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    Vier weitere Stolpersteine erinnern an Kamener Opfer des Nationalsozialismus

    Maria Klement, Enkelin von Dora Schiefbahn, trug zur Verlegung des Stolpersteins für ihre Großmutter ein von einem KZ-Insassen verfassten Lager-Gedichts vor. Fotos: AGMaria Klement, Enkelin von Dora Schiefbahn, trug zur Verlegung des Stolpersteins für ihre Großmutter ein von einem KZ-Insassen verfassten Lager-Gedichts vor. Fotos: AG

    Kamen. (AG) Mehr als 70 Stolpersteine als Alltagsmahnmale für die Kamener Opfer des Nationalsozialismus sind in Kamen schon verlegt worden, jetzt kamen vier weitere hinzu, mit denen die Stadt und die Bürgerinitiative Zivilcourage an die Betroffenen erinnern.

    Dora Schiefbahn wurde 1904 in Kamen geboren und überlebte den Holocaust – zum Glück für ihre Nachkommen, von denen sieben zur Verlegung erschienen waren. Foto: privatDora Schiefbahn wurde 1904 in Kamen geboren und überlebte den Holocaust – zum Glück für ihre Nachkommen, von denen sieben zur Verlegung erschienen waren. Foto: privatDer Künstler Gunter Demnig, der die Stolpersteine vor rund 20 Jahren erfunden hat und normalerweise selbst Hand anlegt, war verhindert, sodass Mitarbeiter des Bauhofs die Pflastersteine aus Beton mit einer gravierten Messingoberfläche in den Boden einsetzten. Stattgefunden hatte dies unter anderem in der Bahnhofstraße. Dort, wo jetzt das Studio von Miss Sporty Fitnesskurse anbietet, gab es einst ein Modegeschäft, das in der Pogromnacht 1938 ausgeplündert und 1941 zwangsversteigert wurde. Es gehörte der Familie der 1904 geborenen Dora Schiefbahn, die als Deutsche mit jüdischem Hintergrund 1944 ins Konzentrationslager Köln-Müngersdorf deportiert wurde, wo sie den Holocaust glücklicherweise überlebte – sonst hätte keiner ihrer sechs noch lebenden Enkel und ein Sohn am Montagvormittag bei der Aktion erscheinen können, wie Bürgermeisterin Elke Kappen bei der Verlegung betonte.

    Theodora Hedwig Marcus wurde 1904 als Tochter des Ehepaares Hermann Elias Marcus  und Johanna Marx in Kamen geboren. Ihre Eltern hatten 1896 geheiratet, der Vater übernahm das von Moses Marx gegründete und von seinem Sohn Rudolf Josef Marx weitergeführte Textilgeschäft in der Bahnhofstraße 57, das später seine Witwe Helene Marx weiterführte. Ihre vier Söhne wurden Ärzte in Witten und Berlin und Diplom-Ingenieure in Münster und Köln. Dora und Hans traten bereits 1917 aus der Jüdischen Gemeinde aus. Die Firma ruhte 1929, 1923 wurde das Modegeschäft von Kaufmann Albert Keil betrieben. 1931, in der Wirtschaftskrise, wurde das Geschäft aufgelöst, das Amtsgericht Kamen registrierte 1932 ein Vermögen von nur noch 72 Reichsmark, was der Grund für den Freitod des Ehepaares gewesen sein mag, das sich im Mai 1932 in der Wohnung das Leben nahm. Auch Tochter Helene beging daraufhin Suizid.

    Die mit dem Stein gewürdigte Dora Marcus heiratete nur Wochen zuvor in Kamen den katholischen Kaufmann Josef Schiefbahn aus Elberfeld, trat zur katholischen Kirche über und bekam die Söhne Hermann Josef und Johann (Hans) Theodor. Sie erbte das Geschäft, und legte mehrmals Widerspruch gegen die Löschung der Firma ein, die 1936 vollzogen wurde. Das Haus wurde in der Pogromnacht 1938 ausgeplündert und 1941 zwangsversteigert. Die Familie Schiefbahn zog 1936 nach Köln-Poll. Josef Schiefbahn wurde als Soldat eingezogen, wurde unehrenhaft entlassen, weil er sich nicht scheiden lassen wollte, und dem paramilitärischen Bautrupp Organisation Todt zugewiesen, der unter anderem den Atlantikwall erstellte.

    Dora Schiefbahn wurde im September 1944 mit ihren Söhnen in das Deportationslager Köln-Müngersdorf deportiert und zwei Wochen später allein nach Berlin geschickt, zum Arbeitseinsatz im Jüdischen Krankenhaus Iranische Straße und bei Bombenräumarbeiten. Die Söhne landeten in einem Waisenhaus in Hennef, Ende August 1945 konnte die Mutter sie nach Köln zurückholen. Dora Schiefbahn starb 1969 in Köln. Hans Schiefbahn wurde Lokomotivführer und lebt mit seiner Frau Ingrid in Köln-Porz. Hermann wurde Hochschullehrer in Nürnberg, wo er 2003 verstarb.

    Unter den Teilnehmern der Stolperstein-Aktion war auch Dora Schiefbahns Enkelin Maria Klement, die ein von einem KZ-Insassen verfassten „Lagergedicht“ vortrug, und der mittlerweile 91-jährige Sohn Hans – der einzige Zeitzeuge von damals, der noch lebt – und fünf weitere Enkel. Weitere Stolpersteine verlegt wurden am Ulmenplatz 6 für den Bergmann Johann Czerlinski, der wegen seiner Sympathie für Polen 1939 ins KZ Sachsenhausen verschleppt wurde und dort 1940 zu Tode kam, in der Klosterstraße 5 für Shimon Paul Jacoby und an der Ostenmauer 9 für Grete Salomon – beide konnten zwar nach Palästina und in die USA fliehen, verloren im Holocaust aber ihre Eltern.

    Sänger und Gitarrist Andre Brust vom Kultur- und Heimatverein brachte ein jiddisches Lied mit zur Stolpersteinverlegung.Sänger und Gitarrist Andre Brust vom Kultur- und Heimatverein brachte ein jiddisches Lied mit zur Stolpersteinverlegung.

     

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