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Westfalen (LWL). Wer kennt das nicht: Man schneidet ein Weißbrot an und stellt fest, dass es innen mehr oder weniger hohl ist. Warum das so ist, erklärt ein Beleg aus dem Westfälischen Wörterbuch aus Osterwick (Kreis Coesfeld): „De Bäckersche is dör den Stuten kruopen.“ Was das bedeutet, wissen die Sprachwissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Demnach ist jemand durch den Stuten, also das Weißbrot, gekrochen. Doch der Bäcker war es nicht – darauf deutet die Endung „-sche“ hin. „Diese Endung ist ein sogenanntes Movierungssuffix“, erklärt Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. „Dabei handelt es sich um eine Ableitungssilbe, die an eine männliche Personenbezeichnung angehängt wird, um eine weibliche Form zu bilden.“ Doch auch die Bäckerin ist mit „Bäckersche“ nicht gemeint, wie Denkler weiter ausführt. „Im Niederdeutschen haben Personenbezeichnungen auf ‚-sche‘ noch eine zweite, ältere Bedeutung: In diesem Fall bezeichnet das Wort die Ehefrau des Bäckers.“
Die Zusammensetzung des Ausdrucks gehört also zur sogenannten „matrimoniellen Movierung“ – einer Wortbildung, bei der das Eheverhältnis der Frau im Mittelpunkt steht.
Warum jedoch ausgerechnet die Bäckersfrau durch ein Weißbrot gekrochen sein soll, bleibt unklar. Selbst die Sprachwissenschaftler des LWL haben dafür keine Erklärung.
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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockÜber den Zaun
Mein Nachbar ist ein
ungedudiger Mann
will nicht warten, bis ich
meine Hecke schneide
Mein Nachbar ist ein
mürrischer Mann, knurrend
verlangt er, ich möge
meine Bäume fällen
Mein Nachbar ist ein
ängstlicher Mann
versteckt sich hinter
blickdichtem Plastikzaun
Mein Nachbar ist ein
großzügiger Mann
setzt täglich lärmend
seine Geräte ein
Mein Nachbar ist ein
geiziger Mann
seine Maschinen gönnen
mir keine Ruhe
Mein Nachbar ist ein
akkurater Mann
sein millimeterkurzer Rasen
ist morgen trocken und gelb
Mein Nachbar ist ein
sauberer Mann
frisch poliert glänzen
Auto und Fensterscheiben
Mein Nachbar ist ein
neugieriger Mann
steht hinter der Gardine
was ich wohl treibe
Mein Nachbar ist ein
alter Mann, der nicht weiß
wie seinen Lebensabend
totschlagen soll
Mein Nachbar ist ein
kontaktfreudiger Mann
gerne würde er mir
mal etwas erzählen
Mein Nachbar ist ein
lebenskluger Mann
er weiß genau, dass ich
ein schlechter Nachbar bin
Gerd Puls
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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockKamen – meine Stadt
Am Hellweg zwischen Lippe und Ruhr
erscheinst du in schlichtem Kleide,
ringsum gebettet in grüne Flur
von Wasserkurl bis Werver Heide.
Weithin ins Land grüßt dein schiefer Turm
aus Zeiten der Hanse und Grafen,
warst immer und erst recht bei Sturm
den Bürgern ein sicherer Hafen.
Einst haben Kumpel das schwarze Gold
aus tiefsten Schächten geborgen,
Glückauf gegrüßt und Respekt gezollt
dein Schachtgerüst weist ins Morgen
Peinvoll ins Kamener Kreuz gefügt
von Logistikhallen umgeben,
sind deine Bürger doch vergnügt
und wissen geruhsam zu leben.
So mögt ihr weiter den Sinn für Recht
und Freiheit und Gleichheit bewahren,
niemandes Herr und niemandes Knecht
zu trotzen bereit den Gefahren.
Klaus Görke
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Bilitis Naujoks begrüßte in der Stadthalle zu einem bewegenden Abend. Mit ihr lasen vor Bernhard Büscher, Stella Gaitano, Brigitte Dietz-Büscher, Mubeen Kishany und Brigitte Langer (von links).
Kamen. (wol) „Kann ich jetzt sagen, das ist meine Heimat?“ – diese Frage stellt der gebürtige Iraker Mubeen Kishany an und über Kamen in einem Text zu der Stadt, die ihn aufgenommen hat, und trug den beim politischen Leseabend des Bündnisses „Vielfalt verbindet Kamen“ in der Stadthalle vor. Ja, Kamen sei Heimat für ihn, für die Autorin Stella Gaitano aus dem Südsudan und für weitere Menschen, die in unserer Stadt Zuflucht gefunden haben, antwortete entschieden Bürgermeisterin Elke Kappen.
Weiterlesen: Ist Kamen Heimat? Bewegender Abend in der Stadthalle
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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockDie Felsen
Die Felsen glotzen mich sprachlos an,
wenn ich am Ufer entlanggleite und
auf die alten Geschichten horche, die
in den versunkenen Höhlen wohnen.
Die sind schon lange her und haben
Rostflecken vom Salzwasser bekommen
Ich schwebe über die gefiederten
Wellen als würde mich Neptun
selbst auf seinen Händen tragen.
Mittagsglut steht in der Luft.
Ein Reiher hält am Ufer wacht.
Vera Botterbusch
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Enthält Datei #96941854 | © Fiedels | Adobe StockDemokratie
Sie kamen aus dem dunklen
lernten die Demokratie
Der Anfang war schwer
einige aus der dunklen Zeit
wollten das alte wieder herstellen
Andere aber begriffen
dass die Demokratie Freiheit bedeutet
Diese genossen sie
wählten bewusst den, der sie
vertreten sollte
Die Demokratie wurde stärker
es bildeten sich Parteien die sie ausfüllten
sie stritten sich um die richtigen Wege
suchten Kompromisse
die sie dann fanden
Menschen demonstrierten
für oder gegen eine Entscheidung
sie hatten das Recht
ob es der Regierung gefiel oder nicht
Es war die Freiheit
die sie sich erkämpft hatten
sie konnten frei reden und schreiben
Jahre vergingen
die Demokratie
wurde zur Routine
Menschen hörten auf
für sie zu kämpfen
brachten sich immer weniger ein
Das Engagement wurde lästig
Es gingen immer weniger zur Wahl
Extremisten kamen nach vorne
Bürger hörten die einfachen Parolen
verstanden nicht
dass Demokratie schwierig ist
Dass mein Ansinnen nicht immer machbar ist
Demokratie auch Streit bedeutet
wenn man den richtigen Weg sucht
In der Demokratie
gibt es keinen Weg,
den ich alleine gehen kann
den Weg müssen viele gehen können.
verlieren wir die Demokratie
können wir uns keinen Weg aussuchen
Dann gibt uns einer den Weg vor
und alle müssen ihn gehen
Bernhard Büscher
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