"Bielefeld" taugt nicht mal zum Schwarzfahren

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Kamen. Laut einem Running Gag existiert Bielefeld überhaupt nicht. In einem Prozess am Amtsgericht brachte die ostwestfälische (Nicht-) Stadt einen Schwarzfahrer in Erklärungsnot. Der 46-Jährige hatte sich Ende 2016 im Kamener Bahnhof an eine Studentin gehängt - angeblich in dem Glauben, deren Ticket erlaube die Mitnahme eines weiteren Fahrgastes: "Ich hab' mich auf die Frau verlassen." Aber denkste. Im Regionalexpress nach Essen tauchte ein Schaffner auf. Er beanstandete, das Ticket - eines von der Uni Bielefeld - schließe die Mitnahme aus.

Vor Gericht hatte der 46-Jährige einen schweren Stand. Sein Argument, nahezu alle Studenten dürften zu bestimmten Zeiten kostenlos Begleitung mitnehmen, zog nicht: Die Referendarin der Staatsanwaltschaft sagte, vor kurzem habe sie selbst noch studiert - darum wisse sie: Der "Mitnahme-Effekt" sei die Ausnahme, nicht die Regel. Der Richter wiederum vermutete, dass der Angeklagte wohl so oder so vorhatte, schwarz zu fahren. Denn die vermeintliche Gratis-Mitfahrt arrangierte er erst, nachdem ihn die Studentin am Bahnsteig nach Feuer für ihre Zigarette gefragt hatte. Zu diesem Zeitpunkt hätte er längst selbst ein Ticket gekauft haben müssen - falls er das denn wollte.

Gegen ihn sprach auch ein Vorstrafenregister mit knapp 30 Eintragungen. "Beförderungserschleichung" war dabei noch das Harmloseste. Auch Raub und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz stehen drin, daneben das Einführen von Propagandamaterial verfassungswidriger Organisationen. Vier Bewährungen aus früheren Verurteilungen laufen. Für die Kamener Schwarzfahrt verhängte der Richter zwei Monate Haft - diesmal ohne Bewährungschance.

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Pizza Hut beklaut: Haft für Ex-Mitarbeiter

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Kamen. Ein entlassener Mitarbeiter von Pizza Hut im Kamen Karree kehrte an seinen Arbeitsplatz zurück, um den Tresor auszuräumen - da ist sich Amtsrichter Martin Klopsch sicher. Er verurteilte den 27-jährigen Restaurantfachmann zu acht Monaten Haft. Exakt 2.005,47 Euro betrug die Beute in der Nacht zum 17. Juli vorigen Jahres.

Moritz F. (alle Namen geändert) hatte wenige Tage vorher die Kündigung bekommen. Am Abend vorm Verschwinden des Geldes hatte Area Coach (auf gut Deutsch: Bezirksleiterin) Birgit M. Spätschicht; gleich am nächsten Morgen war sie in der Frühschicht. Und da fehlte dann das Geld, das sie abends in die Tresorklappe geworfen hatte. Diese Klappe funktioniert wohl ähnlich wie die Schublade an einem Kleidercontainer: Es lässt sich mühelos was reinschmeißen - aber, sofern kein Schlüssel da ist, nur unter großem Aufwand was herausholen. Welchen Aufwand Moritz F. betreiben musste, bleibt die Frage. Fest steht aber: Er besaß noch den Zugangscode, um überhaupt erst mal ins Büro mit dem Tresor zu gelangen. Diesen Code hatten außer ihm drei Personen: zwei Frauen sowie ein Mann mit ganz anderer Statur. Bilder der Überwachungskamera aus der Tatnacht zeigen einen Mann. Birgit M. sagt: Das ist Moritz F.

Dessen Verteidiger erklärte: Nichts sei zu erkennen außer Hose und hellen Schuhen des kriminellen nächtlichen Gastes. Viel zu schlecht seien die Aufnahmen. Und: Wer sage eigentlich, dass das Geld tatsächlich ordnungsgemäß im Tresor lag? Ein wenig dezenter Hinweis des Anwalts darauf, dass womöglich Birgit M. getrickst habe.

