"Gewisse Geldgier": Bewährung für Ex-Vizebürgermeisterin Werning

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landgericht19AMvon Andreas Milk

Kamen. Die frühere Kamener Vizebürgermeisterin Bettina Werning ist vom Landgericht Dortmund wegen Betrugs zu zwei Jahren Haft verurteilt worden - ausgesetzt zur Bewährung. Ins Gefängnis muss sie also nicht. Die Bewährungszeit legte das Gericht auf vier Jahre fest. Kurz nach Verkündung wurde der Richterspruch rechtskräftig: Sowohl Werning und ihr Anwalt als auch die Staatsanwältin erklärten den so genannten Rechtsmittelverzicht.

Dem Urteil liegen 155 einzelne Betrugsfälle zugrunde. Werning beging diese Taten als Lohnbuchhalterin eines Elektrohandels in Kamen und Menden zwischen Mitte 2012 und Frühjahr 2017. Tatsächlich begonnen hatte sie ihr kriminelles Tun schon früher - und zwar 2007. Bloß sind die früheren Taten verjährt. Zusammengerechnet ergeben verjährte und nicht verjährte Taten für das betroffene Elektrounternehmen einen Schaden von rund 700.000 Euro.

Was die ehemalige Stadtrepräsentantin, Grünen-Politikerin und Finanzkirchmeisterin wohl vor der Haft bewahrt hat, ist ihr umfassendes Geständnis vor Gericht. "Von Reue und Einsicht" sei es geprägt gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Beumer. Das sei nicht selbstverständlich - andere Angeklagte taktierten erst mal. Werning habe zur Schadenswiedergutmachung beigetragen, "was in ihrer Macht steht". Die 59-Jährige hat wieder Arbeit; ihr Gehalt oberhalb der Pfändungsfreigrenze wird eingezogen. Gesellschaftlich und finanziell sei Werning ruiniert, so Richter Beumer.

Der hält das Mitverschulden ihrer früheren Arbeitgeber für "sehr gering". Die Firma sei übersichtlich, es gebe da keine "anonymen" Angestellten - und die Chefs hätten Werning eben schlicht vertraut. Allein der Auslöser für Wernings Betrugsserie hätte Anlass bieten können, genauer hinzuschauen. Irrtümlich hatte Werning einem Mitarbeiter das zehnfache Weihnachtsgeld überwiesen: 15.000 Euro statt 1.500. In der monatlichen Sammelüberweisung - von einem der Geschäftsführer abgezeichnet - ging das unter. Der Mitarbeiter meldete sich, alles kam wieder in Ordnung. Aber die Idee in Wernings Kopf war da, unrechtmäßig Geld aufs eigene Konto zu überweisen.

Sie tat das 155 Mal. Eine "gewisse Geldgier" attestierte Richter Beumer der Angeklagten: Bis zu 8.000 Euro monatlich habe sie sich gegönnt - "für irgendwas müssen Sie das verballert haben". Urlaube und großzügige Spenden waren im Prozess als Erklärung genannt worden. Ganz erklären lässt sich die Höhe des Schadens bisher kaum.
Trotz aller Milderungsgründe: Der Richter sagte, die Entscheidung für eine bewährungsfähige Strafe war "nicht ganz einfach".

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Werning-Prozess: Urteilsverkündung vor dem Dortmunder Landgericht

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landgerichtwerning1119AM

von Andreas Milk

Dortmund. Kamens frühere Vizebürgermeisterin Bettina Werning (59) ist eben vom Landgericht Dortmund zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Im Prozess ging es um Betrug und Untreue. Als Buchhalterin eines Kamener Elektrohandels hatte Werning über Jahre eine hohe sechsstellige Summe aufs eigene Konto überwiesen. Im Frühjahr 2017 kam das raus. Mehr zum Dortmunder Urteilsspruch später bei KamenWeb.de.

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Ex-Paare vor Gericht: Hier Schläge - da kaputte Spiegel

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amtsgerichtKamen AMvon Andreas Milk

Kamen. Zwei Mal hatte es der Kamener Amtsrichter an diesem Mittwoch mit kaputt gegangenen Beziehungen zu tun. Bei einem getrennt lebenden Ehepaar aus Bergkamen ging es um Schläge ins Gesicht, bei einem ehemaligen Liebespaar aus Kamen und Lünen um abgetretene Außenspiegel an einem Ford Fiesta. In beiden Fällen saß der männliche Teil des Paars auf der Anklagebank.

