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"F***t euch" und Tritte: Fette Geldstrafe für Ausraster im Polizeiauto

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

von Andreas Milk

amtsger19NKWKamen. Selten sitzt einer im Kamener Amtsgericht auf der Anklagebank und wirkt dabei so zerknirscht wie der Bergkamener David H. (Name geändert): "Ich bin selber enttäuscht von mir" - der Grund: sein Verhalten gegenüber der Polizei am 11. September vorigen Jahres. H. hatte Alkohol getrunken, obwohl er laut eigener Aussage keinen verträgt. Die Folgen: "F***t euch" und andere Beschimpfungen an die Adresse der Beamten, dazu Tritte, noch während er auf der Rückbank des Einsatzfahrzeugs lag. Ein Polizist bekam H.s Schuh ins Gesicht.

H. selbst wurde wegen seines Zustands an jenem Tag ins Krankenhaus gebracht. Erinnern kann er sich heute an nichts mehr: klassischer Filmriss. Bei den betroffenen Polizeibeamten hat er sich später während eines Besuchs auf der Wache entschuldigt. Vor Gericht sprach er mehrfach davon, wie sehr er sich schäme.

Das honorierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer. Sie forderte "nur" eine Geldstrafe - obwohl an und für sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eine Freiheitsstrafe angezeigt gewesen wäre. Aber: Wegen H.s Alkoholkonsum nahm sie einen minderschweren Fall an; Geständnis und Entschuldigung seien positiv zu werten. Die Richterin sah das ähnlich. Das Urteil: eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Euro.

Die kann der Vater von drei Kindern in monatlichen Raten abstottern, sollte das Urteil rechtskräftig werden. Übler hätte das Verfahren für ihn ausgehen können, wenn die ganze Geschichte sich ein paar Jahre früher zugetragen hätte. H.s Vorstrafenregister hat fünf Einträge, darunter eine viereinhalbjährige Jugendstrafe wegen eines Raubdeliktes. Der vorerst letzte Eintrag liegt aber schon lange zurück - so lange, dass die Sache mit den Polizisten in Bergkamen mit etwas gutem Willen als einmaliger Aussetzer gewertet werden kann.

 

Nur "halb" besoffen - aber Schlangenlinien: Geldstrafe

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Hätte der 28-jährige Paul T. (Name geändert) vor seiner Autofahrt am Abend des 25. Februar 2022 durch Heeren-Werve einfach doppelt so viel Alkohol getrunken - der Fall wäre juristisch klarer gewesen. Mit ein paar Bierchen allerdings reichte es "nur" für 0,63 Promille. Das bedeutet: relative Fahruntüchtigkeit. Für sich genommen ist das Lenken eines Wagens damit noch keine Straftat, sondern eine Ordnungswidrigkeit. Heikel wird es, wenn Fahrfehler dazu kommen, die sich auf den Alkohol zurückführen lassen. Und genau dies war in der Verhandlung vor dem Amtsgericht die Frage.

An jenem Februarabend war T. auf der Heerener Straße einer Polizeistreife aufgefallen, die auf dem Weg nach Bönen war. Sehr langsam sei T. mit seinem VW gewesen, erinnerte sich ein Beamter: knapp 50 km/h, wo Tempo 70 erlaubt war. Ein Fahrfehler ist das natürlich noch nicht. Entscheidend aber: T. habe ruckartig gelenkt, die Mittellinie überfahren, sei in Schlangenlinien unterwegs gewesen. Konsequenz: Anhaltezeichen, Pusten ins Messgerät.

T. dagegen war sich sicher: Er habe keinerlei Ausfallerscheinungen gehabt. Sein Beifahrer bestätigte das: "Ich fahr' doch nicht mit 'nem Besoffenen!"
Hinweis auf ein schlechtes Gewissen T.s könnte aber sein, dass er zunächst mal äußerst zaghaft ins Röhrchen pustete - woraufhin ihn der Polizeibeamte anpflaumte, seine dreijährige Tochter kriege das besser hin. Das sei sicher etwas patzig rübergekommen, gab der Polizist im Gerichtssaal zu. Dafür habe er sich bei Paul T. entschuldigt.

