Gedicht der Woche: Viel Zeit

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregionale Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 
Viel Zeit

Viel Zeit, viele

Gedanken. Viele Gespräche

die niemals geführt

was hab ich vergessen

jenem zu sagen, was

vergessen, ihn zu

fragen. Ach, Fragen

auf die es nun

niemals Antwort gibt

Fragen, die trotzdem

bleiben, Antworten, die

mit jenen gegangen

und was ich sagen

wollte, bleibt alles

in mir, immer

unausgesprochen. Auch

die Entschuldigungen. Weg

alles weg. Bleibt es in mir

bleibt es in jenen. Viel

Zeit, viele Gedanken

Führ die Gespräche, die

du noch führen kannst

vergiss das nicht

lern aus der Zeit

 

Heinrich Peuckmann


 

PEN-Treffen im Garten von Heinrich Peuckmann

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

HP622Das Foto zeigt von links: Isabella Stadler und Dr. Jürgen Strasser aus dem PEN-Büro, Astrid Vehstedt, Vizepräsidentin des PEN und verantwortlich für das „Writers-in-Exile“-Programm, Ludmilla Krause vom PEN-Büro, Peuckmann, Kerstin Martini (Projektleiterin des WiE-Programms in Darmstädter Büro) sowie der verfolgte ugandische Schriftsteller Kakwenza.

Kamen. Dreieinhalb Jahre war der Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann Generalsekretär des Deutschen PEN bis zu seinem Rücktritt bei der Jahrestagung in Gotha, um den Weg frei zu machen für einen Neuanfang, obwohl er vorher mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt wurde.

Peuckmann hat in diesen Jahren viele Spuren hinterlassen, nicht zuletzt auch in seiner Heimatstadt Kamen. Der deutsche Pen verwaltet, einmalig in der Welt, ein großes Programm „Writers-in-Exile“. Zwölf verfolgte Schriftsteller aus aller Welt werden durch dieses Programm versorgt, sie erhalten eine Wohnung und ein monatliches Stipendium.

Zwei dieser Wohnungen befinden sich nun durch Peuckmanns Vermittlung in Kamen, eine syrische und eine sudanische Schriftstellerin wohnen zurzeit in dieser Stadt und werden betreut durch die Mitarbeiter des Darmstädter Büros, in Kamen durch Peuckmanns Freund, den Lyriker Bernhard Büscher.

Am Wochenende trafen sich nun alle, die mit „Writers-in-Exile“ zu tun haben, zu einem Abschiedstreffen in Peuckmanns Garten. Ein bisschen Wehmut, vor allem aber Stolz über das Erreichte lag über diesem Treffen. Sie genossen den Tag bei schönstem Wetter, bei gutem Essen und natürlich auch bei einem guten Schluck Wein.

Als man sich am Sonntag nach einem gemeinsamen Frühstück trennte, war dies für Peuckmann das Ende einer ebenso spannenden wie anstrengenden, vor allem aber erfolgreichen Phase seines Lebens. Ganz wird sie aber trotzdem nicht zu Ende sein, denn natürlich bleibt Peuckmann dem PEN und den Mitarbeitern des Büros verbunden. Vor allem aber werden die beiden Wohnungen für verfolgte Schriftsteller in Kamen erhalten bleiben, so dass es immer etwas zu tun gibt.

Gedicht der Woche: Als ich ein Kind

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Das Vorwort
 
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Als ich ein Kind

Als ich ein Kind
vergaß ich mich.
Nun leuchtet mir die Erinnerung.
Wenn der Mond scheint
sprechen die Sterne.

Ich erkunde die verborgensten Winkel
der Milchstraße.
Von fern glüht der Mars.

Vorbei an der Wega
bringt mich der große Wagen
- einsteigen Galopp
die Leier lockt zirpend -
am Polarstern vorbei
zum Palast der Schneekönigin.

Hans Christian Andersen läßt die Lüster tanzen
das All schmilzt
der Kamin flackert und lodert.
Was für ein Licht
seufze ich
und führe meinen Poeten nachhause.

Vera Botterbusch


 

Gedicht der Woche: mülltrunken

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Das Vorwort
 
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mülltrunken

kehren die feger ins depot zurück

heimgekehrt von täglich großer fahrt
kriechen ihre klebrigen schatten
durch bürgerliche häuserschluchten

zum wechsel der schicht enden
die ekel über die ausgewürgten reste
dieser welken welt

schaumbadversunken

Thorsten Trelenberg, Flusspoet

 

Gedicht der Woche: Klimawandel

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregionale Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

Klimawandel

Sturm fegt die Sonne den Horizont runter
reißt den Mädchen das Lachen vom Mund
knallt Luxusyachten am Kai kopfunter
kracht Dachstühle in den Straßenschlund

Flut wälzt das Meer über hohe Dämme
wirft Deichkronen auf den Verkehr
bricht Kirchtürme wie dünne Stämme
stößt Omnibusse wie Büchsen umher

Guss platzt herab aus Wolkenmassen
drängt sich durch Uniform Robe Talar
schießt ungebändigt durch die Gassen
schont nicht Kaserne Katheder Altar

Feuer loht in umfriedeten Hainen
facht die Flammen hoch zum Alarm
schleudert Jung wie Alt von den Beinen
fährt in jeden gefiederten Schwarm

Einzig die Liebenden in den Betten
liegen innig und furchtlos vereint
herzen und küssen sich zu erretten
die Liebe vor dem verkannten Feind.

Klaus Goehrke

Gedicht der Woche: Sie fühlten sich stark

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.

Sie fühlten sich stark

Sie fühlten sich stark
den anderen wollten sie nicht sehen
die Meinung des anderen nicht hören
gingen auf Distanz zu ihm
Als er sie störte
bewarfen sie ihn mit Dreck
Er aber erhob sein Wort
durch den Dreck der anderen
verteilte sich sein Wort
was sie nicht hören wollten
erschallte nun von allen Seiten
Der Dreck den sie warfen
kam zurück
und klebte überall an ihnen

Bernhard Büscher


 

 

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