Gedicht der Woche: Fünf Finger

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

Fünf Finger

Ganz plötzlich standen sie
sich gegenüber, mitten im Feld
der eine mit Gewehr im Anschlag
der andere unbewaffnet, zwischen

den Fronten. Keine Gewehrschüsse
kein Kanonendonner in diesem
Augenblick, nur sie beide
und er überlegte, der mit

Gewehr. Ein Schuss nur
dachte er, ein Schuss
und dann … Da hob der
andere die Hände, spreizte

die Finger seiner rechten
Hand und zeigte: Fünf
ja fünf. Der eine verstand
sofort, ein Schuss nur und

fünf Kinder wären Waisen
und überlegte einen
Augenblick lang. Dann
zeigte er mit dem Gewehr

hau ab, verschwinde
der andere ging zögernd
rückwärts, den Blick fest
aufs Gewehr gerichtet

für ein paar Schritte, dann
plötzlich drehte er sich um
und rannte, rannte
so schnell er konnte

Ein Moment des Friedens
mitten im Krieg, jedenfalls
ein kleines Stück davon
für fünf Kinder ein ganzes

Heinrich Peuckmann

Gedicht der Woche: Ein umgestülpter Himmel

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

Ein umgestülpter Himmel

Meine Mutter badete mich in ihrer Milch

legte mir eine Kette um bis hin zum jungfräulichen Busen

und ließ die Mittagssonne Raum, mich zu bräunen

Meine nackten Füße

berührten die Scheu in meinen Augen

Die beide Täubchen strebten

zu den steinernen Tempeln

Die geschliffen sind von den Tränen demütiger Frauen

Du Kleine da, schlafend auf dem Wasser

die Quellen deiner Opfergaben taufen die Blüten

und geben ihnen von deiner Helligkeit

Wärme die Reste der Liebe und lass sie zur Prophezeiung werden

Gott sprach zu mir in einer Vision: Ich werde die Erde mit seiner Sichel durchfurchen

und auf einen umgestülpten Himmel treten

dessen wollige Wolken unter meinem Atem weiden

Eines Jünglings Blick strich über meine Aureole

als ich im Fluss mit meinem Antlitz spielte

Er warf sein Herz auf den Schatten zwischen uns

dann seine Stimme auf sein Echo

Mein Name mischte sich mit dem, was ich vernahm

Da warf er den Wind zwischen uns und sagte:

Verzeih mir, ich ertrage deine wechselhaften Launen nicht

Wie Perlen, verborgen in Austern, flossen meine Tränen

als Opfergabe für die verbliebene Liebe

Da wühlte das Meer seine Flüsse auf

aus Mitleide für meine Trauer

Voll Unruhe war ich

und so trug auf seinem müden Kissen mich der Schlaf

in mir erwachte ein gereifter September

das Heulen meiner Ewigkeit füllte die Jahreszeiten der Erinnerung

doch war es mir verwehrt zu schlafen

Mein Stern kann nur zurück von seiner Prozession

zu besiegeln mein Prophetentum

mit meiner Muttermilch

Kholoud Charaf

Digitale Lesungsshows mit Fritzi Bender

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

stadtbuecherei19KWKamen. Im Rahmen der digitalen Lesungen in der Kamener Stadtbücherei werden nun zwei weitere digitale Leseshows auf der Bücherei-Homepage eingestellt.

Dabei stellt die Autorin Fritz Bender ihre beiden Helden „Prinzessin Blubberbauch“ und „Balduin, das Chamäleon sieht rot“ interaktiv und sehr launig vor.

Diesmal erlebt Balduin, wie Wut entsteht und findet heraus, wie man mit der Wut umgehen kann und Prinzessin Blubberbauch erzählt ein lustiges Märchen über Nahrungsmittelunverträglichkeiten und ihre pupsigen Folgen.

Mehr Informationen >>>

Sprung von der Brücke – neuer Kriminalroman von Heinrich Peuckmann

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

peuckmannsprung321Kamen. Ein stolzes Jubiläum kann der Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann feiern. Gerade ist der zehnte Band in seiner Krimireihe um den pensionierten Kommissar Bernhard Völkel erschienen. „Sprung von der Brücke“ heißt dieser neue Fall, den Völkel lösen muss. Dabei ergeht es ihm wie in den vorigen Fällen auch. Völkel möchte mit Verbrechen, gar mit Mord, eigentlich nichts mehr zu tun haben. Aber irgendwie rutscht er doch wieder in solche Fälle, die anfangs noch harmlos erscheinen, die sich aber dramatisch zuspitzen und ihn am Ende in Lebensgefahr bringen.

