Gedicht der Woche: Von dem Boten, der sich verirrte

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregionale Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

Gedicht der Woche: Von dem Boten, der sich verirrte

Ein Bote ritt mit seinem Gaul,
er war in höchster Eile.
Der Bote hieß mit Namen Paul.
Er ritt schon eine Weile.

Der Gaul war schon erschöpft und schlapp,
erschöpft war auch der Reiter
denn Paul, der kam vom Wege ab
und wusste nicht mehr weiter.

In einem dunklen Fichten-Wald
verlor er seine Fährte.
Es wurde dunkel, bitterkalt,
was alles noch erschwerte.

So irrte er im Kreis umher,
bis in den frühen Morgen.
Die Fährte fand er nimmer mehr,
sein Gaul ist dann gestorben.

Da stand er nun: Der arme Paul,
der ärmste aller Boten!
Zwar hatte Paul noch einen Gaul,
doch leider: einen toten!

Die Botschaft trug er noch am Mann,
sie kam nie zum Empfänger.
Der Gaul fing zu verwesen an
und roch dann etwas strenger.

Der Paul lebt heute noch im Wald,
inmitten hoher Fichten.
Er fand nie raus; heut’ ist er alt.
Ich hör‘ jetzt auf mit Dichten!

Volker Rost

Gedicht der Woche: Ich bin entspannt

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregionale Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

Ich bin entspannt

Ich bin entspannt,
meistens,
irgendwie
Zweitweise extremst verkannt
Verstanden nie

Na und
Gäbe es eine Würdigkeit
Einen wahren Grund
Für geistige Zweisamkeit

Ich riefe
Ein Jubel, Gloria
Ich schrie
Danke, da ist er ja

Aber ich bin entspannt
Male ein Bild von mir
Schenke es dir
Und sehe
Du hast darauf nichts erkannt

Na und
Gibt es einen Grund
Mich weniger zu wollen
Dich mit mir
Durchs Leben zu tollen
Alles zu geben
Und war es doch dein bestreben
Du hast mich nie gekannt

Na und, ich bin entspannt.

Bilitis Naujoks

 

Aus dem echten Leben: Neues Buch von Bernhard Büscher

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

Buescher Mauern920CVAus dem echten Leben stammen die Gedichte, die Bernhard Büscher (l.) für sein neues Buch „Mauern im Kopf“ gesammelt hat. Verleger Magnus See hat das Werk jetzt veröffentlicht. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de

von Christoph Volkmer

Kamen. Vor zwei Jahren ermutigte der Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann den ehemaligen Kamener Bezirksbeamten Bernhard Büscher, seine im Laufe der Jahre entstandenen Gedichte zu veröffentlichen. Das dazugehörige Werk erschien vor einem Jahr. Nun gibt es das zweite Buch, in das der Kamener Begegnungen, Erinnerungen und Beobachtungen in lyrischer Form gepackt hat.

Erneut spielt dabei Heinrich Peuckmann eine Rolle. Dieser war es, der den Kontakt zwischen dem ehemaligen Polizeibeamten und Magnus See, dem Geschäftsführer des in Werne beheimateten Ventura Verlags herstellte. Der Verlag ist Verlagspartner für das regionale Krimifestival „Blutige Lippe“, für das Peuckmann bereits Geschichten beisteuerte. „Der hat zu mir gesagt, dass er einen Kumpel hat, der Lyrik schreibt“, erinnert sich Magnus See. Damit hatte er bisher mit seinem belletristischen Kleinverlag allerdings weniger positive Erfahrungen gesammelt. „Lyrik verkauft sich wirklich nicht gut. Daher wollte sich da eigentlich die Finger von lassen“, gesteht der Verleger.

Doch als er einen Blick auf die Texte warf, änderte er seine Meinung. „Das ist nichts Hochgestochenes, sondern gute, authentische Alltagslyrik. Dazu haben mich auch die Themen um Liebe, Heimat und Freundschaft angesprochen, weil das Ganze zum Nachdenken anregt und man sich darin wiederfinden kann“. Nach der ersten persönlichen Begegnung war dem Verleger schnell klar, dass Bernhard Büscher, nicht nur authentisch schreibt, sondern ein ebenso ein authentischer Typ ist. „Da hat alles zusammen gepasst“, stellt Magnus See fest.

Für den Autoren selbst ist der neue Gedichtband „Mauern im Kopf“ der konsequente Nachfolger für das Erstlingswerk „Keiner von uns“. „Alles resultiert aus Begegnungen mit Menschen und hat oft eng mit deren Sozialverhalten zu tun“, sagt der 1948 in Kamen geborene Unruhestand-Autor.

