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Lyrik-Lesung "Gedichte von Menschen" endlich nachgeholt: Gedanken bei Menschen in der Ukraine

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

lyrikabend422AGDie syrische Schriftstellerin Kholoud Charaf (r.) las ihre Gedichte in arabischer Sprache vor. Die jetzt erschienene deutsche Übersetzung wurde von Brigitte Büscher (l.) vorgetragen. Foto: Alex Grün für KamenWeb.de

von Alex Grün

Kamen. Beim dritten Anlauf hat es endlich geklappt: nachdem die gemeinsame Lyrik-Lesung "Gedichte von Menschen" von Kamener Literaturschaffenden aufgrund der Corona-Pandemie bereits zweimal verschoben werden musste, konnte sie am Dienstagabend in der Stadtbücherei endlich stattfinden.

Rund 30 literaturinteressierte Besucherinnen und Besucher lauschten auf Einladung des Netzwerks Literaturland Westfalen im Dachgeschoss der Stadtbücherei den Gedichten von Bilitis Naujoks, Kholoud Charaf und Bernhard Büscher, darunter illustre Gäste aus der heimischen Literaturszene wie Petra Reski, Heinrich Peuckmann und die neue PEN-Stipendiatin Stella Gaitano aus dem Sudan. Den Anfang machte Bilitis Naujoks, die vielen Kamenern durch ihr Engagement für den Flüchtlingshilfeverein "ProMensch" bekannt ist und, obwohl sie schon seit 30 Jahren schreibt, erst seit wenigen Jahren veröffentlicht. Und das mit Erfolg, unter anderem war sie zu Lesungen in Leipzig eingeladen. In den letzten sechs Wochen seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine war die Kamener Dichterin produktiv und hat einen kleinen Gedichtzyklus über das Thema verfasst. Im ersten Teil beschreibt sie den Krieg aus der Sicht ihrer keinen Tochter, die die Frage stellte: Gibt es den Teufel?". Eine klare Antwort kann sie ihr darauf ebenso wenig geben wie Siri oder Google, ihr "gebrochenes Pazifistinnenherz" sage ihr jedoch, dass es zumindest eines offenbar nicht geben kann: einen Weltfrieden, in dem man sich ausruhen kann.

Kholoud Charaf lebt seit einiger Zeit als Stipendiatin des Programms "Writers in exile" des internationalen Schriftstellverbands PEN in Kamen. Die syrische Journalistin und Autorin ist vielseitig aktiv und engagiert sich unter anderem in einem mehrsprachigen Vorleseprojekt der Stadtbücherei. Nun liegen ihre Gedichte auch in deutscher Übersetzung vor, die Brigitte Büscher für sie vorlas, während Charaf selbst auf arabisch vortrug - obwohl ihr Deutsch mittlerweile mehr als passabel ist, wie sie eingangs ihrer Lesung unter Beweis stellte. Auch sie wolle bei der Gelegenheit, wie ihre Literatenkollegen, ihre Solidarität mit der Ukraine bekunden. Als Syrerin wisse sie, was Krieg und Vertreibung bedeuten, so Charaf, die ihre Zuhörer unter anderem mit einer lyrischen Liebeserklärung an die polnische Stadt Krakau begeisterte, der "Stadt des Lebens" wie sie sie beschreibt, in der sie sich eine Weile aufgehalten habe. Der ehemalige Kamener Bezirksbeamte Bernhard Büscher entdeckte erst spät sein literarisches Talent, veröffentlichte in diesem Jahr mit 74 Jahren aber immerhin schon seinen dritten Gedichtband "Das sind die Wege". Büschers Gedichte über Begegnungen mit gestrauchelten und gescheiterten Menschen, die nicht selten dienstlich zustande kamen und später teils in Freundschaften mündeten, gingen jetzt, nach seiner Corona-Genesung, auch den Zuhörern in der Stadtbücherei zu Herzen. Sozusagen zwischen den Zeilen gab es "häppchenweise" musikalische Beiträge von Sängerin und Gitarristin Ina Herkenhoff und Multiinstrumentalist Tobias Diener. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe "Lila Lettern - Literatur aus Westfalen" des Netzwerks Literaturland Westfalen, gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, statt.

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