Gedicht der Woche: Geheimnisse

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 
Geheimnisse

Über Wasser kann ich laufen
und eine Sprache sprechen, die ihr nicht sprecht
Süße Geheimnisse haben sich mir offenbart
Singen kann ich
meine Stimme läuft über das Wasser
bis hin zur Nachtigall auf dem Zweig
Der Fisch sah sie als Futter an und nahm sie mit zum Meeresgrund
Der Vogel nahm sie mit zu seinen Kleinen, sie zu füttern mit meinem Geheimnis
Ich laufe weiter
doch trotz all der Sprachen
versteht mich keiner
Umgeben von Eichen und Pinien
erfüllt mich Freude
An mir vorbei fließt der Fluss
und ich flüstere meinen Wunsch:
Wenn ich nur wäre

Das zweite Geheimnis
Ich stach mich in den Finger
aus ihm floss eine rote Rose ...
Die Blume der Liebe! Die Blume des Schmerzes!
Ich weinte und mit mir weinte die Erde
Doch ich versprach ihr
wir würden, wenn wir groß sind
eine andere Blume kaufen

Das dritte Geheimnis
Ich vergrub mein Spielzeug
um einen Ort für die Geheimnisse zu haben
Ich vergrub meine Puppe
und während alle davonliefen
sah ich den Himmel entschwinden
Wir liefen durch Wälder
und auf Schienen
Da sah ich mein Spielzeug
bei einem Kind
Ich bat es: Gib mir meine Puppe
Es antwortete: Sie gehört mir
ich pflückte sie vom Puppenbaum
Sie glich meiner aufs Haar

Das vierte Geheimnis
Die Schwalbe
sinkt herab und steigt erneut in den Himmel
Wir bauten uns ein Spiel
schichteten Steine zu Stapeln
und warfen Stöckchen zwischen sie
Nie gelang es mir zu treffen
doch immer, wenn ich die Hände ausstreckte
fing mich eine Schwalbe ein
trug mich zum Himmel, seine Farben aufzulesen
und brachte mich zurück
Die Farben wurden zu einem Zauberstab
doch keiner glaubte mir
dass immer, wenn ich die Hand öffnete
ein Regenbogen aus ihr stieg

Das fünfte Geheimnis
Gib mir deine Füße
und nimm meine Schuhe
Mein Leben rollte davon
Ich lief ihm hinterher
Bückte mich, es aufzuheben
Wie ein halber Baum, der sich standhaft hielt
bete ich für die, die einst in meinem Schatten saßen
Meines Körpers Rest ist eine Wolke
die den Weg mir weist
wie die Fäden einer Spinne
Wie ein Sonnenfenster
esse ich die Zeit auf
und hänge die Fragen als Fragezeichen
an meine Ohren
In einer anderen Welt
in der es nichts Böses gibt
kümmere ich mich um meine Seele
Vergiss nicht, meinen Leichnam zu hüten

Das letzte Geheimnis
Die Wahrheit wird mit dir sterben
und von dir wird nichts übrigbleiben als ein Buch
An jedem Bahnhof lassen wir eine Tasche zurück
in der ein Baum ist
ein Stück Himmel und ein Stück Erde
dann
kaufen wir Strümpfe und eine Uhr mit der neuen Zeit
Das Land, das in unseren Erinnerungen herumlungert
ist geflohen
Noch immer bewahr ich mir mein wildes Haar
geerbt von meinen Ahnen
Mit einem weißen Vogel im Herzen
zittere ich noch immer bei jeder Melodie
als gehörte ich zu jedem Ort
Liebe ist harmonisch
und die Musik flirtet mit dem Tanz
Das Geheimnis:
Ich übe der Musik mein Dasein ein

Kholoud Charaf

Etwas über Beuys und meinen Vater

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

von Gerd Puls

Schwierige Sache, finde ich, das mit dem Beuys.

Foto: Gerd PulsGerd PulsInterpretationsspielraum reichlich, Eindeutiges, zum Glück, ziemlich wenig. Schließlich handelt es sich um Kunst. Schwierige Sache, das merkte schon Bruder Johannes, Wissenschaftsminister anno dazumal, als Politiker, fast ausnahmslos Männer, stets stocksteif im graumäusigen, konservativ-bürgerlichen, oder hochherrschaftlich gediegenen Habitus am Rednerpult standen, noch steifer durch die Gegend stolzierten als heutzutage, noch gestelzter daherredeten und ihre Phrasen und Worthülsen absonderten als heute, 50 Jahre später.

