Blühender Hubschrauberlandeplatz: Hellmig Krankenhaus übernimmt Patenschaft für Wildblumenwiese

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Wildblumensaat 822SKAuf dem Foto (v.l.n.r.): Stefanie Haake, Team Klimaschutz - Fachbereich 60 Planung, Bauen, Umwelt Stadtverwaltung Kamen; Daniel Kieper, Technischer Leiter Hellmig-Krankenhaus Kamen; Monique Moch-Lasok, Klimaschutzmanagerin Hellmig-Krankenhaus Kamen Julian Löhe, Krankenhausleiter Hellmig-Krankenhaus Kamen - Foto: Stadt KamenKamen. Der Hubschrauberlandeplatz am Krankenhaus blüht auf: Pünktlich zur Spätsommeraussaat säten jetzt Vertreter der Stadt Kamen und des Hellmig-Krankenhauses auf einer Fläche von über 100 Quadratmetern Wildblumensamen aus.

Damit sich im nächsten Sommer die Insekten darüber freuen können, wird das Team des Krankenhauses sich nun darum kümmern, die Fläche regelmäßig zu wässern. Auch für weitere Flächen am Standort wird nun geprüft, wo durch weniger Mähen mehr Artenreichtum und somit mehr Lebensraum für Insekten entstehen kann. Stefanie Haake vom Stadtteilmanagement der Stadt Kamen freut sich über diese Kooperation sehr, denn gerade mit Blick auf das gesamte Stadtgebiet ist es sehr schwer, eine Bewässerung für solche Flächen sicherzustellen.

Die insgesamt vier Standorte des Klinikums Westfalen sind seit Anfang 2020 auf Klimaschutzkurs. „Im Gebäudesektor konnten wir im Bereich der Energieversorgung bereits 950 Tonnen CO2 einsparen. Nun richten wir unseren Blick auf weitere Aufgabenbereiche in Sachen Klimaschutz“, so Julian Löhe, Krankenhausleiter des Hellmig-Krankenhauses in Kamen. „Daher hoffen wir sehr, mit dieser Fläche zukünftig einen ökologischen Mehrwert erzielen zu können.“

Die Idee für mehr artenreiche Flächen ist im Rahmen des Klimaschutzgremiums der Stadt Kamen entstanden. So können sich nun auch Bürgerinnen und Bürger oder auch Firmen bei der Stadtverwaltung melden, wenn sie über Flächen verfügen, die ökologisch aufgewertet werden können. Im kommenden Frühjahr wird die Stadt Kamen erneut regionales Wildblumensaatgut bestellen und verteilen. Für größere Flächen bis 100 Quadratmeter kann schon jetzt Saatgut vorbestellt werden. Dafür genügt eine kurze E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Pflanzenkundlicher Spaziergang der NABU Botanik AG

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Exkursion mit Götz Loos in Bergkamen, Stadtzentrum

blumenprachtKWBergkamen. Am Sonntag den 21. August kann man sich wieder mit Dr. Götz Loos vom NABU auf einen pflanzenkundlichen Spaziergang begeben. Unsere Pflanzenwelt verändert sich. Klimaerwärmung, Umweltbelastungen, neuauftretende Arten: Der Wandel der Flora ist unübersehbar und macht es erforderlich, alle Ecken des Kreises Unna wieder aufzusuchen und ihre pflanzlichen Bewohner dort zu dokumentieren. Diese notwendigen Gänge möchte der NABU Kreisverband Unna, namentlich die Botanik-AG, zumindest teilweise mit der Öffentlichkeit teilen und allen Interessierten die Pflanzen erklären, die dort wachsen: In bewährter Weise mit den kleinen und großen Geschichten, die dahinter stecken. Treffpunkt für den etwa zweistündigen Spaziergang ist um 14.00 Uhr in Bergkamen, Parkstraße, an der Kirche. Die Kosten betragen 2,00 Euro, NABU-Mitglieder frei.

Kamener Bäume sind im Sommer durstig: Stadtverwaltung startet einen erneuten Aufruf an die Bevölkerung

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fwkbaeume719Kamen. Wegen der anhaltenden Trockenperiode startet die Stadt Kamen einen erneuten Aufruf an die Kamener Bevölkerung. Die große Hitze setzt vielen Pflanzen zu. Straßenbäume und insbesondere junge Bäume, die noch nicht tief in der Erde wurzeln, leiden schnell unter der Trockenheit. Die Stadt beobachtet bereits an vielen Jungbäumen – auf privaten wie auch städtischen Flächen – starke Trockenheitsschäden bis hin zum Absterben der Bäume. Gelegentliche Gewitterschauer helfen da nicht, auch wenn sie mit hohen Niederschlagsmengen daher kommen. Selbst bei kräftigen Schauern kommt nicht viel Wasser an den Baumwurzeln an. Ein großer Teil des Wassers läuft an der Oberfläche ab und in den nächsten Gully oder verdunstet gleich wieder.

