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Kamen. Am Mittwoch, den 28. Mai, wird es in der Stadtbücherei Kamen wieder literarisch: Zum alljährlichen „Lesesommer“ lädt die Kamener Buchbloggerin Elke Schwarzkopf ab 19.30 Uhr alle Buchbegeisterten zu einem besonderen Abend ein. Dabei stellt sie aktuelle Romane vor, präsentiert ihre persönlichen Lesehighlights und gibt wertvolle literarische Tipps – sowohl für Erwachsene als auch für junge Leserinnen und Leser.
Die Veranstaltung bietet eine gemütliche Atmosphäre, in der Besucherinnen und Besucher nicht nur neuen Lesestoff entdecken, sondern sich auch mit Gleichgesinnten austauschen können. Ein besonderes Highlight ist die Möglichkeit, die eigene Lieblingslektüre mit in die Runde zu bringen und vorzustellen.
Der „Lesesommer“ ist eine Kooperationsveranstaltung der Volkshochschule Kamen-Bönen und der Städtischen Bücherei der Stadt Kamen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Wer Lust auf einen abwechslungsreichen Abend voller Bücher und Inspiration hat, sollte sich diesen Termin nicht entgehen lassen.
Wann: Mittwoch, 28. Mai 2025, 19.30 Uhr
Wo: Stadtbücherei Kamen
Teilnahme: Kostenlos
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Kamen. Am Samstag, den 17. Mai 2025, dürfen sich Krimifans in Kamen auf ein besonderes Highlight freuen: Erfolgsautor Volker Klüpfel ist um 19 Uhr zu Gast in der Stadtbücherei. Bekannt geworden durch die Kultreihe um Kommissar Kluftinger, stellt Klüpfel diesmal den Auftakt seiner neuen Krimiserie „Wenn Ende gut, dann alles“ vor – mit ungewöhnlichen Ermittlern, skurrilem Witz und spannenden Wendungen.
Die Lesung ist eine gemeinsame Veranstaltung der Stadtbücherei Kamen und der VHS Kamen-Bönen. Karten zum Preis von 15 Euro sind in der Stadtbücherei sowie in der VHS-Geschäftsstelle in Heeren erhältlich. Einlass ist ab 18.30 Uhr.
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3200 Euro sammelte der Kamener Autor Bernhard Büscher (r.) für die Stiftung Fair:Well von BVB-Exprofi Neven Subotic (l.), die sich für den Bau von Trinkwasserbrunnen in Afrika einsetzt. Foto: privat
Kamen. (AG) Mit seinem Ende letzten Jahres erschienen Kinderbuch „Feven und das Wasser“ verzeichnet der Kamener Autor Bernhard Büscher schon seit Monaten große Erfolge - nicht nur bezüglich der großen Resonanz auf den bebilderten Mini-Band, sondern auch mit Blick auf die zahlreichen, mit der Veröffentlichung verbundenen Spenden zugunsten der Stiftung Well:Fair von BVB-Innenverteidigerlegende Neven Subotic, die sich für den Bau von dringend benötigten Trinkwasserbrunnen in Afrika engagiert. Fast 900 Kinder haben Büschers lehrreiche Story, die er in mehr als 30 Schulklassen vorlas, mittlerweile gelesen oder gehört.
"Feven und das Wasser" erzählt die Geschichte eines äthiopischen Mädchens, das davon träumt, zur Schule gehen und lernen zu können - dabei macht ihr der schwere Zugang zu Trinkwasser regelmäßig einen Strich durch die Rechnung, da sie täglich kilometerweit laufen muss, um die Kanister für den Wasserbedarf ihrer Familie aufzufüllen und heimzuschleppen. Als eines Tages fremde Menschen mit Lastwagen und schwerem Gerät in ihrem Dorf auftauchen und einen Brunnen bauen, kommt sie ihrem Traum, Lesen und Schreiben zu lernen, ein großes Stück näher – durch die Zeitersparnis ergeben sich ungeahnte Perspektiven.
Die Büchlein im „Pixie-Format“, das von Viertklässlern der Schillerschule in Unna-Massen bunt illustriert wurde, ist zum Preis von jeweils 5 Euro zu haben, von denen drei Euro an Well:Fair gespendet wird. Auf diese Weise ist mittlerweile ein Spendenbetrag von insgesamt 3200 Euro zusammengekommen, wozu im vergangenen Dezember auch die Gemeinschaftsstadtwerke Kamen-Bergkamen-Bönen (GSW) ihren Teil beitrugen: Als Spezialisten für das Thema Wasserversorgung spendierten die GSW allen Kindern, die bei Bernhard Büschers Lesungen dabei waren, die begehrten Miniformate, womit das Spendenkonto ordentlich aufgefüllt wurde.
