Kamener Stadtpflanzen - Folge 26: Das Schmalblättrige Weidenröschen

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Natur & Umwelt

SP26 1GLKamener Stadtpflanzen - Folge 26: Das Schmalblättrige Weidenröschen - Fotos: Dr. Götz Loos für KamenWeb.de

SP26 2GLvon Dr. Götz Loos

Von den Weidenröschen, die mitunter bei der Bestimmung Schwierigkeiten bereiten, hebt sich eine Gruppe besonders ab, die auch als Feuerkraut oder Staudenfeuerkraut bezeichnet wird. Aus dieser Gruppe ist bei uns nur eines vorhanden, nämlich das Schmalblättrige oder Wald-Weidenröschen oder eben auch Schmalblättriges Staudenfeuerkraut (Chamaenerion angustifolium). Zwar findet der ältere wissenschaftliche Name Epilobium angustifolium noch oft Verwendung, aber die Chamaenerion-Gruppe ist nicht nur in vielen Merkmalen so grundverschieden von Epilobium in einem engeren Sinne - es gibt auch keine Kreuzungen zwischen Epilobium und Chamaenerion, während sich die eigentlichen Epilobium-Weidenröschen fast alle untereinander kreuzen. Also ist eine eigene Gattung mehr als angemessen.

Ziemlich majestätisch kommt die Pflanze häufig daher - hochwüchsig bis 1,50 Meter, manchmal darüber hinaus und dann auch übermannshoch. Und das Feuer entfacht das Feuerkraut durch seine intensiv purpurrot gefärbten Kronblätter, die im gemeinsamen Spiel mit den etwas dunkleren Kelchblättern zahlreiche Insekten einladen, darunter unzählige Wild- und Honigbienen. Die Blütenstandstrauben wirken bei optimaler Entwicklung schmal pyramidenförmig, was dadurch bedingt ist, dass die Blüten sich von unten nach oben öffnen. Am Ende entwickeln sich schotenähnliche Fruchtkapseln, die sich vierklappig öffnen, die Klappen nach hinten rollen und dann zahllose kleine Samen freisetzen, an denen feine Flughaare sitzen. Diese sorgen für eine Ausbreitung über große Entfernungen. Manchmal verklumpen die Haare diverser Samen miteinander und bewegen sich wie weiße Wollknäuel dann eher durch die nähere Umgebung der Stammpflanzen.

Der Name Weidenröschen erklärt sich bei dieser Art unter allen am besten durch die lanzettlichen, ungezähnten Blätter, die sehr an diejenigen der Korb-Weide erinnern.

SP26 3GLUrsprünglich wuchs diese Art wohl vor allem auf Lichtungen in Wäldern, anfangs vornehmlich in Folge von Waldbränden, Stürmen, vielleicht auch die Aktivität von Großtieren wie Auerochsen, später dann durch menschliche Rodungen, forstwirtschaftliche Einschläge, aber jüngst zusätzlich durch Orkane wie Kyrill. Dort und an Säumen an Wäldern, Eisenbahnen, Ufern, auf Ackerbrachen usw. findet man das Weidenröschen auch heute noch nicht selten und mitunter in großen Beständen, allerdings im Sauerland häufiger als im Hellweg und weiter nördlich. Da es saure Böden bevorzugt, ist es auf den Sanden an der Lippe und im Münsterland schwerpunktmäßig dort zu finden. Im städtischen Bereich von Kamen-Mitte sieht man es jedoch zudem immer wieder und hier bevorzugt auf Brachflächen und an den alten Zechenbahnen, jetzt Freizeitwegen, eher aber rückgängig, da die starke Ausbreitung der Brennnesseln ihm in der Konkurrenz zusetzt sowie Brachen mit ehemals großen Vorkommen verändert und zugebaut sind (vor allem Monopolgelände). Größere Bestände sieht man noch punktuell um den Bahnhof entlang der Gleise. Im Zuge der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg breitete es sich auf Trümmergrundstücken im Ruhrgebiet und anderswo aus - auch für Kamen ist das belegt - was der Pflanze den Volksnamen “Trümmerrose“ eingetragen hat; ein Grund, weshalb sie von denjenigen, die diese Zeit erlebt haben, durchaus nicht immer gemocht wird. Andererseits wird sie in manchen Ländern als Heilpflanze geschätzt; das Wissen darum haben Zuwanderer vor allem aus Russland teilweise mitgebracht.

Anzeigen

kamenlogo

kamengutschein240

ko logo

kkk logo

linklogogilde

technoparkkamen