Dem widersprach Richter Klopsch entschieden. Wäre an der kühnen These etwas dran, hätte die Frau ja einen Komplizen engagieren müssen, der mitten in der Nacht vor der Überwachungskamera herumturnt, um so den Verdacht auf den frisch gefeuerten Moritz F. zu lenken. "Ich bin von Ihrer Täterschaft überzeugt", sagte Klopsch in seiner Urteilsbegründung zum Angeklagten. Der hat ein üppiges Vorstrafenregister - es ging schon um Diebstahl, Computerbetrug, Einbrüche. Und der Termin in Sachen Pizza Hut war nicht der letzte: Bei der Staatsanwaltschaft liegt schon eine weitere umfangreiche Akte.

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Missglückte Weiberfastnacht im "opera": Geldstrafe für kaputtes Bein

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Kamen. "Wir hatten viel Spaß an dem Abend", erinnert sich die 25-jährige Julia H. (alle Namen geändert) aus Bergkamen an Weiberfastnacht 2017 im "opera". Die Stimmung war gewohnt großartig - bis gegen 1.30 Uhr ein folgenschwerer Unfall passierte. Julia H. erlitt Brüche des Schienbeins und des Wadenbeins. Der Kamener Patrick M. (27) bekam eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung. Verhandelt wurde darüber heute vor dem Amtsgericht.

Mit ein paar Freundinnen war Julia H. zum Feiern in das Szenelokal an der Kamener Nordstraße gegangen. Später in der Nacht nahm sie mit einem Bekannten in dem Sitzrondell neben der Theke Platz. Dieses Rondell lässt sich karussellartig in Schwung versetzen - genau das tat Patrick M. Die unbeabsichtigte Folge: Julia H.s Bein verkeilte sich zwischen dem rotierenden Rondell und einem Kantholz an der Theke. Sanitäter rückten an, Julia H. verbrachte eine Woche im Krankenhaus, unterzog sich einer ersten Operation, musste an Krücken gehen. Zwei weitere Operationen folgten; es werden noch nicht die letzten gewesen sein. Die ehemals aktive Handballerin kann nicht einmal mehr joggen. "Es gibt keine Woche ohne Schmerzen", erzählte sie im Gericht. Mehrmals kamen ihr in der Verhandlung gegen Patrick M. die Tränen. Besonders unglücklich war der Zeitpunkt des Unfalls: Für die junge Bergkamenerin standen gerade Prüfungen zur Betriebswirtin an. Mit Hilfe von Freunden, Kollegen und Familie habe sie die Lage meistern können.

Patrick M. sagte heute im Gerichtssaal erst einmal nichts - sein gutes Recht als Angeklagter. Aussagen, die ihn entlastet hätten, gab es nicht. Julia H. ist sicher: Er war es, der das Rondell in Bewegung versetzte - und auch nicht aufhörte, als sie darum bat. Eine Kollegin von Julia H. hatte nach dem Abend übers Internet Kontakt zu Patrick M.; in dem Chat räumte er seine Schuld ein und sprach davon, sich entschuldigen zu wollen. Vor Gericht stellte nun sein Verteidiger den Antrag, ein physikalisches Gutachten einzuholen: Es werde zeigen, dass die Rondell-Bewegung nicht reiche, das Bein eines sitzenden Gastes nach außen zu drücken. Richter Martin Klopsch wies den Antrag ab: Selbst wenn erst eine Fluchtbewegung von Julia H. den Unfall unmittelbar ausgelöst hätte, bliebe immer noch Patrick M. der Verursacher.

Das Urteil: Zeitsoldat Patrick M. soll, seinem Einkommen angemessen, eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 70 Euro zahlen - 8.400 Euro also. Er hat eine Woche Zeit, Berufung einzulegen. Erst in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung hatte er eine Entschuldigung an Julia H. herausgebracht. Sie versucht, Schadensersatz und Schmerzensgeld per Zivilverfahren einzuklagen.

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Unser Vorschlag: ein Ikea-Dezernat

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Kamen. Ob die Staatsanwaltschaft Dortmund wohl bald über ein eigenes Ikea-Dezernat nachdenkt? Möglich wär's. Wieder mal geht es in einem Prozess vor dem Kamener Amtsgericht um den "Tatort Selbstscanner-Kasse" im Möbelhaus am Kamen Karree. Zwei Frauen aus Bielefeld und Bönen sind angeklagt. Der Vorwurf: Im Februar 2017 sollen sie vier Teppiche im Gesamtwert von 456 Euro zum Schnäppchenpreis von 7,96 Euro erstanden haben - einfach, indem sie die Barcodes austauschten. Die Kasse zeigte beim Einscannen jeweils 1,99 Euro an.