Erhältlich sind die handlichen Büchlein in der Stadtbücherei, der Mayersche/Thalia-Buchhandlung in der Weststraße oder bei Bernhard Büscher persönlich. Der geht bald wieder auf Lesetour, unter anderem am Samstag, 1. Juni, in der Bergkamener Ökostation und am Dienstag, 9. Juli, um 16 Uhr in der Kamener Stadtbücherei.
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Eine frühe Erinnerung an den Schriftsteller Max Von der Grün - 1926 – 2005 - der von 1951 bis 1963 im heutigen Kamener Ortsteil Heeren lebte
Am 7. April jährt sich der Todestag des Schriftstellers Max von der Grün zum 20. Mal. Der bekannte Autor, dessen Werke das Leben der Arbeiterklasse eindrucksvoll schilderten, lebte und arbeitete von 1951 bis 1963 im heutigen Kamener Ortsteil Heeren. Sein literarisches Schaffen und seine Verbundenheit zur Region bleiben bis heute unvergessen.Unsere halbe Volksschule. Fünftes bis achtes Schuljahr. Mit dem Zug ins Sauerland. Die schwarze Dampflok kaum größer als die Zechenloks, die hinter den Gärten zwischen den umliegenden Schachtanlagen hin und her schnaufen, Kohle zum Kanal bringen, Bergleute und Grubenholz zum Pütt. Damals, Ende der fünfziger, Anfang der Sechziger.
Wie wir zum Unnaer Bahnhof gekommen sind, weiß ich nicht mehr. Aber dort stehen dunkelgrüne, in die Jahre gekommene Abteilwagen, von denen die Farbe blättert. Nach Winterberg also. Die Schule macht einen Rodelausflug. Ziemlicher Aufwand, für die damalige Zeit.
Ein strenger Winter, das Sauerland seit Wochen tief verschneit. Da müssen wir hin! Bei uns ist der Schnee gleich dreckigschwarz, kohlenstaubgraue Matsche nach ein, zwei Tagen, wenn er denn so lange liegen bleibt. Diesmal schon.
Schneeballschlachten und Iglus bauen auch im Flachland zwischen Ruhr und Lippe. Trotzdem die günstige Gelegenheit nutzen. Sauerland? Was ist das schon? Mehr eine Hochebene mit paar engen Tälern, darin Bäche und Flüsse. Berge? Eher Hügel, Hückel, sanfte Hänge. Vom Rothaargebirge abgesehen. Kleine Flüsschen hin zur Ruhr, dann die Ruhr selbst. Kohle und Eisen, Anfänge der Industrialisierung. Die Geschichte vom Hirtenjungen, an dessen Feuer plötzlich die Steine brennen! Ewige Kamellen aus dem Heimatkundeunterricht, die alte Leier, alles freihändig gezeichnet und ins Heft übertragen, rot die Orte, Wasser blau, überall Symbole für Wälder und Felder. Ordentlich beschriftet, Wichtiges wird unterstrichen.
Letzte Woche ist unsere Klasse durchs verschneite Feld zur Afferder Zwergschule gepilgert. Ähnlich weit wie zum Bahnhof Unna. Mickrige Dorfschule, zwei Klassen bloß, erstes bis viertes, fünftes bis achtes Schuljahr. Was waren wir modern dagegen, fortschrittlich gar. Im überheizten, hoffnungslos überfüllten Klassenzimmer haben wir uns kurz aufgewärmt, die Lehrer haben gequatscht, bevor es wieder an die frische Luft zurück nach Heeren ging.
Einen klapprigen Sonderzug haben sie eingesetzt für uns Schüler. Wer hat in einem Bauern- und Bergbaudorf schon Zeit und Lust auf Rodeln und Wintersport mitten in der Woche? Unsere Eltern malochen, haben anderes zu tun als sich kalte Nasen und nasse Klamotten zu holen. Ne Erkältung einfangen, bloß weil den Paukern nichts Besseres einfällt?