Bruder Johannes kam aus dem Bergischen, hatte es nicht leicht mit dem aufmüpfigen Kunstprofessor vom Niederrhein, geboren in Krefeld, wobei der Joseph doch viel lieber in Kleve zur Welt gekommen wäre, warum auch immer. Am 12. Mai vor hundert Jahren, 1921 war das, mein Vater Heinz wurde ein Jahr später in Westfalen geboren, was erst mal nicht besser, aber auch nicht schlechter war.

Kindheit und Jugend für beide, für Joseph und Heinz, bestimmt keine Idylle. Hineingeboren in eine Zeit, geborgen im Schoß ihrer Familien, das vielleicht. Zugleich bestohlen, ihrer Kindheit, ihrer Jugend beraubt, eingefangen und vereinnahmt vom Nationalsozialismus, für dessen Hitlerjugend sie dann, zehn, zwölf Jahre später, genau das richtige Alter hatten. Zehn oder fünfzehn Jahre alte Jungen, die bis dahin kaum etwas anderes kannten. Strenge in Elternhaus und Schule, vielleicht etwas Religion, vor allem aber Parolen und Einvernahme, verbunden mit Drill und Stumpfsinn an Orten, an denen es eigentlich um Entwicklung, Reife, Bildung gehen sollte, um Menschlichkeit, Geborgenheit, Sicherheit, auch Perspektive. Doch vielleicht fanden sie all das dann genau dort, in den dumpfen Parolen, bei den ritualisierten Zusammenkünften der Pimpfe, auf dem kalten Appellplatz, in den stickigen Stuben der Hitlerjugend, in jener trüben, großsprecherisch-großkotzigen Zeit, und die jungen Kerle waren geblendet, begeistert, gefangen, vereinnahmt, locker einkassiert. Und dann, kaum erwachsen, immer noch so verdammt jung: alles verloren. Ewige Hitlerjungen konntet ihr bleiben, so oder so.

»Erwachsen« war man damals viel früher als heutzutage. Den Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen, endlich auf eigenen Füßen stehen, was so die Argumente waren. Das mit dem Erwachsenwerden war meist nur die halbe Wahrheit, schön dahergeredet, nur eine Floskel, irgendwie falsch, verlogen, von außen bestimmt.

Schwierige Sache, das mit dem Beuys.

Die Verhältnisse eben. Damals so, heute eben anders, ließe sich resignierend sagen. Die Verhältnisse eben, die Jungen wie Joseph Beuys oder meinen Vater dann »auf eigenen Füßen« nach Polen und Russland brachten, nach Norwegen, Griechenland oder Nordafrika. Wehrmachtssoldaten, junge Kerle meist, ob sie nun »felsenfest« ans faschistische Großdeutschland glaubten und dafür kämpften oder nur »mitliefen« und dabei manchmal, selten, vielleicht gar zweifelten. Auch das soll es ja gegeben haben, und mein Vater, wenn überhaupt, war vielleicht auch ein »Mitläufer«, vielleicht, weil er nichts anderes kannte. Schwierige Sache. Mein Vater ist nie gern „mitgelaufen“, ist den Zusammenkünften lieber ferngeblieben. Das ist verbürgt, nicht bloß, weil er seinen Ausweis zerknüllte.

Bei Joseph Beuys muss es doch ganz ähnlich gewesen sein, sein Alter, seine Herkunft. Der junge Mann, der Funker und Bordschütze in Hitlers Bomber, der Sewastopol bombardierte und auf dem Rückflug in schlechtes Wetter geriet. Kein schönes, aber ein treffendes Bild, finde ich, das mit dem schlechten Wetter auf dem Rückflug. Das hatte sich doch schon vor Stalingrad längst abgezeichnet, das es umschlagen würde, und es ereilte die Deutschen Landser dann bald an allen Fronten, bei jeder Wetterlage, ob in Nord und Süd, West oder Ost. Glück gehabt schon, wenn es nicht Stalingrad war, wenn man überlebte und die Gefangenschaft nicht von langer Dauer.