Einer der Männer hat schon Gerichtserfahrung: Der Bergkamener Johannes B. (Namen geändert), 25, stand noch unter Bewährung, als er am 27. Juli seiner Frau mehrfach ins Gesicht schlug. Tatort war der Wartebereich der Kinderklinik in Hamm. Die zweijährige Tochter des Paars sollte wegen hohen Fiebers untersucht werden. Dass ihr Mann in Gegenwart der Kleinen zuschlug, schockte die Frau: "So kannte ich ihn nicht." Zoff sei üblich gewesen, Johannes B. habe allerdings Rücksicht auf das Kind genommen. War die Tochter aber nicht in der Nähe, schenkten sich die Eheleute nichts: "Wir haben beide Fehler gemacht", sagt die Frau; man habe sich "gegenseitig vor die Fratze gekloppt". Neben der Attacke in der Klinik ging es im Prozess um Drohungen B.s gegen seinen Vater, abgesetzt per WhatsApp. Johannes B. hat nicht nur Vorstrafen, sondern auch ein Alkoholproblem. Laut seiner Bewährungshelferin ist dieses Problem "eklatant". Das Urteil am Ende: 14 Monate Haft - ohne Bewährung. B. will in Berufung gehen.

Der zweite Mann auf der Anklagebank war Markus P., 35 Jahre. Der Lüner kam nicht mit der Trennung von seiner Kamener Freundin klar. Seinen Frust reagierte er an den Außenspiegeln ihres Wagens ab. Von einer komplizierten Beziehung zu sprechen, scheint noch untertrieben. Markus P. berichtete, die 27-Jährige habe ihn betrogen und in einer langen On/Off-Beziehung zermürbt. Nach einem Suizidversuch wurde er im Dortmunder Landeskrankenhaus behandelt. Seine Ex-Freundin sagte, P. habe sie gestalkt. Es gab gegenseitige Strafanzeigen wegen Freiheitsberaubung. Seit Ende Oktober sind die beiden getrennt - diesmal anscheinend endgültig. Wegen der Beschädigung der Spiegel wurde Markus P. - er lebt derzeit von Hartz IV - zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt.

Haft für hartnäckiges Fahren ohne "Lappen"

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Der Bergkamener Adrian L. (Name geändert) war am 10. Mai vom Amtsgericht Lünen wegen Fahrens ohne Führerschein zu einer Strafe auf Bewährung verurteilt worden. Zwei Tage später tat er es wieder, in den Wochen danach mindestens zwei weitere Male - in Kamen, Steinfurt und Bergkamen. "Sie haben das alles nicht ernst genommen", hielt ihm jetzt der Kamener Amtsrichter vor. Konsequenz der drei jüngsten Fahrten: Neun Monate Haft - diesmal ohne Bewährung.

Das Delikt, das L. so hartnäckig wieder und wieder begangen habe, sei eigentlich keines, wofür er jemanden gern ins Gefängnis schicke, sagte der Richter. Aber: "Wir müssen Ihnen zeigen, dass es so nicht geht. Das heißt: Knast."

Im ersten Fall war L. auf dem Weg zur Arbeit in einem Kamener Logistikbetrieb, im zweiten Fall wollte er seine kranke Freundin besuchen, im dritten Fall schließlich hatte er den Wagen vor seiner Bergkamener Wohnung ein paar Meter versetzen wollen, als eine Polizeistreife des Weges kam, die Adrian L. schon von früher kannte. Es hatte vor Jahren alles damit begonnen, dass er einen mazedonischen Führerschein besaß, mit dem er sich hinters Steuer setzte, obwohl er die Fahrerlaubnis erst hätte umschreiben lassen müssen.

Adrian L. hat die Verstöße gegen das Gesetz stets unumwunden zugegeben. Ehrlich, aber leichtsinnig sei er, hielt ihm der Richter vor. Und auch, dass ein "richtiger" Führerschein durchs Schwarzfahren in immer weitere Ferne rücke.

Vermieterin geschubst - Mieter zahlt Buße

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amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Es war ein Abend im Mai, kurz nach 22 Uhr. An der Heerener Bergstraße gerieten Michael K. (Namen geändert) und seine Vermieterin Gertraud T. aneinander. Folge war ein Gerichtsverfahren: In der Anklage gegen Michael K. wegen Körperverletzung heißt es, er habe der älteren Frau im Streit einen Faustschlag gegen den Oberkörper versetzt. Folge: eine Prellung des Brustkorbs.

Michael K. - er wohnt seit zehn Jahren bei Gertraud T. zur Miete - erzählte dem Kamener Amtsrichter jetzt, er sei seinerzeit mit seinem Hund vom Spaziergang zurückgekommen; Gertraud T. habe sich beklagt, es sei doch schon so spät, und ihn nicht in die Wohnung lassen wollen. Da habe er sie eben resolut weggeschoben.

Gertraud T., als Zeugin geladen, brauchte nicht mehr auszusagen. Denn Richter und Staatsanwalt waren einig: Da Gertraud T. keine gravierenden Verletzungen erlitten habe, könne es mit einer Verfahrenseinstellung gegen eine Geldbuße gut sein. Das heißt: Michael K. zahlt für den etwas ruppigen Umgang mit der Frau 500 Euro an die Westfälischen Kinderdörfer e. V. - und die Sache ist erledigt.

Gertraud T., bester Dinge, schien mit diesem Ausgang zufrieden. Michael K. wohnt nach wie vor bei ihr. Nach Prozessende unterhielten sie sich noch angeregt vorm Gerichtsgebäude.

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