Der Rektor hat das letzte Wort. Es kostet nicht viel, der Zug muss sich lohnen! Womöglich leere Waggons, wenn wir uns nicht beteiligen. Man will den Kindern etwas Gutes tun, der Bürgermeister mit breiter Brust und Überzeugung. Die Gemeinde unterstützt die Fahrt, 100 Mark aus meiner Extrakasse. Wir lassen uns nicht lumpen, so arm sind wir auch wieder nicht. Selbständige Bergbaugemeinde immerhin! Noch wird reichlich Kohle gefördert. Soziales Engagement, große Staatsaktion. Fahrt in den Schnee also, den Blagen etwas Abwechslung bieten. Berge kennen die nicht! Echtes Rodelvergnügen, solche Abfahrten nur im Sauerland! Eure Schlitten bringt ihr mit!
Ich habe keine Erinnerung, wie wir zum Bahnhof gekommen sind, zu Fuß wahrscheinlich. Da steht die Tenderlok schon unter Dampf, der Lokführer äugt aus dem Fenster, wartet auf die Schülerhorden aus den umliegenden Schulen. Alles einsteigen! Voran, wirds bald! Und los geht es Richtung Süden über die Ruhr. Fröndenberg, Menden. Alles weiß, du ahnst die Orte kaum. Über Iserlohn doch nicht! Die Strecke bestimmt längst stillgelegt?
Durchs schöne Hönnetal. Wo auch heute noch die Regionalbahn fährt und ab und an, immer seltener, der rote Schienenbus über die Gleise rumpelt. Pure Nostalgie, Sonderfahrt der Eisenbahnfreunde. Ein Bahnhof mitten auf freier Strecke. Schlichte Fehlplanung, die Dörfer, Städtchen lagen woanders, paar Kilometer weiter. Der Schienendiesel schüttelt die Fahrgäste durch, rattert wie vor sechzig Jahren die sanften Hänge rauf und runter durch das enge Tal. Beinahe rasant kommt es dir vor. Höchstgeschwindigkeit? Sechzig Kilometer im Tunnel, in den Kehren. Bergab vielleicht siebzig. Wir sind hier nicht im Intercity! Statt harter Holzbank immerhin rostbraune Plastikposter. Fortschritt lässt grüßen.
So einen Schienenbus, hübsches filigranes Teil, naturgetreu, sogar die kleinen Toilettenfenster in blickdichtem Pleximattglas, hab ich in den späten Fünfzigern. Bei meinem Modell drehen dauernd die Räder durch. Merkwürdig, meine Märklinloks zischen doch sonst immer ganz zuverlässig über die Schienenstränge meiner Modellanlage. Auch unter Belastung ziehen die tüchtig was weg! Der Schienenbus, feines Plastikgehäuse, ist leicht gebaut, ähnlich wie das Original. Bringt kaum Druck auf die Schiene. Die zu steile Rampe, die kurze Auffahrt zum idyllischen Faller-Bergdorf. Die Eisenbahnplatte war nicht lang genug, die Bergstrecke mit der hübschen Bogenbrücke, einem römischen Viadukt nachempfunden, zwischen den Gips- und Pappbergen aber ist das Schmuckstück der Anlage. Wie Hönnetal, beinah wie Sauerland, kommt es mir vor.
Vater sorgt für Haftreifen unter die Antriebsräder, schon schafft der rote Bus die Steigung. Du drehst am Regler des blauen Trafos, lässt das Kirchenglöckchen läuten, stellst die wenigen Weichen, Signale auf Freie Fahrt, jeder Zug ist pünktlich. Was interessiert dich die Wirklichkeit, die Welt der Erwachsenen? Dass der Krieg kaum vorbei ist, in Korea weitergeht, weit weg für Knirpse wie dich. Und Vater verdient genug, um dir so eine Märklinanlage zusammenzuschrauben.
Auf meiner Anlage ist alles niedlich, putzig, beschaulich. Farbiges Sägemehl deutet Straßen an, Blumenwiesen, Felder. Zusammensteckbare Plastiktannen je nach Größe. Wie im Schwarzwald oder Sauerland. Unter der winzigen Berglandschaft führen zwei Tunnels hindurch, im Tal dreht sich das Mühlrad, bimmelt das Glöckchen in der Fallerkirche mit dem roten Dach. Es gab auch eine mit bayrischem Zwiebelturm, meine ist neutraler, wir sind in Westfalen.