Mein Vater war im Norden. Norwegen, Finnland, russische Grenze, Tromsö, Lofoten, Erzhafen Narvik. Strategische Punkte, wie fast jeder Flecken, wenn es nach Hitler und den deutschen Offizieren ging. Stecknadeln auf der Karte. Ein toter Soldat im Schnee, Polarlichter über eisigen Birken, kriechenden Kiefern, Kameradschaft, Holzhütte mit selbstgebauter Sauna. Legenden lassen sich aus allem stricken. Verbrannte Erde auf dem Rückzug. 

Nach dem Krieg hattest du eine Zeit lang Depressionen, Joseph. Wo sollte das hinführen mit dem traurigen, hageren jungen Mann und seiner Kunst? Ganz guter Zeichner. Leben von der Hand im Mund. Deinem Absturz hast du jedenfalls Bedeutung beigemessen und ihn nicht nur einmal mit eingebaut in deine Kunst.

Jeder Mensch ein Künstler. Ich stimme zu. Die Kunst meines Vaters bestand auch darin, dass er an Wochenenden und Feiertagen Zusatzschichten auf der Zeche fuhr, damit die kleine Familie ihr Auskommen hatte, die junge Frau endlich ihr schickes neues Kleid bekam. Auch mein Vater hatte Beklemmungen, hatte Ängste. Wenn er an den toten Russen dachte, an die verbrannte Erde auf dem Rückzug. Als alles doch längst vorüber war und vorbei, und man es am besten rasch wieder vergessen sollte. Manchmal raste dann sein Herz, fehlte ihm die Luft zum Atmen.

Das Erlebte verarbeiten, bewältigen die schlimme Zeit, die Gräuel verdrängen. Mit Starrsinn, Sturheit, Alkohol, mit Gewalt gegen Frau und Kinder womöglich. Da gab es viele. Beuys und mein Vater zählten nicht dazu. Heinz hat gearbeitet, seine Familie, Frau und Kinder geliebt, hat nicht mal geraucht wie der asketische Mann vom Niederrhein, trotzdem früh gestorben, noch keine Fünfzig.

Mit der Kunst gegen den Herzschmerz, gegen Bedrückung und Bedrängnis. Von der Judenfrage reden wir nicht. Probates Mittel. Was lässt sich groß einwenden gegen die Kunst? Wenn das Materielle bloß stimmen würde. Mal zwei Holzschnitte verkauft für 20 Mark, davon wirst du nicht satt. Finanziell auf wackligen Füßen, die Verlobte sagt Lebewohl, Kriegserlebnisse, die nachwirken, weiterwirken, da wächst sich die Krise rasch zur Depression aus.

Als Beuys endlich die Professorenstelle hat, geht es ihm besser, geht es bergauf. Vieles lässt sich erreichen, bewältigen, geraderücken mit Kunst. Sich von einer Lebenskrise nicht kleinkriegen lassen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, dann wird das schon. Den Leuten lässt sich vieles verkaufen, und manchmal sitzt das Geld auch locker. Unter hunderttausend Mark solltest du das nicht verkaufen, das ist eine Marke, Joseph, verkaufe dich nicht unter Wert. Dann die ganze Ausstellung verkauft auf einen Schlag. Ein einzelner Sammler. Leute mit dem richtigen Riecher, die an einen glauben, das Extreme schätzen.

Seinen Kindern baut er in den Räumen der Akademie einen Holzverschlag zum Spielen, mein Vater baut mit mir eine elektrische Eisenbahn auf einer großen Spanplatte, gemeinsam schrauben wir die Schienen fest, beleuchten den Bahnhof, die kleinen Häuschen. Das geht so durch die Jahre, die Fünfziger, Sechziger: Zu Weihnachten jedes Mal etwas für die Bahn. Heile Welt im Miniaturformat, idyllische Berglandschaft aus Pappmaché. Der rote Schienenbus schleppt sich die steile Strecke hoch, fährt über den Viadukt aus hellbraunen Plastik, die Steine wie echt.