Anders wäre es mit einem länger anhaltenden, mäßigen Niederschlag über mehrere Tage (sogenannter Landregen). Sein Wasser würde auch in tiefere Bodenschichten vordringen und den Wasserspeicher im wurzelnahen Bereich wieder auffüllen. Solche Regenereignisse sind derzeit aber nicht in Sicht, so dass Straßenbäume und Jungbäume weiter mit dem Trockenheitsstress zurechtkommen müssen. Gerade die jungen Bäume sind aber gefährdet und reagieren schneller mit welkenden Blättern oder Blattabwurf und können im schlimmsten Fall sogar absterben.

Helfen können da nur zusätzliche und regelmäßige Wassergaben. Deshalb bittet die Stadtverwaltung die Bürgerinnen und Bürger erneut um Unterstützung: Die Straßenbäume und die Jungbäume, auch auf den privaten Grundstücken, sind in diesen Tagen für jede Gießkanne Wasser dankbar. Dabei ist es nicht nötig, einen Baum jeden Tag zu gießen. Zweimal die Woche reicht aus, dann aber möglichst reichlich (5-6 Gartengießkannen). Die Wassergabe sollte über die gesamte Baumscheibe verteilt und nicht direkt an den Stamm gegossen werden. Wenn verfügbar, sollte man natürlich zuerst aufgefangenes Oberflächenwasser, z.B. von Dachabläufen, nutzen.

Jede Wassergabe hilft unseren Bäumen möglichst unbeschadet durch die trockene Jahreszeit zu kommen. Und wie wichtig die Bäume für das Stadtklima sind, weiß jeder, der sommertags schon mal im Schatten eines Baumes gesessen hat.

In diesem Zusammenhang bittet die Stadtverwaltung auch die Baumspender des Bürgerwaldes in Südkamen an die unterstützende Wässerung „ihres“ Baumes zu denken, damit der Bürgerwald insgesamt möglichst gut durch die trockene Zeit kommt. Ein Wasserfass steht auf der Fläche bereit.

Kamener Stadtpflanzen - Folge 46: Mohne aus der Saat

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GLSP46 1 2Blüte des Verkannten Mohnes (Papaver confine). Fotos: Dr. Götz Loos

von Dr. Götz Loos

GLSP46 2Fruchtkapsel des Verkannten Mohnes.Kamen. Den Klatsch-Mohn kennen Alle - zumindest glauben sie das. Unverkennbar ist er der häufigste Mohn in Kamen, auch wenn er zurückgegangen ist. Deshalb bekommt er auch irgendwann ein eigenes Porträt hier. Die Mohne, um die es in dieser Folge geht, kennen aber botanisch wenig Versierte kaum - respektive hält man sie für Klatsch-Mohn. Dabei sind die beiden Saat-Mohne spätestens zur Fruchtzeit durch die länglichen Fruchtkapseln eindeutig vom Klatsch-Mohn mit seinen mehr oder minder halbkugeligen Früchten zu unterscheiden.

Die häufigere von beiden in Kamen vorkommenden Arten der Saat-Mohn-Gruppe ist der Verkannte Mohn (Papaver confine). Er hat ziemlich bleichrote Kronblätter, ovale, ziemlich schmale Blütenknospen und ist meist nur in ganz jungem Zustand im Blattwerk blaugrün, sonst ist dieses meistens reingrün. Seine Fruchtkapseln sind zum Stiel hin abgerundet, man könnte sagen, dass sie unten GLSP46 4Fruchtkapseln des Saat-Mohnes (Papaver dubium)auf jeder Seite jeweils parabelförmig zulaufen. Verletzt man die Pflanze, so tritt - ganz mohntypisch - ein Milchsaft aus, der frisch schmutzigweiß ist, nach Abtrocknen an der Bruchstelle rötlich erscheint.

