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    Der Herbst ist da - oder...?

    herbst18KWvon Dr. Götz Loos

    Kamen. Mit dem 1. September bekommt man in den Nachrichten immer gesagt, dass nun der Herbst anfängt. Wenn man aber sieht, dass wir noch ständig Tage mit Sonne und Temperaturen über 25 Grad Celsius haben, dann stellt sich die Frage: Woran erkenne ich überhaupt, dass es Herbst ist? Tatsächlich müssen quasi mindestens drei Herbstanfänge unterschieden werden. Der 1. September ist der Beginn des meteorologischen, also des wetterkundlichen oder wetterbedingten Herbstes. Dabei handelt es sich um ein festgelegtes Datum, ab dem man davon ausgeht, dass mit gewissen Schwankungen eine grundlegende Änderung des Wetters in der nächsten Zeit einsetzen wird. Dagegen ist der 23. September das Datum, das für den Beginn des kalendarischen Herbstes steht. An diesem Tag herrscht Tag- und Nachtgleiche, das Äquinoktium. Ziemlich genau sind es 12 Stunden zwischen dem Aufgang und dem Untergang der Sonne. Die Tage werden ab da kürzer. Grundsätzlich muss sich am Wetter zunächst noch nicht viel ändern. Allerdings merkt man, dass die Sonne tiefer steht und das Licht auch an sonnigen Tagen ändert sich. Das lässt sich jetzt schon bemerken. Längere Tiefdruckgebiete mit bewölktem Himmel treten jetzt auf und der Himmel an sonnigen Tagen zeigt, wie im Frühling, oft die Merkmale von Zwischenhochs: Die Cumulus-Wolken, die "Himmelsblumenkohle", werden von oben nach unten immer schmaler - das nächste Tief wird somit schon erwartet. Abends und nachts wird es auch bei hohen Temperaturen tagsüber schon regelmäßig empfindlich kühl. Aber was geschieht sonst in der Natur?

    Da greift nämlich der dritte Herbstanfang, der phänologische. Was später bei den Laubbäumen passiert, ist klar: Bunte Blätter bei den meisten und bald fällt das ganze Laub herunter. Aber jetzt? Die wenigsten Bäume haben bunte Blätter. Nach der Hitzeperiode haben sich doch sehr viele erholt und grünen weiter bestens. Bei denen mit Dauerschäden sieht man ein bisschen Verfärbung, sonst aber braune Blattrandbereiche. Einige sind auch komplett braun verwelkt, ohne dass eine Verfärbung eingetreten ist. Dies ist erstaunlich, weil in anderen warmen Sommern für einzelne Bäume an trockenen Standorten der Herbst schon deutlich früher begonnen hatte und z.B. bei Feld-Ahorn und Hainbuche mehrfach schon komplett gelbblättrige Exemplare zu sehen waren. Der phänologische Herbst setzt also offensichtlich sehr individuell bei Lebewesen-Arten und eben einzelnen Individuen unterschiedlich ein. Ein wichtiger Faktor, der wieder für gleiche Verhältnisse sorgt, ist der Frost. Viele Pflanzen haben in den letzten Jahren ihre Blühzeiträume verlängern können, weil erst spät knackigerer Frost aufkam. Prinzipiell ist dann aber für viele Lebewesen Schluss oder Pause. Aber die warmen sonnigen Tage, die uns zunächst am Wochenende erwarten, lassen sich auch anders nennen. Seit langer Zeit spricht man vom Altweibersommer, der sich eine Zeitlang innerhalb des Septembers, manchmal in den Oktober hinein, erstreckt. Kennzeichnend für diese bisweilen noch sehr warmen Tage sind die besonderen, oben erwähnten Lichtverhältnisse und Spinnweben... bei Spaziergängen hat man ständig das Gefühl, in und durch Spinnweben zu laufen. Selbst durch die Luft fliegen viele Spinnweben, manchmal als Transportmittel für kleine Spinnen.

    Aber auch die großen sind da: Insbesondere die Garten-Kreuzspinne hat jetzt ihre Hochzeit und überall sind die imposanten Weibchen in ihren großen Radnetzen zu sehen.

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