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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockWenn ich die Augen zu mache
Ich gehe durch die Stadt
und sehe das Helle
den Frieden in den Menschen
denen ich begegne
geh ich in die Felder
dann kann ich es hören
die leisen Töne der Natur
und der Tiere die in der Nähe
nehme ich dich an die Hand
so kann ich dich fühlen
es ist deine Nähe die mich berührt
es ist die Wärme deiner Haut
Mache ich die Augen zu
bekomme ich Angst
vor dem was ich höre
das andere tun
Sie gehen durch die Stadt
erleben das Donnern und Blitzen
durch den Krieg
in dem sie sich befinden
Gehen sie durch die Felder
sehen sie das verdorren der Früchte
die Töne der Natur werden übertönt
durch die Salven aus den Gewehren
Nehmen den anderen an die Hand
um sich festzuhalten
damit sie in ihrer Angst nicht alleine sind
vor dem, was sie töten könnte
Bernhard Büscher
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In der App "Palava" haben LWL und LVR jetzt eine Sprachkarte veröffentlicht mit Antworten auf die Frage: "Was wird in deinem Ort an Karneval gerufen?" Foto: LWL
Westfalen/Rheinland (lwl/lvr). Pünktlich zu Karneval veröffentlichen die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) in ihrer Sprach-App "Palava" zwei neue Sprachkarten. Sie zeigen die vielfältigen Antworten auf die Fragen "Was wird in deinem Ort an Karneval gerufen?" und "Wie nennst du den Donnerstag vor Rosenmontag?"
"Insgesamt wurden uns 98 unterschiedliche Karnevalsrufe gemeldet. Für die Karte wurden ähnliche Meldungen wie etwa "Kölle Alaaf" und "Ooche Alaaf" zusammengefasst", erläutert LVR-Sprachwissenschaftlerin Dr. Charlotte Rein. "Die bekannten Rufe "Alaaf" und "Helau" sind am weitesten verbreitet. Aber auch lokale Karnevalsgrüße wie "Wuppdika" im Raum Wuppertal oder "Festo" in Ahaus werden oft genannt", ergänzt ihr LWL-Kollege Timo Schürmann. Bei den Bezeichnungen für den Donnerstag vor Rosenmontag, an dem traditionell die Frauen Karneval feiern, gibt es weniger Variation. Üblich sind vor allem Zusammensetzungen mit den Wörtern (Alt-)Weiber/Wiver, Fastnacht oder Karneval. Aber auch das Dialektwort Möhne ("ältere, verheiratete Frau") kommt an einigen Orten vor.
Hintergrund
Seit Juni 2023 betreiben die LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung in Münster und das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn die Sprach-App "Palava". Mit ihr werden umfangreiche Sprachdaten zur regionalen Alltagssprache in Nordrhein-Westfalen gesammelt, über 15.000 Menschen haben inzwischen teilgenommen.
Die Datensammlung zur regionalen Umgangssprache in NRW ist noch lange nicht abgeschlossen. Die zweite Fragerunde ist nun vollständig, alle Interessierten sind weiterhin herzlich zur Teilnahme eingeladen. Die App "Palava" gibt es kostenfrei in allen App-Stores.
In der App "Palava" haben LWL und LVR jetzt eine Sprachkarte veröffentlicht mit Antworten auf die Frage: "Wie nennst du den Donnerstag vor Rosenmontag?" Foto: LWL
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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockWintertag
es atmet die stadt einen kalten rauch.
durch offene fenster ins zimmer.
von schnee bedeckt der haselnußstrauch.
aus schornsteinen steigt grauer rauch.
die sonne wirft goldenen flimmer.
und meine hände auf deiner haut.
und meine lippen auf deinen.
die stadt so leise und wir so laut.
in deinen Augen eiszeitenbraut,
da will der frühling scheinen.
ich will an diesem sonnenschneetag,
das neue grün gewahren.
die winterbedrückung, die auf uns lag,
forttun mit leichtem fahrigen schlag,
will neues sprießen erfahren.
es schmizt die moral, die man mich gelehrt.
sie hat mich bedrängt, beschmutzt und entehrt
und meine lust, meine liebe.