Alle hübsch zusammenbleiben, hier rüber, alles einsteigen. Die schwarze Dampflok zieht Schülerhorden und Rodelschlitten ratternd und schnaufend durchs Sauerland rauf Richtung Winterberg. Für Dorfkinder ein echtes Abenteuer. Der Lehrer zum Glück im anderen Waggon. Hat da Ruhe vor uns oder bespricht sich kartenspielend mit Kollegen aus den übrigen Schulen. Oder sie trinken einen ersten Schnaps zum Frühstück, wärmen sich auf. Nicht von liebgewordenen Gewohnheiten lassen, nur eine Pflichtübung. So einer Klassenfahrt das Beste abgewinnen.
Die Schüler gucken aus dem Fenster, wie es raucht und zischt und der Qualm vorbeiweht. Die vorbeizockelnde Landschaft interessiert eher wenig, alles weiß, viel gibt es nicht zu sehen. Gemütlich ruckelt die kleine Lok die schäbigen Abteilwagen mit all den Schulkindern auf den hölzernen Bänken höher in die Berge, oder was wir dafür halten.
So viele Kinder, werden die Lehrer gestöhnt haben, als sie die Fahrt beschlossen haben. Und so wenig Lehrer! Wir brauchen Verstärkung! Leute, die Aufsicht führen! So viele Blagen auf einem Haufen. Rabauken, die so was nicht kennen! Die wilde Horde auf einem steilen Rodelhang beaufsichtigen. Auseinanderhalten, aufpassen, ordnen! Keine Kleinigkeit. Die vielen Klassen, werweißwoher?!
Mein Mann könnte mit, zur Unterstützung, hatte Lotte von der Grün vorgeschlagen. Sie hat die Klasse unter uns. Mein Mann wechselt die Schicht, dann ist ein Erwachsener mehr vor Ort!
Dass Max gerade seinen ersten Roman, Männer in zweifacher Nacht, geschrieben hat, mit dem zweiten schon zugange ist, weiß so gut wie keiner. Wir sowieso nicht, unsere Lehrer auch nicht, das weiß ich heute. Und Max, der Bergmann, auf dem selben Pütt wie mein Vater, kommt tatsächlich mit, dafür hat seine Frau gesorgt. Keiner hat etwas dagegen, und ich glaube, es war nicht besonders schwer, ihn zu überzeugen, denn Max interessiert sich für alles Mögliche, was im Dorf so los ist und in der Gegend, in die es ihn aus Franken, von Bayreuth verschlagen hat. Kurz nach dem Krieg auf der Suche nach Arbeit.
Augen und Ohren offen halten, ob er über dieses und jenes schreiben kann? Die Themen liegen vor der Haustür, auf der Straße. Die Dorfjugend fährt in den Schnee. Und das Sauerland, das Flüsschen Ruhr, dem die Industrieregion den Namen verdankt, gehören irgendwie dazu. Wenige Jahre später fährt er dann mit dem Mofa tatsächlich an der Ruhr entlang von der Quelle bis zur Mündung, von Winterberg nach Duisburg runter an den Rhein.
Heute machst du das locker mit dem Elektrorad, paar Etappen auf gut ausgebautem Radweg durch Südwestfalen. Ruhrtalradweg, kein Problem. Junge Leute brauchen da auch keinen Motor. Aber damals: unbefestigte Feldwege, sich durchfragen hier und dort: wo geht es lang, ist es noch weit? Die Ruhr, zuerst der schmale Bach, dann das kleine Flüsschen nicht ständig in Sichtweite oder gleich nebenan. Verwunschene Ecken, sich schlängelnde Wege bis du endlich in Schwerte bist oder an der Hohensyburg oben zwischen Dortmund und Hagen.
Verwunschen finden wir Kinder das Sauerland, still ruht die weiße Pracht, durch die sich unser Zug schnaufend die Hänge hochquält. Tief verschneite Dörfer, lausig kalt. Die ganze Fahrt stillsitzen auf der harten Bank im ungeheizten, zugigen Abteil. Wehe, ihr lauft im Zug herum! Wir haben die Verantwortung!
Endlich vor Ort am Rodelhang. Wo soll denn hier Winterberg sein, der sagenhafte Wintersportort, Perle des Sauerlandes? Ringsum nur Schnee, die Tannen weiß. Mit quietschenden Bremsen kommt der Zug zum Stehen. Alle Mann aussteigen, raus aus dem Zug!
Die Lehrer, dazwischen Max von der Grün, der Bergmann, treiben uns an. Klassenweise aufstellen! Bisschen zackig! Wird’s bald!
Endlich kann es losgehen. Sieht ziemlich steil aus, der Hang, noch unberührt.
