Frank Goosen las, erzählte und begeisterte seine Zuhörer auf Einladung von VHS und Stadtbibliothek.
Kamen. (wol) Manchmal – so erzählt Frank Goosen im VHS-Gebäude in Heeren-Werve – bezieht er Stellung auf einem Supermarktparkplatz, beobachtet und hält fest. Typen seiner Bücher wie der Laberfürst, Pommes, Spüli oder Scotti sind aber gern auch der Kneipe oder dem Stadion entsprungen. Wunderbar unterhaltsam spann auch diesmal der Autor und Kabarettist seine Geschichten rund um das fein beobachtete allzu Menschliche.
Heimat war ein Thema dieses Abends, für Goosen ist das Bochum und das Ruhrgebiet drum herum. Fußball gehört natürlich dazu, immer aus Sicht des Bochumer VfLers geschildert aber gern auch in liebevoller Ablehnung gegen blau-weiße Nachbarn zugespitzt. Und es ging um Rockmusik, die Beatles und John Lennon. Nur in einer seiner fein formulierten Spitzen tauchte auch ein Sänger auf, der musikalisch betont aus Bochum zu kommen, aber in Goosens Erzählungswelt anders als er selbst erst im Alter von zwei Jahren dorthin zugezogen sei.
So sorgsam Goosen beobachtet – sprachlich schlägt er gern auch kraftvoll zu. Auch das ist halt Ruhrgebiet. Politisch wird er selten an diesem Abend, reist lieber zurück in die 80er, ohne die zu verklären. Früher war alles besser? Das lässt er nur für Gelenke und Sehkraft gelten. Immerhin: Kassettenrekorder, Bandsalat, Kompaktanlagen und Klammerblues wecken schon romantisierte Erinnerungen. Samstägliche Stadionbesuche mit Schlangestehen am Bierausschank samt Stadion- oder Knappenkarte, der Wahnsinn einer Jahreshauptversammlung auf Schalke – all das schilderte Goosen einmal mehr wunderbar beobachtet und mit einer Kritik, die bei ihm aber der Liebe zu dieser Welt zu entspringen scheint.
Der Tag seines Gastspiels auf Einladung von Kamener VHS und Stadtbibliothek hatte einige Besonderheiten. Auf den Tag genau vor 25 Jahren sei sein erstes Buch erschienen, so Goosen. Am Tag danach solle der VfL gegen Schalke spielen und sein neuestes Buch erscheint bald und kann schon vorbestellt werden. „Lovely Rita“ ist ein Kneipenroman, so Goosen, wieder einmal gefüllt mit herrlichen Tresenbeobachtungen, aberwitzigen Geschichten und geleitet von der Erkenntnis des Autors: Übertreiben könne man bei der Beschreibung von Ruhrgebietsoriginalen nicht. Immer wenn er glaube, zu dick aufgetragen zu haben, begegne ihm an der Kasse im Supermarkt einer, der auch das noch toppt.
Dicht besetzt waren die Zuhörerreihen im VHS-Gebäude in Heeren-Werve.
Archiv: „Spiel ab!“ Frank Goosen las und erzählte in der Bücherei





