Kamener Stadtpflanzen - Folge 18: Das Gänseblümchen

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Natur & Umwelt

sp18 1GLKamener Stadtpflanzen - Folge 18: Das Gänseblümchen - Fotos: Dr. Götz Loos für KamenWeb.de

von Dr. Götz Loos

sp18 2GLDie weißen Zungenblüten sind beim Gänseblümchen oft mindestens randlich rosa bis rötlich angefärbtWie die Löwenzähne gehört das Gänseblümchen (Bellis perennis) zu den Korbblütengewächsen. Bei diesen ist die scheinbare Blüte in Wahrheit ein Blütenstand. Beim Gänseblümchen ist das besonders anschaulich: Der Blütenstand ist gegliedert in einen äußeren Kranz unfruchtbarer weißer Blüten und in einen inneren runden "Korb" aus gelben fruchtbaren Blüten. Offensichtlich soll diese Arbeitsteilung eine bessere Effizienz beim Anlocken bestäubender Insekten bewirken. Wie auch immer, den Menschen zieht diese kleine blühende Schönheit (das bedeutet nämlich das lateinische "Bellis") seit Langem an. Als Orakelblume zupften Jugendliche die weißen Zungenblüten aus - immer abwechselnd: "sie/er liebt mich" - "sie/er liebt mich nicht". Das Auszupfen ist bei kleineren Kindern immer noch beliebt - wenn auch natürlich (noch) nicht als Liebesorakel.

 

Als Offenland- und Lichtpflanze kam das Gänseblümchen in der Jäger- und Sammlerzeit, als unser Raum von Urwäldern bedeckt war, hier noch nicht vor. Tatsächlich gab es unsere Gänseblümchenart in der ursprünglichen Naturlandschaft nirgendwo. Zwei südeuropäische Arten der Gattung Gänseblümchen kreuzten sich miteinander und eines der Kreuzungsprodukte stabilisierte sich offensichtlich, u.a. durch Vordringen in frühe Wiesen und Weiden, wodurch die neue Sippe einen eigenständigen Lebensraum einnehmen konnte. Damit ist unser Gewöhnliches oder Ausdauerndes Gänseblümchen (perennis = ausdauernd), wie es vollständig heißen muss, aber erst in der Kulturlandschaft entstanden, der nach der Sesshaftwerdung vom Menschen geschaffenen Landschaft, denn Wiesen und Weiden wurden wenigstens in Westfalen nahezu komplett vom Menschen angelegt. Solche in der Kulturlandschaft entstandene Gewächse nennt man Anökophyten oder "heimatlos".

sp18 3GLAus einer Gänseblümchen-Rosette bilden sich ungeschlechtlich ziemlich schnell ganze BeständeIn den Kamener Siedlungsgebieten ist das Gänseblümchen vornehmlich ein Bewohner von Scherrasen jeden Typs, daneben sieht man es auch an bloßen, sonst kaum bewachsenen Stellen und immer mehr in Pflasterfugen. Offene Stellen in Rasen werden rasch besiedelt und ärgern manche Gartenbesitzer, die dann vielfach dagegen vorgehen. In den öffentlichen Rasenflächen und auch im Abstandsgrün der Wohnungsgesellschaften werden jedoch die bisweilen großen Bestände geduldet. Die Menge der Exemplare schwankt zwar etwas von Jahr zu Jahr, aber durchgehend ansehnliche Bestände können z.B. an der Ecke Westicker Straße/Am Schwimmbad bewundert werden. Interessant ist, dass selbst in den Parks an bloßen Stellen die Art trotz Baumschattens relativ zahlreich auftritt. Da das Gänseblümchen wegen seiner geringen Höhe nicht sehr konkurrenzstark ist, kommt es in der freien Landschaft eher in von Rindern, Pferden und Schafen kurz gehaltenen Weiden als in Wiesen vor. In städtischen Bereichen übernehmen die Rasenmäher quasi die Aufgabe der Weidetiere, so dass Scherrasen grundsätzlich strukturell eher Viehweiden als Wiesen ähneln.

2017 war das "Marienblümeken", wie es früher oft vorherrschend genannt wurde, Heilpflanze des Jahres. Darin ist es recht vielseitig, wurde früher oft deswegen gesammelt. Heute wird es vermehrt als Wildsalat gesammelt; die in einer bodenständigen Rosette angeordneten Blätter wie auch Blüten- und Knospenstände. Auch Ziersorten mit meist vergrößerten Blütenständen, auch höherem Rotanteil in den sonst weißen bis teilweise rosa oder rötlich überlaufenen oder randlich angefärbten Zungenblüten, werden in Gärten gepflanzt, verwildern aber nur sehr wenig. Ein weiterer Gebrauch der Gänseblümchen ist die Verwendung beim Spielen durch Kinder: Neben dem oben erwähnten Ausreißen der Zungenblüten gibt es eine Vielzahl von Verwendungen; so bin ich immer erfreut, wenn ich sehe, dass es immer noch Kinder kleine Kränze aus den Blütenständen flechten. Früher war es freilich einfacher: Kinder konnten gefahrlos auf Wegen in der Stadt spielen, diese waren teilweise unbefestigt und dort wuchsen eben auch Gänseblümchen.

sp18 4GLGanseblümchen in Pflasterrandfuge auf Schulhof des Gymnasiums

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