Im neuen Werk finden sich unter anderem Erinnerungen an die Zeit als Polizeibeamter. „Ich habe während meiner Dienstzeit viele Menschen näher kennengelernt, weil ich öfter mit ihnen zu tun hatte. Darunter auch Menschen, die von der Gesellschaft ausgesondert worden sind.“ Genau weiß Büscher noch, was er geantwortet hat, als er zum Eintritt in den Ruhestand nach seinen spektakulärsten Erfahrungen in seiner aktiven Zeit gefragt wurde. „Die Alltäglichkeit“, sagt er heute noch voller Überzeugung. Begegnungen mit Flüchtligen hat Büscher ebenfalls auf seine Art beschrieben: „Das sind Menschen, denen das Leben in ihrer Heimat weggenommen worden ist. Und wir machen hier die Zäune höher, weil wir Angst vor denen haben. Das sind alles Dinge, über die ich nachgedacht habe.“

Nicht zuletzt ist im neuen Gedichtsband auch eine Erinnerung an Dirk Ebbinghaus zu finden, der 20 Jahre lang zweiter stellvertretender Bürgermeister der Stadt war und Ende Juli verstorben ist. Regelmäßig hatte ihn Büscher auch während der letzten Phase seines Lebens besucht. „Der Dirk ist und bleibt ein Freund. Auch wenn er nicht mehr hier ist.“

Autor und Verleger sind sich einig, mit „Mauern im Kopf“ den passenden Titel für die Sammlung gefunden zu haben. „Das betrifft auf der einen Seite die Texte, aber auch die Leser, denen dadurch die Mauern im Kopf genommen werden sollen“, bringt es der Verleger auf den Punkt. Mit Bernhard Büscher hat Magnus See übrigens nicht den ersten Kamener Autoren veröffentlicht, denn im Ventura-Verlag sind bereits Werke von Gerd Puls und Klaus Goehrke erschienen.

Die Premiere des neuen Gedichtbands findet am Sonntag beim Kultur-Open Air auf der Bühne am Minigolfpark am Postpark statt. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung, die um 19 Uhr beginnt, ist frei.

 

Gedicht der Woche: Schmetterlinge

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregionale Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

Schmetterlinge

im garten
meines großvaters
die wasserläufer auf dem kleinen kanal
die schmetterlinge
admiräle und schillerfalter
pfauenaugen und landkärtchen
blütenreisende
raupen und tausendfüssler
schaffenwesen
wespen nagen am holz der laube
bienen tragen fracht
unterm himmel schwalben
spatzen auf dem tisch mit dem kuchen
meisen in den bäumen
als ob man sich erinnerte an
dampfgetriebene schuten
oder den lumpensammler mit
seiner schottschen karre
verweht der rauch
der schiffe der lumpensammler
fort geschoben
die schmetterlinge vergiftet
die bienen verreckt
den tausendfüsslern die beine gebrochen
die wespen partisanen nur
der himmel lebensleer
die spatzen die meisen verflogen
der garten unterm hochhaus begraben
quitten will ich mir kaufen
brot aus ihnen machen

 

von Leander Sukov

 

Gedicht der Woche: rückwirkend betrachtet

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregionale Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

rückwirkend betrachtet

war doch jeder tag
muttas tag

einkaufen putzen kochen
nähen bügeln

ihre sonne war immer von
gewaschener wäsche verhangen

vatta immer auf wechselschicht
zwischen grube und kneipe

viel zu oft hatte ihrer beider liebe
schweigepflicht

die enge mietskaserne
krakelende kinderschar

armut als allgemeingut
rückwirkend betrachtet

alle
himmelhoch jauchzend
zu tode betrübt

 

von Thorsten Trelenberg, Flusspoet

Buchtipp: Der Wind, der die Welt verändert

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puls920Kamener Autoren in neuem Buch - Gerd Puls als Herausgeber

Kamen. Gefördert vom Kreis Unna und herausgegeben von Gerd Puls enthält der Band „Woher weht der Wind, der die Welt verändert“ vierzehn Erzählungen von Autor*en aus Frankreich und dem Ruhrgebiet, darunter mit Klaus Goehrke, Heinrich Peuckmann und Herausgeber Puls gleich drei Kamener. Das Buch dokumentiert zudem eine langjährige deutsch-französische Autorenfreundschaft und das letztes Treffen im Kreis Unna.

Woher weht der Wind, der die Welt verändert? Und: Wohin wird er uns treiben? - „Natürlich sind das grundlegende Fragestellungen, die sich nicht einfach in einem Buch beantworten lassen. Das war auch nicht unsere Absicht. Wir Autoren beobachten Verschiebungen, Verluste und erschreckende Entwicklungen weltweit und zeichnen sie auf. Wir haken nach, hinterfragen und legen Wunden offen.“

Diesen Versuch startet das Buch und stellt eine ganze Reihe Fragen. Zum Beispiel, welche Stürme und Verwerfungen haben das Verschwinden von Arbeit und die neuen Wirtschaftsmächte ausgelöst? Welche Veränderungen brachten und bringen Digitalisierung und Globalisierung, bringen künstliche Intelligenz oder auch üble Hass-Stürme und Cybermobbing in den »sozialen Medien«? Was sind die Auswirkungen von Migration und Integration und eines weltweiten Rechtsrucks? Und schließlich, wie lassen sich Folgen des Klimawandels bewältigen?

„Jeder einzelne steht immer wieder in diesem Wind, egal, woher er kommt und wohin er uns treibt,“ so Gerd Puls. Die 10 Autoren und die Wahl ihrer Themen machen das Buch zu einem lesenswerten und spannenden Zeitdokument, in dem besonders das Ruhrgebiet und der Kreis Unna starke Beachtung finden – und durch die drei beteiligten Autoren eben auch die Stadt Kamen.

Woher weht der Wind, der die Welt verändert. 245 Seiten, 12,--€. Erschienen im Ventura-Verlag, Werne – ISBN 940853-73-8

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