Kamener Stadtpflanzen - Folge 22: Der Waldmeister

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Natur & Umwelt

sp22GLvon Dr. Götz Loos

Kamen. Der Waldmeister (Galium odoratum) ist ein echtes Maienkraut und das nicht nur wegen der Maibowle. Der bekannte Geruch und Geschmack stammt vom Inhaltsstoff Cumarin, der allerdings in reiner Form erst beim Welken oder Zerreiben der Pflanzen entsteht. Waldmeister wurde früher fast schrankenlos verwendet, heute gibt es Grenzwerte für seinen Einsatz, weil hohe Dosen von Cumarin Benommenheit und schwere Kopfschmerzen auslösen können sowie - noch schlimmer - Leberschäden. Als Heilkraut und Gewürzpflanze fand die Pflanze seit dem frühen Mittelalter reichlich Einsatz. Ob sie in den Klostergärten gepflanzt oder in Wäldern gesammelt wurde, ist zumindest für unseren Raum nicht geklärt. In Kamen ist das Gewächs vermutlich nicht heimisch (eventuell in Heeren). Die heutigen hiesigen Waldvorkommen, von denen es einige gibt, deuten durchgehend auf Verschleppung mit Gartenabfällen oder Verwilderung aus benachbarten Gärten hin. Erst auf den Cappenberger Höhen und im Hügelland um Werne, also nördlich der Lippe, ist der Waldmeister in Wäldern auf basischen Böden ursprünglich zu finden. Im Siedlungsbereich Kamen-Mitte ist er heutzutage nicht selten in Gärten, oft in Vorgartenstücken, zu sehen, jedoch eher als Zierpflanze denn als Nutzpflanze. Er breitet sich recht zügig in Gärten aus, wenn nicht eingegriffen wird, allerdings meist vergleichsweise moderat. Und von dort breitet er sich in benachbarte Grundstücke, auch Pflasterfugen, aus. Mit Gartenabfällen wird er in Gebüsche und Gehölzbestände verschleppt, z.B. am Sesekedamm. Diese Vorkommen dürften alle jünger neophytisch sein, da die Art wie viele Zierpflanzen erst nach dem Wandel der Nutzgärten zu Ziergärten vermehrt gepflanzt wurde. Allerdings habe ich ihn früher auch mehrfach in Nutzgärten gesehen, zuletzt noch auf Grabeland, das von türkischstämmigen Leuten bewirtschaftet wurde.
Eigentlich müsste das Pflänzchen Waldmeister-Labkraut heißen: Die weißen, rechtwinklig zueinander stehenden, zugespitzten Kronzipfel und die in Quirlen angeordneten Blättern weisen es klar als Labkrautgewächs aus. Normalerweise bilden sich aus einem Exemplar durch ungeschlechtliche Fortpflanzung ganze Bestände aus. Auf geschlechtlichem Weg entwickelt der Waldmeister rundliche Früchte, die mit Widerhaken ausgestattet sind, die an Tierfellen und menschlicher Kleidung haften und so für eine Fernausbreitung sorgen - ähnlich wie beim verwandten Kletten-Labkraut.

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