Gewalt in der Notaufnahme: Haft auf Bewährung

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amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Es war äußerst turbulent in der Notaufnahme des Kamener Krankenhauses am späten Nachmittag des 31. Mai 2019. Die Hauptperson - Mehmet Z. (Name geändert), heute 47 Jahre - wurde jetzt vom Kamener Strafrichter zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt sowie zu 2.000 Euro Geldauflage, und zwar wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und vorsätzlicher Körperverletzung. Dazu kommen 500 Euro Buße wegen Autofahrens unter Drogeneinfluss. Genau dieser letzte Punkt hatte das Ganze überhaupt in Gang gebracht.

Z. war an jenem Tag von einer Polizeistreife am Dortmunder Borsigplatz gestoppt worden. Den Beamten fiel süßlicher Geruch auf. Z. sollte zu einer Blutprobe mitkommen. Weil in Dortmund gerade kein Arzt verfügbar war, fiel die Entscheidung auf Kamen. Z. war mit der Blutentnahme nicht einverstanden. Er begann eine Diskussion, setzte sich auch körperlich zur Wehr. Bewusst verletzt habe er aber niemanden, sagte er bei einem ersten Gerichtstermin vergangenen November.

Schon bei diesem Termin hatte es ein Urteil gegeben. Wegen eines Formfehlers - ein Datum stimmte nicht - hob das Dortmunder Landgericht es auf. Deshalb nun die zweite Auflage: Wieder sagten eine Ärztin und drei Polizeibeamte aus. Ein Polizist schilderte, Z. habe seinen Zeigefinger gepackt und nach hinten umgeknickt. Ergebnis waren eine leichte Verstauchung und zwei, drei Tage Schmerzen bei Belastung des Fingers. Der Version von Z., ein Beamter habe ihn schmerzhaft mit dem Knie auf dem Kopf fixiert, widersprachen alle drei - oder sagten zumindest, so etwas nicht gesehen zu haben. Einer gab an, er habe Z. einen Faustschlag versetzt, um seinen Widerstand zu brechen.

Z.s Verteidiger hielt am Ende das wohl kürzeste Plädoyer, das im Amtsgericht je zu hören war: "Ich beantrage, meinen Mandanten freizusprechen." Punkt. Da scheint es nach dem erneuten Urteil so gut wie sicher, dass es wieder eine Berufung am Landgericht gibt.

Prozess um Waffenbesitz nach Razzia im "Mocca"

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Am 15. November 2019 kontrollierte die Polizei das "Mocca" an der Bahnhofstraße und seine Besucher. Für den 25-jährigen Sultan M. (Name geändert) hatte das ein Strafverfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes zur Folge. Dabei zeigte er sich "wenig kooperativ", fand der Richter - und bekam am Ende eine Strafe, obwohl vielleicht eine Verfahrenseinstellung gegen Zahlung eines Betrags an eine gemeinnützige Einrichtung drin gewesen wäre.

Fest steht: Im Wagen von M., damals wenige Meter vom "Mocca" entfernt geparkt, lagen eine Druckgaswaffe und - getrennt davon - Magazin und Kugeln. Um die Waffe führen zu dürfen, hätte M. den so genannten Kleinen Waffenschein haben müssen. Das war aber nicht der Fall.

Im Prozess ließ er zunächst ausschließlich seinen Anwalt sprechen. Der räumte im Namen seines Mandanten ein, was nicht abzustreiten war: dass die Waffe eben im Auto war. Ein Freund soll sie ihm kurz vorher gebracht haben. Allerdings sei M. sich der Strafbarkeit nicht bewusst gewesen. Das bloße Bei-sich-Haben einer Waffe habe Sultan M. nicht gleichgesetzt mit dem "Führen" einer Waffe. Rückfragen wollten M. und der Anwalt nicht zulassen.

Der Polizist, der seinerzeit die Waffe im Wagen fand, beschrieb als Zeuge vor Gericht einen Routineeinsatz. M. habe zunächst im Lokal keinen Ausweis zeigen können, denn der liege im Auto. Auf die Frage nach gefährlichen Gegenständen in dem Fahrzeug habe er die Waffe erwähnt. Bei einer Vernehmung Wochen später auf der Wache soll M. von einer Vorliebe für Softairwaffen gesprochen haben.

M.s Vorstrafenregister ist leer, er hat einen Job, sein Anwalt nannte ihn einen "sorgfältigen jungen Mann", der "Mist gebaut" habe. Der Richter verurteilte M. zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 40 Euro wegen vorsätzlichen Führens einer Schusswaffe. M. kann Berufung einlegen.

Frau stürzt mit Rollator: Buße für Autofahrerin

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amtsger19NKWvon Andreas Milk

Kamen. Seit 35 Jahren hat Claudia B. (Name geändert) den Führerschein. Eintragungen in Flensburg: null. Dass die Heerenerin jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt war, lag an einer winzigen Unachtsamkeit, vielleicht war es auch vor allem Pech. Es ging um einen Vorfall am Nachmittag des 29. September 2020. Claudia B. setzte ihr Auto aus der schmalen Einfahrt ihres Grundstücks zurück, den Blick nach hinten, sagt sie. Plötzlich hörte sie eine Art Kratzgeräusch. Sie stieg aus und sah nach. Auf der Straße lagen eine alte Frau und ihr Rollator.

Die Frau hatte Knochenbrüche erlitten. Sie musste sich mehreren Operationen unterziehen. Zum Gerichtstermin konnte sie nicht kommen. Inzwischen wird sie palliativ versorgt.