Beuys beim Kaffeetrinken, Kirschkuchenessen im Garten des Kurators, Frau und Kinder adrett gekleidet, gesittet bei Tisch, Blümchendecke, akkurat gefaltete Servietten. Bürgerliche Idylle auch hier, Terrassenplatten aus Waschbeton, wackelige Gartenstühle. So war das in der Zeit, hatten wir auch. Als ich seine Installationen zum ersten Mal sehe, bin ich sprachlos, ratlos, leicht befremdet. Als ich ihm auf der Documenta begegne, bleibe ich schüchtern stehen, fehlen mir die Worte, nicht mehr als freundliche Begrüßung. Was wusste ich von angewandter Demokratie. So wenig wie von seinen Zeichnungen, Installationen, dem theoretischen Unter- und Überbau, dem ganzen Spektakel, dem überhöhten bedeutungsschweren Erklärungsansatz.

Von Anfang an warst du bei den Grünen mit dabei. Nichts dagegen einzuwenden, Joseph. Gut singen kann ich auch nicht, ebenso wenig aber hätte ich deinen Mut gehabt, es dennoch mit Überzeugung zu machen. Einfach so, entsetzlich schlecht. Mit Petra Kelly verstandest du dich gut. Als es mit dem Mandat nicht klappte, warst du enttäuscht. Aber dieser esoterische Firlefanz. Anthroposophen, warum musste es ausgerechnet dieser Steiner sein? Bisschen viel deutsches Wesen. Gegen deutsche 7000 Eichen lässt sich nichts sagen. Bäume bloß, die wachsen, wenn sie denn die längst toten Fichten, all die Buchen und Birken, Erlen und Eschen und diese Heißzeit tatsächlich überleben sollten.

Jeder Mensch ein Künstler, klar: The pack, das Rudel. Hinter einem VW-Bulli ein Dutzend Kinderschlitten, Marke Davos. Damit war ich Schulkind damals doch gerade erst über westfälische Rodelhänge geschrammt. Nein, die Schlittenkufen bei Beuys sind breiter, etwas für Profis, für größere Distanzen. Darauf allerlei merkwürdiges Gerät, Suchscheinwerfer und Filzdecken, akkurat zusammengerollt. Truppenbewegung, Militäraktion, denkst du automatisch, gleichförmig ausgerichtet alles. Schon marschierst du mit Beuys an die Front. Ostwärts, Polen, Russland, durch die Sahara bis Tripolis in kurzen Hosen, oder in dünner Uniform über den Polarkreis. Schneebedeckte Öde hier, gleich taucht ein Rudel Wölfe auf. Die wittern Beute.

Überleben in der Tartarenjurte, die doch nur ein deutsches Feldlazarett ist. Noch einmal davon gekommen, Joseph und Heinz.

Jeder Mensch ein Künstler. Jeder Mensch ein Politiker auch. Nicht nur, wenn es nach Beuys geht. Auch wenn du so unpolitisch bist, wie mein Vater es war oder ich es bin. Im Leben meines Vaters kam Kunst so wenig vor wie Politik. Er hielt sich raus, registrierte, was da in Bonn passierte und was in der Welt geschah. War unbeteiligt, höchstens Konsument und Wähler, mehr nicht. Und doch mittendrin. Immer noch Spielball und Opfer, wenn du so willst.

Jeder Mensch ein Politiker, danach handelte Beuys, so schuf er seine Werke, eng angelehnt an die eigene Biografie, an eigenes Erleben. Jeder Mensch ein Künstler. Jeder Mensch ein Politiker, Beuys lebte danach, lebte es vor. Machte den Mund auf, befremdete, verwirrte. Eckte an, rüttelte auf, rüttelte manchen aus dem Schlaf. Alles so einfach, alles mit einfachen Mitteln, mit ursprünglichen Dingen, die die meisten dennoch nicht verstanden, nicht verstehen wollten.

Jeder Mensch ein Künstler, ein Politiker auch.

Und du fragst dich unwillkürlich, wäre einer wie Beuys in dieser verrückten Zeit nicht wieder wichtig, nicht genau richtig? Oder war dieser Beuys in seiner Radikalität bloß ein Schamane, Scharlatan, Querdenker, Vordenker, Schrägdenker, wie es sie immer schon gab, überall gibt?