Ein Mann ist von einer Eisenbahnbrücke direkt vor einen vorbeifahrenden Zug gesprungen, Selbstmord vermutet die Polizei. Aber Frau und Tochter des Toten wollen das nicht glauben, zu optimistisch war das Opfer, zu viele Pläne hatte er für sein Leben gehabt. Deshalb bitten sie Völkel, zu recherchieren. Gab es einen Grund für einen Mord und vor allem, wer ist der Täter? Etwas unwillig beginnt Völkel, sich im Umfeld des Toten umzuhören, findet aber keine Spuren, bis dann plötzlich, gar nicht weit vom ersten Tatort entfernt, ein zweiter Mann von einer Eisenbahnbrücke springt. Das kann kein Zufall sein, zwei fast identische Fälle. Völkel beginnt nun, mit Eifer zu recherchieren und stößt am Ende auf eine tragische, tief bedrückende Geschichte, die auch ihn bewegt.

Spannung bis zur letzten Seite zeichnet auch diesen zehnten Fall mit Bernhard Völkel aus, der wieder in Dortmund spielt, an Orten, die manchem Leser bekannt sein dürften. Diesmal hat Peuckmann auch noch eine Spur nach Kamen gelegt, Völkel taucht am Kamener Markt auf, kauft Wurst in einer Fleischerei, die Ökofleisch anbietet und findet das Städtchen ganz nett.

Peuckmann freut sich über diese neue, seine insgesamt 64. Buchveröffentlichung. „In diesen Corona-Zeiten mit geschlossenen Buchhandlungen einen Roman zu veröffentlichen ist für einen Verlag kein geringes Risiko“, sagt er. „Aber der Leipziger Lychatz Verlag vertraut mir und meinem Kommissar, der für viele Krimifreunde längst so etwas wie Kult geworden ist.“

Heinrich Peuckmann: Sprung von der Brücke. Kriminalroman. Lychatz Verlag Leipzig, 9.95 Euro. ISBN 978-3-948143-06-0

Gedicht: Warten worauf

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

pulszeichnung 3 w321von Gerd Puls

Violette Nacht, gelber Staub
über den Stoppelfeldern
die Luft schmeckt nach Teer
und Benzin, das Abendessen
steht auf dem Tisch

heute habe ich die Endlosschleifen
auf dem Bildschirm für immer gekappt
erstarrtes Land mitten im Sommer
der Winter wird mild wie immer
die Leichentücher liegen längst parat

worauf soll ich noch warten
so viele schöne Tage, ruhige Nächte
kein Angstruf und kein Vogelschrei
gegen Morgen sanfter Regen
die Bestien rennen Kopf an Kopf

fletschen die Zähne, Geifer trieft
sie sind bereit uns zu zerfleischen
du wartest nicht, verschwindest
in der Dunkelheit, ich wünsche
es läuft gut für dich

viel zu lange habe ich gewartet
die Biester waren doch schon
immer da, was soll ich tun ohne dich
ich werde dir folgen, morgen schon
werden wir sie gemeinsam jagen

Gedicht der Woche: Meine Gedanken

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

Meine Gedanken

Meine Gedanken gehen ins Universum
ich sehe
das Blitzen der Bomben
das Brennen der Wälder
das Verdorren der Länder
den Dreck in den Meeren

Ich höre das Schreien der Menschen
vor Hunger
höre die Schreie
der Folter
höre das Flehen
nach den toten Eltern

vernehme das Leid
der Eltern
bemerke das Verzweifeln
der Flüchtenden
die Ignoranz, den Egoismus
einzelner Völker

Sehe aber auch
die kleine Pflanze
des Aufschreis der Jugend
habe die Hoffnung, dass
sie anfängt zu wachsen
und Ableger bekommt

dass, ja dass Erde
wieder für alle da ist

Bernhard Büscher

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