Dort hatte die Neue Philharmonie Westfalen die „Volljährigkeit“ des 18. Freiluft-Events ganz klassisch mit der Zauberflöte eröffnet. Dank „QVE, EVK – oder vielleicht doch VKU“-Gemurkse wurde jedenfalls sofort deutlich, worum es an diesem Abend ging: Mehr oder weniger bekannte klassische Werke bekommen einen ordentlichen „Drive“ und ganz neuen „Einschlag“, wenn sich die vier Musiker mit Violine, Bass und Akkordeon einmischen. Echt war hingegen der Kampf des Dirigenten mit dem Wind. Generalmusikdirektor Rasmus Baumann musste nicht nur die Notenblätter bändigen und gelegentliche Explosionen in den Mikrophonen, sondern rangelte auch spielerisch mit den verbalen und musikalischen Ausreißern der „wilden“ Mitprotagonisten.
Die Kamener hatten jedenfalls ihren Spaß, auch wenn die Auswahl der Stücke gelegentlich etwa mit Wagners „Siegfried-Idyll“ reichlich getragen daherkam. Wenn sich Charlie Puth oder Rage against the machine unter die klassischen Klänge mischten, war jedenfalls einiges los auf der Bühne. Da konnten sich die Solisten an den Instrumenten hervorstechende Qualitäten nicht nur als „Teufelsgeiger“ unter Beweis stellen. Die Seifenblasen-Maschine der Kinder im Publikum kam da jedenfalls rhythmisch nicht mehr mit. Und mancher bis dahin sanft entschlummerte Vierbeiner im Publikum horchte alarmiert auf.
Das Publikum jubelte von den Picknick-Decken mit Kühlboxen auf der Schulwiese aus mit bei den Gefangenchören, die sich als reizvolle Mischung von Verdi und Ennio Morricone präsentierten. Ganze Klappstuhl-Parks wurden unter den Bäumen und in den Parkbuchten eröffnet, auch wenn noch einige Stühle zwischen der 1350 aufgebauten Exemplaren frei blieben. Spontan mischten sich Liegefahrräder in die Reihen der Zuhörer und Passanten blieben auf den Gehwegen stehen, als es zu „Killing In The Name Of The Bergkönig“ auf der Bühne regelrecht explodierte. Keine Frage: Klassik hat für die Kamener ihren Reiz, auch wenn es gelegentliche akustische Ablenkung der anderen Art aus dem benachbarten Park zu überhören galt.
Die Zugabe war obligatorisch angesichts der begeisterten stehenden Ovationen nach dem Trinklied aus La Traviata. Und Stücke wie Bizets „Toréador“ waren vielleicht auch die perfekte Einstimmung auf das anschließend noch anstehende WM-Drama zwischen Frankreich und England.
Fotostrecke: Picknick, Philharmonie und viel Applaus – Impressionen vom Klassik Open Air in Kamen.
Mit viel Spielfreude präsentierten die Musiker klassische Werke in neuem Gewand.