Gedicht der Woche: Schreibst du denn? (2014)

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Schreibst du denn? (2014)

Schreibst du denn, zeichnend und kritzelnd,
stumm schreiend und streitend?
Gießt du deine innersten Gefühle
in einen See aus Tränen?!

Dampf und Hitze wabern
hier und jetzt –
die Wahrheit will ans Licht,
die Gerechtigkeit wurde geraubt,
das Mitleid mit Füßen getreten,
und die Liebe schreit vor Schmerz,
wenn die Welt aus den Fugen ist
wenn die Anarchie regiert –
schauderst du vor so viel Qual und Lärm?
Oder hältst du stand, siehst hin, beharrst und schreibst?

Ihre Lüge nennen sie Wahrheit, deine Wahrheit Lug und Trug,
ihren Fanatismus nennen sie Ehre, dein Mut kostet dich das Leben.

Wie also könntest du nicht schreiben,
während du da stehst und alles entschwinden siehst –
natürlich schreibst du. Wie auch nicht!

Also los, schreib und lass es fließen.
Nur, wo ist das Papier?
Schreib es dir in die Seele, verbirg es in deinem Herzen,
dem sichersten aller Tresore,
unerreichbar für den Wind
sicher vor jeder Flut.


(übersetzt von Barbara Krohn
nach der englischen Übersetzung von Ghirmai Negash)

Gedichtzeile von William Butler Yeats über den Ersten Weltkrieg

Über die Schreibanfänge von Max von der Grün in Kamen-Heeren

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

Max von der Grün - Foto: Pendragon Verlag / Jennifer von der Grün / Wikipedia.deMax von der Grün - Foto: Pendragon Verlag / Jennifer von der Grün / Wikipedia.devon Heinrich Peuckmann

Kamen. Anfang April 1951 kam Max von der Grün aus Bayreuth ins Ruhrgebiet. Hintergrund war, dass es hier Arbeit gab und man vor allem im Bergbau viel Geld verdienen konnte. Dass es ihn nach Heeren verschlug, war eher dem Zufall geschuldet. Bei seiner Bewerbung hatte man ihm die Namen verschiedener Zechen vorgelesen, die ihm alle nichts sagten, bis er den Namen Königsborn hörte. „Königsborn“, urteilte von der Grün, „das klang schon besser.“

Auf Zeche Königsborn II/V in Heeren, damals noch eine selbständige Gemeinde, ist er dann als Schlepper angefangen. Zuerst hat er im Ledigenheim gewohnt, dem so genannten „Bullenkloster“. Die harte Arbeit unter Tage war für den 25jährigen von der Grün so anstrengend, dass er sich seine neue Heimat, in der er ursprünglich nur zwei, drei Jahre verbringen wollte, dann aber bis zu seinem Lebensende blieb, in den ersten Wochen gar nicht ansehen konnte. Nach der Arbeit fiel er erschöpft ins Bett, selbst zum Lesen, das er so liebte, fehlte ihm die Kraft. Erst nach drei Wochen, an einem Sonntag, hat er sich aufgemacht, Heeren zu erkunden und sofort sind ihm zwei Menschentypen aufgefallen, die er aus seiner fränkischen Heimat nicht kannte. Da gab es einmal die merkwürdigen Männer, die im Garten oder auf der Straße standen, ausdauernd den Kopf im Nacken hielten und den Himmel absuchten. Gewundert hat er sich, was es denn da so Spannendes zu entdecken gab, bis er es merkte. Die Männer warteten auf ihre Tauben, sie waren Taubenzüchter und hatten einen Teil ihrer „Duven“ zum Wettkampf geschickt. „Auf Reise geschickt“ wie das unter Fachleuten heißt, ein Ausdruck, den von der Grün schnell lernte. Die anderen waren ältere Männer, die in Gruppen, meistens in Lodemänteln gekleidet, durchs Feld liefen, von Hunden umkreist. Das waren die Invaliden, von denen die meisten Steinstaub hatten und denen bei frischer Luft das Atmen leichter fiel. Die „Hustemänner“, wie sie genannt wurden. Noch so ein Ausdruck, den er kennen lernte und später in seiner Literatur verwandte.