T. hat bisher keine Vorstrafen, aber drei Einträge in Flensburg, darunter einen wegen Trunkenheit. Für die 0,67-Promille-Fahrt in Heeren beantragte sein Verteidiger nun Freispruch: Die Schlangenlinien seien nicht klar nachgewiesen, das Schleichen im 70er-Bereich sei nichts Verwerfliches. Von absoluter Fahruntüchtigkeit - 1,1 Promille - sei sein Mandant noch weit entfernt gewesen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft allerdings war überzeugt, dass es sich sehr wohl um mehr als eine "OWi" handelte, nämlich eine Straftat: fahrlässige Trunkenheit im Verkehr.

Dieser Ansicht schloss die Richterin sich an. Sie verurteilte Paul T. zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 60 Euro. Sein Führerschein - auf den er schon seit Ende August verzichten musste - bleibt eingezogen. Ein neuer darf ihm erst in vier Monaten ausgestellt werden. T. kann in Berufung gehen.

Kopfstoß für Kioskbetreiber: Haft auf Bewährung

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von Andreas Milk

amtsger19NKWKamen. Florian K. (31, Name geändert) hatte Frust - und der Betreiber des Kiosks am Stadtmarkt in Bergkamen musste es ausbaden: So lässt sich zusammenfassen, was sich am Abend des 11. August 2022 abgespielt und worüber ein Strafrichter in Kamen jetzt zu verhandeln hatte. K. war wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Mutmaßlicher Auslöser des Ganzen: ein bissiger Hund. Der gehörte einem Mann aus Kamen, der inzwischen in Bergkamen wohnt und zu den Stammkunden des Amtsgerichts zählt, unter anderem, weil er es beharrlich vermied, das Tier unter Kontrolle zu halten. Mittlerweile lebt der Hund nicht mehr.

An besagtem Augustabend war er noch sehr lebendig und hatte es vor dem Bergkamener Kiosk auf das Bein von Florian K. abgesehen. Er schnappte zu; das Bein begann zu bluten. K. wiederum war eh wegen privater Probleme in mieser Stimmung, angetrunken - Resultat eines Alkoholtests: 1,5 Promille - und womöglich auch noch unter Einfluss von Drogen. Nach dem Hundebiss wurde er verständlicherweise pampig und laut. DerKioskbetreiber bat ihn, leise zu sein, es drohe sonst Ärger mit den Ordnungsbehörden. Laut Ergebnis der Beweisaufnahme beantwortete Florian K. die Bitte mit einem Kopfstoß gegen die Nase des Mannes, gefolgt von etlichen Schlägen und Tritten. Das Opfer flüchtete in den Kiosk; ein hilfreicher Spaziergänger schob drinnen eine Kühltruhe vor die Tür, damit Florian K. draußen bliebe, und verständigte Polizei und Rettungsdienst. Im Kamener Krankenhaus wurden eine Nasenbeinprellung, eine Beckenprellung und Abschürfungen attestiert.

Florian K. sagte dem Richter, er könne sich nicht an den Ablauf damals erinnern. Was ihm vorgeworfen werde, sei nicht seine Art - sein Vorstrafenregister ist leer -, abstreiten wolle er die brutale Attacke aber auch nicht. Bei dem Kioskbetreiber entschuldigte er sich.

Und das Urteil nahm er am Ende an. Es lautet: Zehn Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung, sowie eine Zahlung von 2.000 Euro an die Justizkasse als Buße. Vor allem der Kopfstoß sei "brandgefährlich" gewesen, hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärt. "Für so 'ne Sache muss man eigentlich einfahren."

"Avanti" 100 € aus der Kasse geklaut: Geldstrafe

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amtsgerichtKamen AMvon Andreas Milk

Kamen. Kurz nach Mitternacht an einem Tag im Oktober vorigen Jahres bekam Adil M. (Name geändert) Appetit. Zusammen mit zwei anderen jungen Männern hatte er einiges getrunken - ein Atemtest später bei der Kamener Polizei ergab etwa 1,3 Promille -, jetzt sollte es noch etwas feste Nahrung sein. Also landete das Trio im Imbiss "Avanti" an der Weststraße. Der Mitarbeiter dort war mal rasch auf der Toilette. Adil M. langte unterdessen in die Kasse. Die Beute: rund 100 Euro.

