Der Eichenprozessionsspinner - Gerüchte und Wahrheit

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Natur & Umwelt

eiche219KWvon Dr. Götz Loos

Kamen. In diesen Tagen ist vielfach über die Eichenprozessionsspinner zu lesen. Überall im Land - so auch in Kamen - sind die Raupengespinste zu sehen, nestartige Gebilde verschiedener Größe, in denen Kolonien von Raupen dieses Nachtfalters leben. Die Brennhaare dieser Raupen sind eine reale Gefahr, weil sie ein Eiweißgift enthalten, das Allergien auslösen kann. Dabei reicht das Spektrum von leichtem Hautausschlag bis zu starker Atemnot. Wie groß die Gefahr ist, darüber gibt es aber in den Medien unterschiedliche Aussagen - bis hin zu ausgeprägter Panikmache. Wir möchten hier einmal klarstellen, welche Aussagen dazu stimmen und welche schlicht unsinnig sind. Dazu einige Fragen und Antworten.

Besteht eine Gefahr, wenn ich an Kolonien der Eichenprozessionsspinner vorbeigehe?

Dazu ein klares Nein. Das Vorübergehen und selbst ein näheres Betrachten der "Nester" ist gefahrlos. Die Behauptung, dass Haare der Raupen durch die Luft fliegen und in Atemwege gelangen, was mitunter selbst in seriöseren Medien behauptet wird, ist unsinnig. Erst die Berührung der "Nester" und vor allem der Raupen selbst kann das genannte Allergiespektrum auslösen. Dabei ist es auch nicht zwingend, dass eine Allergie entsteht. Aber die Möglichkeit ist so groß, dass man auf keinen Fall Raupen und "Nester" ohne Schutzkleidung berühren sollte. Die Absperrung von Waldstücken, Parks oder wie in Kamen des Jahnstadions ist eine Vorsichtsmaßnahme.

Grundsätzlich geht aber ohne direkten Kontakt keine Gefahr von den Kolonien aus.

Welche Pflanzen werden von den Raupen des Eichenprozessionsspinners besiedelt?

Grundsätzlich werden nur Eichen besiedelt. Sehr selten kommt es vor, dass einzelne Raupen auch an anderen Bäumen, an Sträuchern oder krautigen Pflanzen auftauchen. Es empfiehlt sich, das Aussehen der Raupen durch Bilder z.B. im Internet genau einzuprägen, denn im Zweifelsfall kann auch eine einzelne Raupe Allergie auslösend sein. Verirrte Raupen sind aber - wie gesagt - sehr selten. Prinzipiell sollte aber die Faustregel gelten: Niemals erkennbar behaarte Raupen ohne Handschuhe berühren, da auch diejenigen anderer

Arten durchaus Allergien auslösen können. Auf Nahrungssuche verlassen die Raupen auch schon einmal kolonnenartig die Nester; diese langen Schlangen an Raupen sind namengebend für die "Prozession". Auch hier sollte man Berührungen tunlichst vermeiden.
Abwegig sind aber Warnungen vor der Berührung von Gespinsten und der darin lebenden Raupen an Sträuchern wie Pfaffenhütchen, Weißdorn, Schlehe, Traubenkirsche etc. Diese manchmal gespenstisch aussehenden, oft viel größeren Gespinste als die der Eichenprozessionsspinner sind wie deren Raupen völlig harmlos für den Menschen, auch beim Anfassen. Generelle Vorsicht gilt nur bei Eichen.

Muss ich das ganze Jahr die Eichenprozessionsspinner fürchten?

Nein und ja. Nein, weil sich die Raupen als Jugendstadium der Nachtfalter im Juli verpuppen. Von den dann ab August herumfliegenden Faltern geht keine Gefahr aus. Und selbst wenn viele Falter schlüpfen, wenn - wie in diesem Jahr - ungewöhnlich viele Raupen vorhanden waren, sind diese eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und insektenfressende Säugetiere, aber auch für Eidechsen, Spinnen etc. Das gilt übrigens auch bereits für die Raupen.
Ja - eine Gefahr bleibt trotzdem, weil in den verlassenen Gespinsten Haare reichlich zurückbleiben und bei diesen dann immer noch ein gewisses Potenzial zum Auslösen von Allergien besteht. Also auch verlassene und überjährige Gespinste an Eichen nicht anfassen!

Müssen die "Nester" der Raupen mit Gift bekämpft werden?

Definitiv nein, denn alle Insektizide - ganz gleich, wie "unweltschonend" sie auch deklariert sind, schädigen die gesamte Tierwelt der betreffenden Eichen und ihrer Umgebung. Eine effektive Bekämpfung, die in vielen Kommunen umgesetzt wird, ist das Absaugen mit speziellen Geräten und Entsorgen der "Nester" (meist durch Verbrennung).

Eine grundsätzliche Bekämpfung ist jedoch in Frage zu stellen - eben weil es viele Fressfeinde auch schon für die Raupen gibt. Lediglich dort, wo sich Kinder, Personen mit Demenz und Menschen mit Behinderung regelmäßig aufhalten, sollten Maßnahmen durchgeführt werden. Ansonsten reicht es im Allgemeinen aus, Warnschilder und gegebenenfalls lokale Absperrungen vorzunehmen

In der Regel müssen nicht ganze Parks, Wälder oder Wanderwegstrecken abgesperrt werden, da das Auftreten der Kolonien meist örtlich konzentriert geschieht.

Weitere Informationen:  http://www.ag-rh-w-lepidopterologen.de/eps-info/

Archiv: Eichenprozessionsspinner: Stadtverwaltung sperrt Jahnstadion

 

 

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