Die Arbeit unter Tage war gefährlich, von der Grün hat das hautnah miterlebt, denn zweimal ist er verschüttet worden. Das war zu der Zeit, als er schon zum Hauer aufgestiegen war und beide Unglücksfälle waren Erlebnisse, die sein Leben entscheidend geprägt haben. Er hat sie nämlich dadurch verarbeitet, dass er anfing zu schreiben. Sein erster Roman, geschrieben am Küchentisch seiner Wohnung, denn er war inzwischen verheiratet, entstand als Folge dieser Unfälle und er hat einen schönen Titel: „Männer in zweifacher Nacht“. Männer also, die schon unter Tage in einer Art Nacht waren und dazu in einer zweiten in ihrem Gefängnis hinter herab gestürztem Gestein.

Jetzt machte sich bezahlt, dass er zeitlebens gerne und viel gelesen hat, Stefan Zweig vor allem, den er sehr liebte, aber ein routinierter Autor war er dadurch noch lange nicht. Bei allen möglichen Leuten im Dorf, beim Lehrer, beim  Pfarrer Heinz Georg Weber, dem er später in seiner Erzählung „Am Tresen gehen die Lichter aus“ ein literarisches Denkmal setzte, hat er sich Rat geholt. Und als der Roman fertig war und er einen Verlag suchte, hat ihm jemand den entscheidenden Tipp gegeben. Er solle sich an Fritz Hüser wenden, hat der Ratgeber ihm vorgeschlagen, den Direktor der Dortmunder Stadtbibliothek. Tatsächlich hat Hüser ihm einen Verlag besorgt, den Paulus-Verlag in Recklinghausen. Hüser hat ihm außerdem erzählt, dass er mehrere schreibende Arbeiter kenne, ihre Bücher sammle und gemeinsam sind sie dann auf die Idee gekommen, eine Autorengruppe zu gründen, die „Dortmunder Gruppe 61“, die längst ein Stück bundesrepublikanischer Literaturgeschichte geworden ist. Josef Reding, Günter Wallraff, Angelika Mechtel und Bruno Gluchowski gehörten zum Beispiel dazu. Von Heeren aus, mit Dortmunder Hilfe freilich, erging also ein folgenreicher literarischer Anstoß.

In seiner Zeit als Heerener Bürger hat Max von der Grün noch einen zweiten Roman geschrieben, einen seiner besten, der damals sogar für einen großen Skandal sorgte. „Irrlicht und Feuer“ heißt er und beschäftigt sich mit dem beginnenden Zechensterben und der Kumpanei zwischen Gewerkschaftern und Zechenbaronen. In einem Romankapitel schildert von der Grün dabei die Arbeit eines Kohlenhobels, der neu beim Herausbrechen von Kohle eingesetzt wurde. Und weil die Technik noch nicht ausgereift war, kam es immer wieder zu Unfällen. Einmal, so schildert es von der Grün, reißt die Kette, peitscht durch den Streb und schlägt dem Steiger den Kopf ab. Als dieser Roman im Vorabdruck in einer Illustrierten erschien, klagte die Firma Westfalia Lünen gegen ihn. In der Darstellung glaubte sie, ein Produkt ihrer Firma erkannt zu haben und wollte Schadenersatz in Höhe von etwa 100.000 DM. Eine Summe, die der Bergmann von der Grün niemals hätte aufbringen können. Zuerst versprach ihm die Gewerkschaft Rechtsbeistand, doch als die Verantwortlichen in anderen Kapiteln die Gewerkschaftsschelte von Jürgen Fohrmann entdeckten, ließen sie von der Grün fallen. Ganz allein stand er gegen die Lüner Firma vor dem Gericht in Hamm und wurde frei gesprochen. Gott sei Dank für ihn und auch für die Literatur, denn wer weiß, was andernfalls aus ihm geworden wäre. Aus dieser Zeit blieb bei ihm ein Misstrauen gegen die Gewerkschaft hängen. Sonst als Arbeiter und später als freier Schriftsteller immer ein solidarischer Kämpfer für die Rechte der Lohnabhängigen, ein mustergültiger Gewerkschafter sozusagen, blieb von der Grün der Organisation Gewerkschaft gegenüber immer distanziert. Nicht unverständlich nach so einem Erlebnis.