Hier steht ein Schlitten. Da liegen Handschuhe und eine Mütze! Passt besser auf eure Brocken auf! Da will Max nicht zurückstehen, sich nicht lumpen lassen.
Bewegt euch! Los, voran, faule Bande, ich mach euch Beine!
Er poltert, wird laut. Zwei Jungen, die getrödelt, provoziert oder tatsächlich freche Widerworte gegeben haben. Was will der Olle von uns? Is doch kein Lehrer! Spielt sich hier auf! Unsanft stößt Max sie aus dem Zug, das vereiste Trittbrett runter auf den verschneiten Hang. Macht voran, verfluchte Bande! Einem tritt er in den Hintern, auch noch frech werden, der Bengel!? Ich mach euch Beine!?
So war mein Vater nicht. Auch Max’ Frau hätte das nie auch nur annähernd so gemacht! Die ist als Lehrerin beliebt, weil sie nicht viel sagt, uns meist gewähren lässt. Von ihrem Mann halte ich mich besser fern. Wie der sich aufregt, schimpft und bollert! In den Hintern treten soll er mir nicht!
Vielleicht hat Max bloß schlechte Laune. Wir kennen das von unseren Vätern. Müde, erschöpft von der Arbeit. Angespannt, weil er womöglich nicht recht voran kommt mit dem neuen Roman. Was wissen wir Kinder denn, was los ist mit Erwachsenen wie Max, mit unseren Vätern, von denen die meisten untertage arbeiteten wie er. Max hat Wechselschicht, die Siedlung ist eng, die Wände sind dünn. Dauernd Krach in der Siedlung, wenn er schlafen will. Die Schulkinder mittags auf dem Nachhauseweg, lärmen unter dem Fenster.
Ein Zeitgefühl haben wir Kinder nicht wirklich, eine Uhr besitzt keiner. Kaum angekommen, sollen wir schon wieder einsteigen in den kalten klapprigen Waggon. Für das bisschen Rumjuckeln, drei, vier Mal mit dem Schlitten den Hang hinunter hat die lange Fahrt doch nicht gelohnt!
Wie, schon Schluss, keine Schneeballschlacht mehr? Noch einmal fahren, bitte!
Vielleicht haben wir auf der Hinfahrt länger gebraucht als gedacht, denn nach ein paar Abfahrten und wenigen Stunden treibt man uns schon wieder zusammen.
Es dämmert bereits, durchgefroren die meisten zur Genüge.
Alles einsteigen, zack, zack!
Schon wieder treibt Max uns an, kennt das vom Pütt, von der Maloche untertage. Los, ich werd euch Beine machen! Schlitten fahren mit euch! Können die Lehrer mal sehn, wie das geht!
Ähnlich erlebe ich ihn auch später bei Lesungen aus einem neuen Buch oder in der Dortmunder Reinoldigaststätte bei regelmäßigen Schriftstellertreffen, als ich selbst gerade anfange zu schreiben. Ein Einstieg in die Literatur, auch, weil ich mich und meine Umgebung darin wiederfinde. Menschen, die hier leben, vertraute Szenerien im Ruhrgebiet, in Dortmund vor allem, und vieles auch in Heeren, dem winzigen Bauern- und Bergbaudorf zwischen Ruhrgebiet und Münsterland, das Max von der Grün zur zweiten Heimat wurde kurz nach dem Krieg.
Männer in zweifacher Nacht, und Irrlicht und Feuer, seine Romane aus dem Bergbaumilieu, hat er hier geschrieben. In Irrlicht und Feuer, seinem wichtigsten und wohl bekanntesten Roman, erkenne ich unmittelbar vor meiner Haustür Ecken und Winkel, Streckenabschnitte und Straßennamen, die mir bekannt und vertraut sind. Orte in Kamen und um Kamen herum. Unscheinbare, um Grunde banale Orte, die von der Grün in ein Stück Literatur verwandelt hat.
Darüber hinaus zeigen gut beobachtete, genau wiedergegebene Romanabschnitte, sowie zahlreiche, nennen wir Heerener Dorfskizzen – Episoden aus Erzählungen und Hörspielen, dass er nicht nur von weitem und vom Schreibtisch aus beobachtete, sondern vielmehr auch ein neugieriger und interessierter Heerener Bergmann und Bürger war, der Kontakt hielt zu den Menschen im Dorf.
So wie auf unserer Zugfahrt ins eisige, verschneite Sauerland.