Claudia B. hält für möglich, dass die Frau einfach so gestürzt sei - also ohne Kollision mit B.s Auto. Allerdings wurde laut Polizeiakten ein leichter Lackabrieb festgestellt. Claudia B. ist im Laufe der Jahre schon unzählige Male aus der Einfahrt gefahren. In der Nachbarschaft sind Kinder. Eine Hecke behindert die Sicht. Es geht also nur mit größter Vorsicht voran - beziehungsweise zurück.

Aus dem Prozess geht Claudia B. nun ohne Vorstrafe heraus: Sie muss eine Buße von 750 Euro an den Weißen Ring zahlen. Zusammen mit ihrem Mann - er bezieht Erwerbsunfähigkeitsrente - hat sie monatlich netto rund 2.000 Euro. Sobald die Buße überwiesen ist, wird das Verfahren gegen Claudia B. eingestellt.

Kupferklau auf Metro-Gelände: Prozess um 9 Tonnen Metall

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amtsgerichtKamen AMvon Andreas Milk

Kamen. Auf dem ehemaligen Metro-Gelände an der Henry-Everling-Straße sollte Ende Januar 2019 laut Staatsanwaltschaft ein lukratives, aber kriminelles Geschäft abgewickelt werden. Es ging um neun Tonnen Kupferschrott.

Drei Männer sind vor dem Kamener Amtsgericht angeklagt. Sie sollen die Kupferrohre für 8.500 Euro einem Mann überlassen haben. Es geht erstens um Diebstahl - denn das Kupfer gehörte den Bauarbeitern nicht -, zweitens um Betrug - denn der Käufer soll von der Unrechtmäßigkeit des Geschäfts nichts gewusst haben.

Nur zwei der drei Angeklagten kamen jetzt zum Prozesstermin; der dritte hatte sich eine Magen-Darm-Grippe eingehandelt. Einer der beiden ließ über seinen Verteidiger den Anklagevorwurf einräumen. Das heißt: Er gab die Tat zu - wollte aber nichts Näheres zu Ablauf und Hintergründen sagen. Er ist immer noch bei derselben Firma beschäftigt, was sehr für ihn spreche, sagte sein Anwalt: Der Chef wisse eben, was er an seinem Mitarbeiter habe - trotz der blöden Geschichte mit dem Kupfer. Der zweite Angeklagte erklärte, er habe den Kupferschrott zum Abholen in Container verladen, weil er einen entsprechenden Auftrag hatte - und zwar von einem Subunternehmer, der auf dem Gelände tätig war.

Um die Einzelheiten zu klären, braucht es einen neuen Termin: Neben dem dritten Angeklagten soll dann unter anderem der Kupferkäufer gehört werden. Ihm müsste der günstige Preis für das Metall eigentlich aufgefallen sein: Es stellt sich die Frage nach einer Mitwisserschaft. Der Betrugsvorwurf gegen die drei übrigen Männer vom Bau wäre dann hinfällig - es bliebe "nur" der Diebstahlsverdacht.
Voraussichtlich im Herbst wird der Fall wieder vor Gericht verhandelt.

"HalliGalli": Model stellt Kassendieb - Elf Monate Haft

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amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Das Modegeschäft "HalliGalli" an der Weststraße war für Said H. (Name geändert) die völlig falsche Adresse. Am 22. Juli 2020 scheiterte er mit dem Versuch, die Scheine aus der Kasse zu stehlen. Zu verdanken ist das einer jungen Frau, die ihre wohl modischen, aber kaum renntauglichen Schuhe zur Seite warf und H. hinterher lief. Wegen Diebstahls wurde der vielfach vorbestrafte Mann jetzt vom Kamener Amtsrichter zu elf Monaten Haft verurteilt.

Aufgewühlt und den Tränen nah hatte er von seiner Drogenabhängigkeit erzählt und beteuert, seine Tat tue ihm leid, er bereue sie sehr. "Sie tun mir auch leid", erklärte die Ladenbesitzerin.
Wohl ganz zufällig war der gebürtige Libanese - verwitwet, Staatsangehörigkeit unklar - am späten Nachmittag jenes Tages in Kamen aus dem Zug gestiegen und durch die Gegend gestreift. Die Verkäuferin im "HalliGalli" sei abgelenkt gewesen, erzählte er - da habe er zugegriffen: gut 400 Euro. Abgelenkt war die Frau deshalb, weil eine Kundin ein Kleid aus dem Fenster zu sehen wünschte. Dass diese Kundin nach dem Diebstahl prompt verschwunden war, legt den Verdacht nah, es könnte eine Komplizin von H. gewesen sein. H. allerdings sagt, er habe allein gehandelt.

Zeitgleich lief damals vor dem Laden ein kleines Foto-Shooting. Die Chefin machte Aufnahmen mit einem Model. Als die Verkäuferin heraus kam und vom Diebstahl erzählte, nahm das Model die Verfolgung Said H.s auf. Sie stellte ihn am Markt - er war schon in einen Bus gestiegen. Widerstandslos folgte er ihr zurück in die Weststraße. Da wartete schon die Polizei. Das Geld gab er zurück.

Derzeit verbüßt Said H. noch andere Haftstrafen - die elf Monate kommen obendrauf. Und ausgerechnet die mutige Verfolgerin soll eine Strafe zahlen - genauer: ein Ordnungsgeld. Denn sie war trotz Ladung nicht als Zeugin vor Gericht erschienen. Zeugenaussagen sind aber wichtig. 50 Euro muss sie überweisen - quasi ein Freundschaftspreis: Üblich ist das Doppelte bis Vierfache dieses Betrags.

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