Kamener Stadtpflanzen - Folge 13: Der Faden-Ehrenpreis

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Natur & Umwelt

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von Dr. Götz Loos

Vor allem in den öffentlichen Scherrasen blüht neben dem Persischen Ehrenpreis (Folge 11) in manchmal großen Scharen, manchmal fleckenweise eine ähnliche Art mit jedoch mehr blauvioletten Blüten und rundlicheren, weniger tief sägezähnigen Blättern. Hierbei handelt es sich um den Faden-Ehrenpreis (Veronica filiformis). Wie der Persische stammt er aus der größeren Umgebung des Kaukasus, ist also ebenso wie dieser ein Neophyt, ein Neubürger bei uns.

Doch seine Auftretensgeschichte ist eine ganz andere. Offenbar wurde diese Art um 1900 als Zierpflanze für Steingärten eingeführt. Dazu muss man sagen, dass man unter Steingärten bis vor kurzem etwas anderes verstanden hatte als jene Steinwüsten, die jedes Gespür für Ästhetik vermissen lassen und für Natur und Umwelt höchst schädlich sind. Wie der Faden-Ehrenpreis ausbüxte, ist unklar. Jedenfalls fand ihn der Dortmunder Botaniker Hermann Lange 1943 ebendort auf dem Südwestfriedhof erstmals verwildert. Eine entscheidende Zunahme der Vorkommen setzte allerdings erst Ende der 1960er Jahre ein. In Kamen wurde er in den 1970er Jahren zunehmend mehr registriert. Auf dem Weg zur Eichendorffschule kannte ich in Kaiserau in dieser Zeit sogar noch ein wohl gepflanztes Vorkommen in einem Stein-Vorgarten. Über mehrere Ausbreitungswellen wurde er bis heute häufiger in Rasenflächen und darüber hinaus vereinzelt auch an und auf Wegen, an Böschungen (u.a. an Seseke und Körne - überwiegend vor dem naturnahen Umbau), auf Brachen u.a. Das Geheimnis seines Auftretens in den Rasen liegt darin begründet, dass die Verschleppung von Stängelstücken ein Anwachsen dieser nach sich zieht und die konkurrenzschwachen Pflanzen sich in den regelmäßig kurzgemähten Rasen dann mittels weiteren Auswachsens der angewurzelten Stängel fast teppichartig ausdehnen. Deswegen gilt er in vielen Gartenrasen als "Rasenschädling" und wird ausgerissen, seiner hübschen Blüten zum Trotz. Dennoch kommt er ebenfalls in vielen Gärten vor, insbesondere wenn deren Eigentümer nicht eine solche überflüssige Pingeligkeit an den Tag legen. Die Ausbreitung in den städtischen Rasenflächen besorgen vor allem die Rasenmäher, an denen Stängelstücke hängen bleiben und auf der nächsten Fläche abfallen und anwurzeln. Auch an Vogelfüßen, besonders der Amseln, bleiben Stücke zunächst hängen, die dann auf der nächsten Fläche herunterfallen. Diese Form der ungeschlechtlichen Ausbreitung und Vermehrung führt dazu, dass alle Vorkommen genetisch einheitlich sind, also sozusagen eineiige Zwillinge oder Klone. Da Selbstbefruchtung bei dieser Art unmöglich ist, werden hingegen keine Früchte angesetzt.

Die namengebenden fadenförmigen, dünnen, niederliegenden Stängel finden sich in oft gemähten Rasenflächen, während an anderen Standorten mit mehr Konkurrenz die Pflanzen sich aufrichten und fast so dicke Stängel wie der Persische Ehrenpreis bilden können.

 

 

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