Laut bollern, poltern, schon mal heftig toben, das konnte Max. Impulsiv, immer geradeaus und direkt, wie er war. Etwas unverblümt zur Sprache und auf den Punkt bringen! Seine Romane, Erzählungen, Hörspiele und Fernsehfilme belegen es. Auch wenn ich bald nach unserer kleinen Sauerlandfahrt beginne, alles Mögliche zu lesen, von Heinrich Böll bis Franz Kafka, von Wolfgang Borchert bis John Steinbeck, werden auch Max von der Grüns Texte aus und über meinen Ort Heeren, zum Beispiel aus dem Erzählband Am Tresen gehen die Lichter aus, wenige Jahre nach unserem Schulausflug für mich zu einem naheliegenden, ganz besonderen Einstieg in die Welt der Literatur.
Bei der Geschichte Mit euch mal Schlitten fahren handelt es sich um einen Abschnitt aus dem Kapitel Klassenfahrten, Herbergsaufenthalte aus einem Romanprojekt. Mehrere Romankapitel, Episoden oder Abschnitte daraus wurden bisher an unterschiedlicher Stelle vorab veröffentlicht.
Seit 1970 schreibe und veröffentliche ich nun schon 55 Jahre, eine schöne runde Zahl, finde ich. Max von der Grün wurde am 1926 in Franken geboren, von 1951 bis 1963 lebte er im heutigen Kamener Ortsteil Heeren. In der 2. Hälfte des vorigen Jahrhundert war er ein wichtiger und vielgelesener Autor, eine kleine Gedenktafel vor seinem früheren Wohnhaus im Grünen Weg in Heeren erinnert an ihn. Er starb am 7. April 2005.
(Gerd Puls)
Archiv: Über die Schreibanfänge von Max von der Grün in Kamen-Heeren
Gedenktafel erinnert an Max von der Grün
Max von der Grün - "Wichtige Stimme des Reviers"
Jubiläum für einen Roman aus Kamen. Vor 50 Jahren erschien „Irrlicht und Feuer“ von Max von der Grün
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Kamen. Am 6. April 2025 um 15 Uhr findet im „Kamener Haus der Stadtgeschichte“ eine besondere Lesung im Rahmen des aufbrüche – literaturfestival [lila we:] 2025 statt. Die Veranstaltung wird von der LWL-Kulturstiftung im Rahmen des Jubiläumsprogramms „1250 Jahre Westfalen“ gefördert.
Die junge Autorin Nasila von Staudt liest aus ihrem historischen Kriminalroman Flammentochter, der im 17. Jahrhundert in Rothenburg ob der Tauber spielt und auf einem wahren Fall basiert. Die Geschichte erzählt vom Schicksal eines Mädchens, das sich selbst der Hexerei bezichtigt und so in die Mühlen eines gnadenlosen Hexenprozesses gerät.
Nasila von Staudt, die in Unna lebt, stammt aus einer alten Patrizierfamilie Rothenburgs und konnte für ihren Roman auf historische Dokumente aus dem Stadtarchiv zurückgreifen. Bereits mit 19 Jahren veröffentlichte sie ihr Debütwerk, das die Atmosphäre der Reichsstadt im 17. Jahrhundert eindrucksvoll zum Leben erweckt.
Beginn: 15 Uhr (Einlass ab 14 Uhr)
Tickets: An der Tageskasse, im Vorverkauf oder online unter pretix.eu/DruckerDomain
Weitere Vorverkaufsstellen:
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I-Punkt Unna, Lindenplatz 1, Tel. 02303/103-4114
-
Café Mailin, Massener Hellweg 13, Tel. 02303-953660
-
Lotto Kneiphof, Massener Hellweg 14, Tel. 02303-50888
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Drucker-Domain, Bismarckstraße 11, Tel. 02303-779960
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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockDie Leere
Und so ist die Welt wieder eine andere
wenn ich zur Ruhe komme
Wenn mein Kopf, frei von Gedanken
ja des Denkens unfähig
mein Herz von Liebe frei
und ohne Gefühl
kannst du’s mir sagen
was ich eigentlich will
Eine Träne
oder eine kleine Traurigkeit
das wäre schön
Ein Rebellenherz das schreit
Und ein Gemüt mit der Sehnsucht nach Arsen
Wie immer will
will ich zu viel
überfordert mit meinem Glück
falle ich ins Leere zurück
Bilitis Naujoks
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