Kleine Rückblende: Im April 2017 wurde ein junges Paar in Kamen wegen frisierter Ikea-Barcodes verurteilt; im September 2016 stand ein junger Mann vor Gericht, der seine Ware nur teilweise eingescannt hatte. Und dazwischen - Anfang 2017 - sollte die damalige Möbelhaus-Chefin Dinah Rudack als Zeugin gegen einen (Ex-) Mitarbeiter aussagen. Auch der, so die Anklage damals, habe zum eigenen Vorteil an Preisschildern rumgefummelt. Rudack konnte ohne Aussage wieder gehen - der Angeklagte hatte sich ins Ausland abgesetzt.

Nun also die beiden Frauen mit den vier Teppichen. Beim Termin am Freitag bestritten sie jede Diebstahlsabsicht. Vielmehr habe die Kasse Kapriolen gemacht und die Geldkarte wieder ausgespuckt. Irgendwas sei da wohl schief gegangen - sie selbst hätten sich aber nichts vorzuwerfen.

Amtsrichter Martin Klopsch hatte keine Ikea-Mitarbeiter als Zeugen geladen. Denn er habe mit Geständnissen gerechnet, erklärte er. Weil es die nicht gab, wird der Fall Ende April noch einmal verhandelt. Ein Video aus der Überwachungskamera soll dann gezeigt werden. Außerdem will Klopsch - wie schon in dem Prozess vor einem Jahr - Dinah Rudack vorladen. Inzwischen ist sie nicht mehr Chefin von Ikea in Kamen; sie wechselte vor kurzem nach Rotterdam.

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Fahrradklau am Krankenhaus: Hilfe für die Polizei

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Kamen. Die Polizei, dein Freund und Helfer - aber warum nicht umgekehrt mal der Polizei helfen? Ein Mann aus Hamm tat's und ermittelte drauf los. Das Ergebnis: ein Strafverfahren gegen einen mutmaßlichen Fahrraddieb. Der wurde jetzt vor dem Kamener Amtsgericht verurteilt.

Der Reihe nach: Im Oktober 2016 wurde einer Pflegerin des Kamener Krankenhauses während der Nachtschicht ihr schickes, weißes Pegasus-Rad geklaut, erworben von ihrem Mann, Kaufpreis rund 500 Euro, ursprünglicher Preis sogar noch höher. Genau dieses Rad erstand einige Zeit später der Mann aus Hamm für 50 Euro bei Ebay; von dem Diebstahl wusste er nichts. Als er das Rad mit Gewinn weiterverkaufen wollte und seinerseits inserierte, meldete sich ein Mann bei ihm, der erklärte, dieses Rad gehöre ihm. Der Hammer reagierte richtig: Er schaltete die Polizei ein, lieferte das Rad bei den Beamten ab, schrieb seine 50 Euro in den Wind und den gewinnbringenden Weiterverkauf sowieso. Und: Er hielt im Internet die Augen offen. Es dauerte eine Weile, da stieß er bei Ebay auf eine Annonce, die im Wortlaut stark an die Pegasus-Anzeige erinnerte. Zum Schein zeigte er Interesse. An einer Tankstelle sollte die Übergabe sein. Der Hammer informierte darüber die Polizei.

Und die schnappte sich den 23-jährigen Marvin T. (Name geändert), mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahls und Unterschlagung. Er habe "sehr viel Scheiße gebaut" im Leben, gab er im Gerichtssaal zu - aber diese nicht: Mit der ganzen Geschichte habe er nichts zu tun. "Ich glaub' Ihnen nix", erwiderte der Richter. Das Urteil: fünf Monate Haft auf Bewährung, dazu eine Wiedergutmachung von 200 Euro für den betrogenen Fahrradkäufer aus Hamm. Neben Betrug hat sich Marvin T. nach Überzeugung des Richters entweder des Diebstahls oder der Hehlerei schuldig gemacht - denn entweder habe er das Rad am Krankenhaus selbst gestohlen, oder er habe es vom Dieb bekommen und wissen müssen, dass damit etwas faul war.

Besagtes Rad übrigens ist 2017 schon wieder gestohlen - und aufs neue wiedergefunden worden. Der Mann der Krankenpflegerin fand es auf dem Parkdeck vom Kamen Quadrat, wenige Meter vom Krankenhaus entfernt.

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