Der Verkannte Mohn ist offenbar schon lange bei uns, nicht nur in "Saaten", also Äckern - mehr noch ist er eine Pflanze der offenen Flächen, die fachsprachlich Ruderalstellen genannt werden; dazu gehören im Siedlungsbereich Kamen-Mitte vor allem Baustellen und hier die Erdhaufen, dann aber auch Beete, so in Gärten und Anlagen, Gelände der Eisenbahn, Gehsteige, offene Brachflächen und ähnliches mehr. Häufig ist dieser Mohn in Kamen-Mitte nicht, aber zerstreut. Durch sinnlose "Unkraut"-Bekämpfung ist er klar zurückgegangen.

Die andere Art, der "eigentliche" Saat-Mohn (Papaver dubium), fällt schon von Weitem durch eine bleibend oder mit der Zeit nur gering abschwächende bläulichgrüne Färbung der Blätter auf. Die Kronblätter sind ebenfalls ziemlich aufgehellt rot, besitzen aber zumindest jung erblüht einen erkennbaren Orangestich. Die Fruchtkapseln sind veränderlicher als beim Verkannten Mohn, jedoch meist gegenüber denen bei jenem etwas länger und unten zumindest überwiegend kegelförmig, das heißt sie laufen fast gerade in den Stiel zu. Auffällig sind ferner die vorn spitzen Blütenknospen, die diesen mitunter ein rautenförmiges Aussehen verleihen. Der Milchsaft gleicht frisch demjenigen des Verkannten Mohns, abgetrocknet ist er aber dunkler und braun, ohne jeden Rotton.

Diese Mohnart wurde früher nur äußerst selten in Kamen gefunden. Zweimal sah ich ihn in Westick an der Bahn, daher ging ich davon aus, dass er mit der Eisenbahn bei uns zugewandert war. Seit einigen Jahren steht allerdings ein großer Bestand am Ostring, bei dem ich erst gar nicht genau hinblickte. Als ich beim Vorbeifahren später einmal die blaugrüne Blattfarbe bemerkte, inspizierte ich das Vorkommen genauer - und siehe da: Saat-Mohn im engeren Sinne.

Der Bestand hat sich beträchtlich ausgedehnt und mittlerweile sind vermutlich Samen von dort auch in die nähere Umgebung gelangt, z.B. wachsen Einzelexemplare an der Ängelholmer Straße an Mauerfuß, Hauswand und in einer Bordsteinfuge.

Die eine Art ist zurückgegangen, die andere breitet sich aus - es ist ein ständiger Wandlungsprozess in der Pflanzenwelt, der an diesem Beispiel gut nachvollziehbar ist. Allerdings ist bei diesen "Zwillingen" genaues Hinsehen gefragt.

GLSP46 3 2Der (eigentliche) Saat-Mohn in Blüte am Ostring.

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Kamener Stadtpflanzen - Folge 45: Der Rauch der Erde

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Natur & Umwelt

SP45GL 1Echter Erdrauch (Fumaria officinalis) in unregelmäßig bearbeitetem Vorgarten an der Fächerstraße. von Dr. Götz Loos

Kamen. Da steht man vor einer ziemlich niedrigen Pflanze mit kleinen, aber langgezogenen, dabei rötlichen Blüten und staunt über den mysteriösen Namen: Echter Erdrauch. Der wissenschaftliche Name stimmt hier mit dem deutschen ziemlich überein: Fumaria officinalis - von lateinisch fumus = Rauch (kennt man abgeleitet auch in anderen Sprachen, z.B. im Französischen: fumée). Wikipedia und Wörterbücher zu Pflanzennamen klären Weiteres auf, vor allem dass der "Rauch" im Namen - wie so oft bei den Namen von Gewächsen - in seiner Herkunft keineswegs eindeutig geklärt ist: augenreizender Rauch beim Verbrennen des Krautes, Auslösen von Tränenfluss (wie Rauch, deshalb Fumaria als Ableitung von "fumus terrae", also der Rauch, der auf der Erde wächst) oder das etwas gräuliche Grün der Blätter; beim Betrachten von Form und Farbe der Kronen denkt man allerdings eher an "Erdflämmchen".

Dass dieses Pflänzchen einmal häufig war in den Gemüsebeeten in den Siedlungen und außerhalb in Äckern, besonders in Hackfruchtkulturen, spiegelt sich im alternativen deutschen Namen Gewöhnlicher Erdrauch. Auch wenn die Art immer noch gefunden werden kann, ist sie aber längst nicht mehr "gewöhnlich". Das "Echte" im Erdrauch hingegen bezieht sich auf seine ehemalige Nutzung als Heilpflanze (eine "offizinelle" Pflanze, daher auch wissenschaftlich "officinalis"), belegt mindestens als Krampflöser im Verdauungstrakt.