Leander Sukov
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Westfalen (LWL). Wer kennt das nicht: Man schneidet ein Weißbrot an und stellt fest, dass es innen mehr oder weniger hohl ist. Warum das so ist, erklärt ein Beleg aus dem Westfälischen Wörterbuch aus Osterwick (Kreis Coesfeld): „De Bäckersche is dör den Stuten kruopen.“ Was das bedeutet, wissen die Sprachwissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Demnach ist jemand durch den Stuten, also das Weißbrot, gekrochen. Doch der Bäcker war es nicht – darauf deutet die Endung „-sche“ hin. „Diese Endung ist ein sogenanntes Movierungssuffix“, erklärt Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. „Dabei handelt es sich um eine Ableitungssilbe, die an eine männliche Personenbezeichnung angehängt wird, um eine weibliche Form zu bilden.“ Doch auch die Bäckerin ist mit „Bäckersche“ nicht gemeint, wie Denkler weiter ausführt. „Im Niederdeutschen haben Personenbezeichnungen auf ‚-sche‘ noch eine zweite, ältere Bedeutung: In diesem Fall bezeichnet das Wort die Ehefrau des Bäckers.“
Die Zusammensetzung des Ausdrucks gehört also zur sogenannten „matrimoniellen Movierung“ – einer Wortbildung, bei der das Eheverhältnis der Frau im Mittelpunkt steht.
Warum jedoch ausgerechnet die Bäckersfrau durch ein Weißbrot gekrochen sein soll, bleibt unklar. Selbst die Sprachwissenschaftler des LWL haben dafür keine Erklärung.
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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockÜber den Zaun
Mein Nachbar ist ein
ungedudiger Mann
will nicht warten, bis ich
meine Hecke schneide
Mein Nachbar ist ein
mürrischer Mann, knurrend
verlangt er, ich möge
meine Bäume fällen
Mein Nachbar ist ein
ängstlicher Mann
versteckt sich hinter
blickdichtem Plastikzaun
Mein Nachbar ist ein
großzügiger Mann
setzt täglich lärmend
seine Geräte ein
Mein Nachbar ist ein
geiziger Mann
seine Maschinen gönnen
mir keine Ruhe
Mein Nachbar ist ein
akkurater Mann
sein millimeterkurzer Rasen
ist morgen trocken und gelb
Mein Nachbar ist ein
sauberer Mann
frisch poliert glänzen
Auto und Fensterscheiben
Mein Nachbar ist ein
neugieriger Mann
steht hinter der Gardine
was ich wohl treibe
Mein Nachbar ist ein
alter Mann, der nicht weiß
wie seinen Lebensabend
totschlagen soll
Mein Nachbar ist ein
kontaktfreudiger Mann
gerne würde er mir
mal etwas erzählen
Mein Nachbar ist ein
lebenskluger Mann
er weiß genau, dass ich
ein schlechter Nachbar bin
Gerd Puls
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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockKamen – meine Stadt
Am Hellweg zwischen Lippe und Ruhr
erscheinst du in schlichtem Kleide,
ringsum gebettet in grüne Flur
von Wasserkurl bis Werver Heide.
Weithin ins Land grüßt dein schiefer Turm
aus Zeiten der Hanse und Grafen,
warst immer und erst recht bei Sturm
den Bürgern ein sicherer Hafen.
Einst haben Kumpel das schwarze Gold
aus tiefsten Schächten geborgen,
Glückauf gegrüßt und Respekt gezollt
dein Schachtgerüst weist ins Morgen
Peinvoll ins Kamener Kreuz gefügt
von Logistikhallen umgeben,
sind deine Bürger doch vergnügt
und wissen geruhsam zu leben.
So mögt ihr weiter den Sinn für Recht
und Freiheit und Gleichheit bewahren,
niemandes Herr und niemandes Knecht
zu trotzen bereit den Gefahren.
Klaus Görke
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