Bilitis Naujoks begrüßte in der Stadthalle zu einem bewegenden Abend. Mit ihr lasen vor Bernhard Büscher, Stella Gaitano, Brigitte Dietz-Büscher, Mubeen Kishany und Brigitte Langer (von links).
Kamen. (wol) „Kann ich jetzt sagen, das ist meine Heimat?“ – diese Frage stellt der gebürtige Iraker Mubeen Kishany an und über Kamen in einem Text zu der Stadt, die ihn aufgenommen hat, und trug den beim politischen Leseabend des Bündnisses „Vielfalt verbindet Kamen“ in der Stadthalle vor. Ja, Kamen sei Heimat für ihn, für die Autorin Stella Gaitano aus dem Südsudan und für weitere Menschen, die in unserer Stadt Zuflucht gefunden haben, antwortete entschieden Bürgermeisterin Elke Kappen.
Die Heuler und Reinhard Fehling sorgten für ebenso gefeierte musikalische Beiträge.
Der Abend in der Stadthalle bewegte. Nicht nur auf der Bühne flossen Tränen. Ganz konkrete Schicksale und Erlebnisse prägten die vorgetragenen Texte von Stella Gaitano und Mubeen Kishany aber auch von Bilitis Naujoks und Bernhard Büscher. Der an diesem Abend ebenso wie die literarischen Akteure auf der Bühne gefeierte Kamener Chor „Die letzten Heuler“ und sein Leiter Reinhard Fehling am Klavier steuerten Lieder bei, die thematisch passten und selbst besonderen Bezug hatten zu Stadt, Region und Chor.
Viele Kamener waren der Einladung gefolgt, darunter auch Politiker über Parteigrenzen hinweg, die so zeigten dass Migrationsdebatten im Bund und ihre Wirkung in der Stadt den Einsatz für Vielfalt in Kamen nicht gebremst haben. Die Heuler eröffneten den Abend mit „We will find our way“ und „Danny Boy“, einer irischen Hymne über Abschied und Wiederkehr.
Reinhard Fehling stellte Bezüge her zwischen Musik und der literarischen Botschaft des Abends.
Den literarischen Einstieg gestaltete Bernhard Büscher. Sein Text „Die Stadt“ schildert Vielfalt in Kamen als alltägliches Erlebnis. Seine Texte bieten Hoffnung, warnen aber auch vor Krieg und vor Bedrohungen von Demokratie und Freiheit. „Die Bestie“ drohe sich aus dem Käfig zu befreien, Freiheit verloren zu gehen, wenn man vergisst sich ihrer bewusst zu sein.
Stella Gaitano war schon in ihrer Heimat Südsudan als Schriftstellerin international beachtet. Nach Kamen fanden sie und ihre Kinder mit Unterstützung des PEN. Sie schreibt über die Kriege in ihrer Heimat und deren Schrecken, über Angehörige die sie verloren hat und über die Traumatisierung durch Bürkerkrieg und Flucht. „Der Krieg vergisst uns nie“, mahnt sie eindrücklich. An Landsleute in der Stadthalle gewandt aber auch, weil literarische Texte manchmal Muttersprache fordern, las sie die auf arabisch vor, Brigitte Dietz-Büscher übernahm den deutschen Part.
Bilitis Naujoks zeigt in ihrem Einsatz für Geflüchtete als Vorsitzende von ProMensch Kamen und in ihren lyrischen Texten viel Leidenschaft. Manche ihrer Gedichte sind ganz konkreten Menschen gewidmet, die sie bei diesem Einsatz kennengelernt haben und deren Mut und deren Willen zur Integration sie beeindruckt haben. Andere Texte haben Bezug zu ihrer Familie. Eindrucksvoll und bewegend wirkten ihre Zeilen auch in der Stadthalle.
Auch Mubeen Kishany erzählt von Schmerz und Leid mit starken bildhaften Beschreibungen. Der Schriftsteller und Journalist floh aus dem Irak und auch ihm half der PEN und dessen Programm für verfolgte Autoren nach Kamen. Auch er las teilweise in seiner Heimatsprache, Brigitte Langer ebenfalls vom Verein ProMensch übernahm dann die deutsche Fassung. Den Text „Kamen“ aber las er selbst auf deutsch. Heimat findet sich dort in der Betrachtung des Sonnenuntergangs in den Augen des Fremden.
Der bewegende Abend war zugleich Vorspiel für die Kundgebung des Bündnisses „Vielfalt verbindet Kamen“ am Samstag, 15. März, ab 11 Uhr auf dem Kamener Markplatz. Bürgermeisterin Elke Kappen als Schirmherrin rief in der Stadthalle dazu auf, auch dort ein Zeichen zu geben für Vielfalt und gegen Ausgrenzung.
Mubeen Kishany setzte mit seinem Text "Kamen" einen emotionalen Schlusspunkt des Abends.
Archiv: Kundgebung "Vielfalt verbindet Kamen" am 15. Februar 2025 geplant