Ob Heilpflanze oder nicht - ähnlich wie das unlängst hier behandelte Gewöhnliche Greiskraut war der Erdrauch gefürchtet, weil er sich in Kulturen massenhaft ausbreiten konnte.
Trotz seiner Bekämpfung hat er in einigen Gärten ausgehalten, wenn auch nur als Randerscheinung. In Äckern wurde er durch Herbizide stark dezimiert, kommt aber reichlicher wieder, wenn ein Acker einmal brachfällt. Er SP45GL 2Blütenstände des Echten Erdrauchesscheint eine recht a In Getreidefeldern kam er vermehrt auf, wenn das Stoppelstadium erreicht war - was es heute praktisch gar nicht mehr gibt. Im Siedlungsraum Kamen-Mitte findet man ihn vor allem in relativi frisch verbrachten Gärten sowie - und das in erster Linie - auf Baustellen, namentlich auf dortigen Erdhaufen. Und, wie gesagt, häufig ist der Erdrauch in Kamen (und weiterer Umgebung) nicht mehr, eher zerstreut.

Die Erdrauch-Pflanzen wachsen aufrecht, oft am Grund erst aufsteigend und können in dichtem Bestand durch Anlehnen an Stützen, also andere Pflanzen, an besseren Lichtgenuss geraten (eine Form des so genannten Spreizklimmens). Die Blätter sind fein und regelmäßig gefiedert, dabei grün mit mehr oder weniger stark grauem Anflug - gleichfarbig wie die Stängel. Bei den Blüten sind jeweils die Kronblätter zu einer länglichen, um 8 mm langen Röhre zusammengefasst, die einen kaum glauben lassen, dass dies ein Mohngewächs ist (siehe aber die ähnlichen Lerchensporne).

Die röhrigen Kronen sind an der Spitze sehr dunkelrot bis fast schwärzlich gefärbt, der Rest der Röhre ist mindestens bei uns meist rosa (wie im Foto), seltener verschieden tief purpurrot, ausnahmsweise sehr dunkel (nicht verwechseln mit dem ähnlichen Wirtgens Erdrauch, Fumaria wirtgenii, der jedoch in Kamen nur einmal in Westick in einem Garten beobachtet wurde). Die Früchte sind rundlich-kugelig, an der Spitze allerdings erkennbar abgeplattet. Eine kuriose Pflanze ist der Erdrauch allemal, seine Kleinheit gleicht er nicht selten durch Ausbildung größerer Bestände aus.

SP45GL 3Früchte des Echten Erdrauches mit typischer Delle oben

Kamener Stadtpflanzen - Folge 44: Noch läutet der Mai

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Natur & Umwelt

von Dr. Götz Loos
 
SP44 1GLBlühendes Maiglöckchen am GartenplatzKamen. Der Juli ist schon in Sichtweite, doch noch immer blühen die Maiglöckchen (Convallaria majalis) mit ihren letzten Blüten in der Stadt. Ein beliebtes Gewächs, vielmehr seine Blüten, in und aus Kultur war diese auch (unter anderen) als Maiblume oder Maienblümchen bezeichnete Pflanze immer schon, aber genauso gehört sie zu den einheimischen Gewächsen unserer Wälder, wohin sie aber zusätzlich durch Verschleppung mit Gartenabfällen hingelangt. Gut entwickelte Humusböden (Mulle) werden unter natürlichen Bedingungen bevorzugt, die Gartenpflanzungen und ihr gutes Gedeihen zeigen jedoch, dass die Art anspruchsloser sein kann als gedacht. 
 
Maiglöckchen sind als Zierpflanzen sehr beliebt, aber Viele schrecken davor zurück, sie im eigenen Garten zu pflanzen. Grund dafür sind die unterirdischen Erdsprosse, mit denen diese "späte" Frühlingspflanze sich ungeschlechtlich ungehemmt in alle Richtungen von der Pflanzstelle herrührend ausbreiten kann. Die dabei aufgebauten Bestände sind so dicht, dass sie kaum einer Art dazwischen Platz lässt, auch wenn das Maiglöckchen an sich niedrigwüchsig ist. Als Bodendecker ist es bis in schattige Gehölzbereiche hinein geeignet (tiefschattig freilich kaum blühend), die zügellose Flächeneinnahme kann jedoch im Garten störend sein - so landet dann die Art im Gartenmüll und allzu oft in Gehölzen, in denen sie ursprünglich nicht vorkam. Wer sie auf den Komposthaufen wirft, weiß um ihre Wüchsigkeit; selbst hier und selbst bei freiliegenden Erdsprossen und Wurzeln vermag sie anzuwachsen.
 