So war es in der Anklage zu lesen, und so gab es M. nun auch in der Verhandlung vor dem Amtsgericht zu. Was ihn seinerzeit getrieben habe, wisse er nicht. Wegen des Alkohols fehle ihm die konkrete Erinnerung. Die Beweise wogen schwer. Eine Kameraaufnahme zeigt den Griff in die Kasse; die Polizei fand bei M. einige 10-Euro-Scheine, die er wohl aus einem Fach der Kassenschublade zusammengerafft haben muss.

Weil sein Vorstrafenregister leer ist, blieb es bei einer vergleichsweise geringen Geldstrafe: 90 Tagessätze à 10 Euro soll der arbeitslose Adil M. zahlen. Kriegt er das nicht hin, kann er eine Umwandlung der Strafe in gemeinnützige Arbeit beantragen - andernfalls droht Gefängnis. M. nahm das Urteil an.

Brieftasche vom Rollator gefischt: Haft auf Bewährung für Diebin

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gerichtsberichte

amtsgericht19KWvon Andreas Milk

Kamen. Die drei Opfer waren Frauen um die 80 Jahre. Plötzlich waren ihre Portemonnaies weg - und in zwei der drei Fälle fehlte etwas später auch Geld vom Girokonto. Denn in den Brieftaschen hatten sich die EC-Karten samt PIN befunden. Mariana T. (29, Name geändert) wurde jetzt vor dem Kamener Amtsgericht wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Diebstahls und Computerbetrugs zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Eine Komplizin wird ebenfalls strafrechtlich verfolgt.

So schäbig die Taten auch gewesen sein mögen: Dass Mariana T. dazu gestanden habe, sei bemerkenswert, erklärte der Richter. Ohne drum herum zu reden, hatte T. die Vorwürfe aus der Anklageschrift bestätigt. Zwei Jahre ist das alles her. Seitdem war nichts mehr; es gibt auch keine Vorstrafen. Glaubhaft versicherte Mariana T., die Sache tue ihr leid, sie habe sich in etwas hineinziehen lassen. Auch zweieinhalb Wochen Untersuchungshaft samt anschließender strenger Meldeauflage - drei Mal pro Woche zur Polizei - hatten wohl Wirkung auf sie.

In Coesfeld, in Olfen sowie in Bergkamen bei Lidl an der Jahnstraße hatten die Diebinnen im Dezember 2020 und Januar 2021 zugegriffen. Bei Lidl hatte eine Seniorin das Portemonnaie auf ihren Rollator gelegt. Kurz darauf lag es in einem Regal des Getränkemarktes nebenan. Ein Video der dortigen Überwachungskamera zeigt das Täterinnen-Duo. Zu sehen ist, wie das - geplünderte - Portemonnaie im Vorbeigehen im Regal entsorgt wird.

Unterm Strich richteten die Diebinnen einen Schaden von knapp 3.300 Euro an. Dieser Betrag "unterliegt der Einziehung" - heißt: Die Staatsanwaltschaft wird den Versuch machen, das Geld bei den verurteilten Frauen einzutreiben. Mariana T. will bald in ihre Heimat Bulgarien zurückkehren. Der Schaden dürfte bis dahin eher nicht mehr ausgeglichen werden.

Ihre Verteidigerin ist sicher, die Zeit in der U-Haft sei ihrer Mandantin eine Lehre gewesen. Die Juristin sagt: Alte Leute werden weniger wegen ihrer - tatsächlichen oder vermeintlichen - Hilflosigkeit Opfer solcher Taten. Vielmehr vermuteten Täterinnen und Täter zu Recht, dass Senioren weit öfter als Jüngere die PIN zusammen mit der EC-Karte aufbewahren. Trauriger Klassiker: eine PIN, die mit dem Edding auf der Karte notiert worden sei.

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