Der Roman hatte noch eine weitere Folge, denn die Defa, die DDR-Filmgesellschaft, beschloss, ihn zu verfilmen. Der kleine Heerener Bergmann war entsprechend stolz und bat um Sonderurlaub, um sich die Dreharbeiten anzusehen. Aber der wurde ihm nicht gewährt, schon das allein war eine kleine Schikane. Als er dann aber unentschuldigt der Arbeit fern blieb, um doch zu Dreharbeiten zu gehen, wurde es zum Anlass genommen, den unbequemen Kritiker los zu werden. Er bekam die Kündigung und eine andere Arbeit hat er nicht gefunden. So wurde von der Grün zwangsläufig freier Schriftsteller, hatte anfangs die Sorge, ob er wirklich mit seiner Familie vom Schreiben leben könnte und hat es am Ende geschafft. Geholfen hat ihm dabei später sein Bestseller, das Jugendbuch „Die Vorstadtkrokodile“, das er gerne scherzhaft als seine Altersversicherung bezeichnete. In unzähligen Schulen wurde und wird es als Klassenlektüre gelesen. So ist es in seinem Leben zweimal passiert, dass sich aus einer unglücklichen Situation, aus Arbeitsunfällen und Kündigung, etwas Positives entwickelt hat. Es kommt eben immer darauf an, was man aus einer Situation macht. Max hatte die Kraft, seinem Leben daraus eine erfolgreiche Richtung zu geben.

„Irrlicht und Feuer“, sicher einer der bekanntesten Arbeiterromane in der deutschen Literatur, spielt, wie man an vielen Ortsangaben merken kann, in Kamen und es ist bedauerlich, dass in der Stadt selbst davon so wenig Kenntnis genommen wird.

Als Jürgen Fohrmann, die Hauptperson, gefragt wird, wo er wohne, nennt er die neue Siedlung ganz in der Nähe der Autobahn. Und weil dort direkt eine Zechenbahn vorbeifährt, die ihm als Schleichweg zur Zeche dient, kann man schnell auf den Kamener Kupferberg stoßen. Alle Angaben treffen auf ihn zu.

Die Zechenbahn führt von Kamen über Heeren bis nach Bönen. Heute ist sie ein schöner Fahrrad- und Wanderweg. Dort trifft Jürgen Fohrmann die Frau, die von ihrem Mann regelmäßig verprügelt wird, die sich bei ihm seelischen Beistand holt und wegen der er zweimal seine Schicht verpasst, weshalb er selber kurz vor der Kündigung steht. Parallelität der Ereignisse also. Andere Orte, etwa die Kneipe, in der die große Gewerkschaftsversammlung abgehalten wird, findet man in Heeren. Und manche Orte werden direkt genannt: Kamener Markt, der Koppelteich usw. Für Kamener Leser  eine kleine Fundgrube.

Mit Oberstufenschülern am Gymnasium in Bergkamen habe ich den Roman vor ein paar Jahren gelesen. Das Titelbild der Taschenbuchausgabe mit dem Bergmann, der einen Presslufthammer in der Hand hält, hätte sie zuerst abgeschreckt, sagten sie nachher. Aber als sie sich dann eingelesen hätten in die Welt, die für die meisten die Welt ihrer Großeltern war, hätten sie den Roman als spannend empfunden. Gerade in unserer Region ist hier also ein literarischer Schatz zu heben, der nicht am Interesse junger Leute vorbeigeht.

Mit Beginn seiner Arbeit als freier Autor verließ Max von der Grün Heeren und wechselte nach Dortmund, wo er zum bekanntesten Künstler der Stadt wurde. Meistens waren die Politiker dort stolz auf ihren Autor, manchmal aber auch vergrätzt. Dann hatte Max mal wieder sehr laut seine Meinung zu diesem oder jenem Problem gesagt, und die konnte kritisch und sehr eindeutig ausfallen, wenn es um die Belange von Arbeitern oder die Verteidigung kultureller Standards ging. Was aber nichts an der Wertschätzung von der Grüns änderte. „Was glauben Sie, was der mir schon alles ins Gesicht gesagt hat“, hat mir mal Dortmunds unvergessener Ex-OB „Günna“ Samtlebe gesagt. „Aber ich schätze ihn. Gut, dass wir so einen haben!“