Deshalb wird das Maiglöckchen insgesamt lieber in Sträußen gekauft. Nichtsdestotrotz ist sie in den Gärten im Kamener Siedlungsbereich Mitte verbreitet gepflanzt zu finden, in den Gärten und Vorgärten bürgert es sich schnell und praktisch überall, wo Pflanzungen bestehen, ein. Und dann wird es zum "Ausbrecher": durch Zäune wachsend, in Pflaster- und Randsteinfugen von Beeten her eindringend, sogar unter Mauern hindurch. Und weiterhin in den Siedlungsgehölzen und auf Brachen taucht es auf - entweder ausbrechend aus benachbarten Gärten oder eben mit illegal entsorgten Gartenabfällen. Trockene Standorte erträgt es problemlos, feuchtere nicht minder, solange es keine nassen "Füße" bekommt.
 
SP44 3GLAuf dem Spiek: Maiglöckchen haben durch ungeschlechtliche Vermehrung das Beet übernommenVielleicht wurde das Maiglöckchen ursprünglich als Heilpflanze in die Gärten gebracht. Doch hierbei ist mit Vorsicht zu walten: Die Wirkung der herzwirksamen Glykoside kann schnell ins Gegenteil verkehrt werden und bis hin zum Herztod führen. So ist das beliebte Gewächs als sehr giftig einzustufen. Eine Verwechslung mit dem Bär-Lauch (Allium ursinum) ist eigentlich kaum möglich - schon aufgrund des allzeit knoblauchig-würzigen Duftes, der sich spätestens beim Zerreiben der Blätter des Bär-Lauches ergibt, während die Blätter des Maiglöckchens niemals nach irgendetwas riechen. Dennoch werden immer wieder Vergiftungsfälle wegen Verwechslung bekannt. Der allgemeine Rat kann nur lauten: Ohne sichere Kenntnisse Finger weg! Pikant ist es nur, wenn beide Arten durcheinander vorkommen, so eingebürgert mit weiteter Ausbreitung nebeneinander in einem kirchlichen Garten in Kamen-Mitte.
 
Maiglöckchen und Bär-Lauch sind beide einkeimblättrige Gewächse mit langgezogenen Grundblättern mit parallel zueinander verlaufenden Blattnerven. Da hören die Gemeinsamkeiten jedoch bereits auf: Maiglöckchen blüht bei uns von frühestens Ende März (meist aber April) bis spätestens Anfang Juli (Bär-Lauch beginnt deutlich früher und endet früher). Und beim "echten" Frühblüher verwelken die oberirdischen Teile des Bär-Lauches (momentan gut sichtbar), während nach der Blüte die Blätter des Maiglöckchens dauernd stehenbleiben. 
 
Die einmal breiter ausfallenden, einmal etwas schmaleren lanzettlichen, dunkelgrünen, oft etwas blaugrün angelaufenen Blätter stehen grundständig meist zu zweit, weniger oft zu dritt und geben der höchstens 30 cm hohen Maiglöckchenpflanze das charakteristische Aussehen. Der Stängel selbst weist keine weiteren Blätter auf, an seinem oberen Ende bildet sich ein schließlich bogig überhängender Blütenstand, an dem sich üblicherweise weiße glockige Blüten entwickeln, an denen am Ende sechs freie Zipfel ausgebildet sind, während der größere Teil der Blütenhülle verwachsen ist. Der betörende Duft ist ein beliebter Parfümbestandteil; Weiteres hierzu siehe z.B. im einschlägigen Wikipedia-Beitrag.
 
Nach dem Abblühen bilden sich rote rundliche Beeren, welche vorwiegend der Ausbreitung durch Vögel (insbesondere Amseln) dienen. Unterschiede in Blattlänge und -breite ergeben sich als Modifikationen durch die jeweiligen Standortbedingungen, können daneben aber auch erbfest sein und Ausdruck von lokalen Klonbildungen (sehr breitblättrige Gartentypen wurden zuvor von Gärtnern ausgelesen und vermehrt). Erbfeste Fixierung von Merkmalsausprägungen kann durch Selbstbefruchtung erfolgen, die auftritt, obwohl die Pflanze quasi alles tut, um Fremdbefruchtung durch Insekten zu gewährleisten (Staubbeutel öffnen sich vor den Narben; Heterostylie, d.h. verschieden lange Griffel).
SP44 4GLÜberhängender Maiglöckchen-Blütenstand mit den typischen weißen Glöckchen-Blüten

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