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Mit der Taschenlampe ins Finstere der Bunkerwelt

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Lokalnachrichten

sonnenbunker417KBDer Dortmunder Sonnenbunker an der Zwickauer Straße kann mit Führungen besichtigt werden, die regelmäßig angeboten werden – mit oder ohne Taschenlampen. Buchungen und Infos unter www.sonnenbunker.de - Foto: Katja Burgemeister für KamenWeb.de

von Katja Burgemeister | Fotostrecke >>>

Dortmund. Auf der Hörmuschel hat sich zwar schon eine dicke Schicht Staub angesammelt. Mit der archaisch anmutenden Telefonanlage wäre aber noch Kontakt zum Maschinenraum, in den Rettungsraum mit OP oder in einen der Lüftungsräume möglich. In den Aufenthaltsräumen wellt sich die Beschichtung der Rückenlehnen allerdings bereits bedenklich. Die Federn der Betten sind derart verrostet, dass sie nicht mal mehr quietschen. Der Hochbunker an der Zwickauer Straße in Dortmund ist ganz und gar beklemmend – erst recht im Licht der Taschenlampen.

Es lässt sich jedenfalls erahnen, wie ein Aufenthalt im Sonnenbunker im Ernstfall ausgesehen hätte. Ursprünglich war das Ungetüm, das inmitten der Wohnbebauung wie eine fensterlose Industrieruine anmutet, für die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs erbaut worden. Dann änderte sich die Bedrohungslage: Für den „Kalten Krieg“ sollten die vorhandenen Bunker zu ABC-sicheren Anlagen umgebaut werden. Der Sonnenbunker war der erste, bei diesem Umbauten von 1959 bis 1963 realisiert wurden. 3,5 Millionen Mark kostete das Unterfangen. Zum Ernstfall kam es nie und der Betonriese verlor 1995 seine Funktion. 2005 wurde er verkauft und ist seitdem – teilweise unter Denkmalschutz gestellt – in Privatbesitz für die Öffentlichkeit zugänglich.

Nachdem Tim Henrichs all diese Informationen im schmalen Eingangsschlauch losgeworden ist, knipsen alle Teilnehmer ihre Taschenlampen an und die 3,5 Tonnen schwere Eingangsschleuse gleitet zur Seite. Unvorstellbar, dass hier im Ernstfall Hunderte Menschen darauf gewartet hätten Einlass in die sicheren Räume zu bekommen. Hier wird es mit mehr als 20 Leuten schon beklemmend eng. Im Licht der Taschenlampen geht es die Gänge entlang zunächst in den Maschinenraum. Hier stehen gewaltige Anlagen, Schalterschränke und laufen riesige Rohre in allen Richtungen. Alles ist mit einer feinen Patina der Jahrzehnte bedeckt. Hier wird das Licht für den Bunker reguliert, Warmwasser, Abluft, Frischluft. Gerade Mal zwei Liter Wasser waren für die Insassen pro Kopf und Tag vorgesehen – einschließlich Körperpflege.

30 Tage sollten 1.500 Menschen im Falle eines ABC-Ernstfalls im Sonnenbunker Unterschlupf finden. Da ist Bequemlichkeit der letzte Aspekt, der im Vordergrund steht. Hier drinnen verliert man schon nach kürzester Zeit im künstlichen Dämmerlicht beim Surren der Maschinen und Rauschen der Lüftungsrohre das Gespür für Zeit und Ort. Blaues Licht hätte nachts über den dreistöckigen Doppelbetten geleuchtet, um den Weg in die Waschräume zu finden. Die Toiletten haben hier nur Kunststoffvorhänge – um Verzweiflungstaten vorzubeugen.

Die Aufenthaltsräume gleichen den antiken Wartehallen in Einwohnermeldeämtern. Von Privatsphäre keine Spur. Und wie die beiden großen Kessel in der winzigen Küche für 1.500 Menschen täglich Mahlzeiten zubereiten sollten, bleibt das Geheimnis der Planer. Immerhin gibt es auch einen Raum für die medizinische Versorgung samt OP. Ganze fünf Personen sollten hier im Ernstfall die Insassen betreuen und den Betrieb aufrechterhalten. Dumm nur, dass in einer Lüftungsanlage der Sand vergessen wurde, der gleichzeitig Kühlen und Kontaminierungen herausfiltern sollte.

Man sollte also lieber nicht darüber nachdenken, wie der Ernstfall in dem 46 Meter langen, 25 Meter breiten und 17 m Hohen Gebäude tatsächlich ausgesehen hätte. 1964 gab es einen Belegungsversuch mit 144 Personen für sechs Tage. Aus dem ganzen Bundesgebiet hatten sich Teilnehmer beworben, weil gutes Geld für den Versuch lockte. Was Tim Henrichs aus den historisch überlieferten Protokollen vorträgt, lässt nichts Gutes ahnen. 18 Stunden hatte der Tag im Bauch des Bunkers, aufgeteilt in 6 Stunden-Schichten, weil nicht alle gleichzeitig schlafen konnten. Die übrige Zeit gingen sich die Probanten gehörig gegenseitig auf die Nerven und wurden auf harte Bewährungsproben mit magerer Kost und eingeschränkten Hygienemöglichkeiten gestellt. Darunter Menschen, die solche Situationen bereits real während des Krieges erlebt hatten.

Heute liegt die abgeblätterte Farbe auf den Schlafpritschen und an den Decken bilden sich kleine Kalkgewächse. Die alten Pläne an den Wänden sind längst unleserlich. Die beklemmende Stimmung ist jedoch geblieben. Zumal die aktuelle globale Lage bei manchen den Gedanken aufkommen lässt, dass vielleicht doch besser mehr als zwei Bunker bundesweit ABC-sicher sein sollten. Oder besser doch nicht? Denn nach 30 Tagen wartet draußen heutzutage im Ernstfall alles andere als eine überlebenssichere Umgebung.

Der Dortmunder Sonnenbunker an der Zwickauer Straße kann mit Führungen besichtigt werden, die regelmäßig angeboten werden – mit oder ohne Taschenlampen. Buchungen und Infos unter www.sonnenbunker.de.

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