Heeren ist Max von der Grün  aber auf seine Weise treu geblieben. Als ich seine Witwe Jenni fragte, was sie davon hielte, die Zechenbahntrasse „Max-von-der-Grün-Weg“ zu nennen, war sie sofort einverstanden. „Dort ist Max so gerne mit dem Fahrrad hergefahren“, sagte sie. Und so heißt sie denn heute auch, beginnt an der Autobahnbrücke, wo Fohrmann die Frau traf, und führt an der Heerener Zeche vorbei bis nach Bönen. Ein passender Ort, um an ihn zu erinnern, denn als aktiver Bergmann war Max das am Ende selber gewesen: ein Zechenbahnfahrer, freilich unter Tage. Die Bergleute verwenden aber nicht diesen Begriff, sie sagen „Akkufahrer“.

Archiv: Gedenktafel erinnert an Max von der Grün

Max von der Grün - "Wichtige Stimme des Reviers"

Jubiläum für einen Roman aus Kamen. Vor 50 Jahren erschien „Irrlicht und Feuer“ von Max von der Grün

SUMMERlife-Lesereihe mit Staraufgebot: Wiederholung ist mehr als wahrscheinlich

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

lesung 1 721AGSpiegel-Bestsellerautorin Tanja Kinkel zog ihr Publikum mit Auszügen aus ihrem neuen Roman "Grimms Morde" in der katholischen Kirche Heilige Familie in ihren Bann. Fotos: Alex Grün für KamenWeb.de

von Alex Grün

Kamen. Wenn es nach den Initiatoren Heinrich Peuckmann und Bernhard Büscher geht, ist die nächste Ausgabe der SummerLife-Lesereihe reine Formsache: Auch beim zweiten Mal traf die hochkarätig besetzte Literaturveranstaltung bei den Kamenern ins Schwarze, rund 150 Besucher ließen sie sich nicht entgehen - ob mit oder Maske, stand in diesem Jahr zur Wahl.

Mit Abstandhaltern und markierten Sitzplätzen wurde in den Kirchen der gebotenen Vorsicht Rechnung getragen - Lockerungen hin oder her. Hygienespray und Anwesenheitslisten trugen ihren Teil zum Sicherheitskonzept bei - und damit auch zur entspannten Atmosphäre, von der das kleine Literaturfestival erfüllt war. Bestsellerautorin und Publikumsmagnet Tanja Kinkel entführte ihre begeisterten Zuhörer von der katholischen Kirche Heilige Familie aus weit in die Vergangenheit - das kann die Münchnerin, die insbesondere mit ihren Historienromanen einen internationalen Erfolg nach dem anderen landet, erwiesenermaßen am besten - und tat dies nach eigenem Bekunden erstmals seit der Corona-Krise wieder live vor Publikum, was ihr besonders viel bedeutet habe. Im heranwachsenden nordhessischen Oberzentrum Kassel des Jahres 1821 spielt Kinkels neuer Roman "Grimms Morde". In dem wird - wie der Titel schon sagt - gemordet, und zwar ebenso bestialisch wie mysteriös. Oberwachtmeister Blauberg findet beim Leichnam einer gemeuchelten Mätresse des Kurfürsten Wilhelm I ein Zitat aus einem Märchen der Gebrüder Grimm und zieht falsche Schlüsse: ins Visier der Polizei geraten die Literaten. Nach einem ähnlichen Leichenfund sehen sich die Märchensammler Jakob und Wilhelm gezwungen, Nachforschungen anzustellen, um ihre Unschuld zu beweisen. Dabei spielt die damals 24-jährige Dichterin Annette von Droste-Hülshoff eine entscheidende Rolle, die eigens mitsamt ihrer Schwester von Münster nach Kassel reist.

lesung 2 721AGDie russische Dichterin, Librettistin und Autorin Anzhelina Polonskaya las Gedichte in russischer Sprache vor, die von Brigitte Ditz-Büscher anschließend ins Deutsche übersetzt wurden.

Mit viel Intonationsvermögen zog Tanja Kinkel das Publikum in der katholischen Kirche in ihren Bann und stellte dabei auch ihre darstellerischen Qualitäten unter Beweis, allerdings ohne die vorgesehene Pause, weshalb anderenorts streckenweise auf Publikum gewartet wurde - klassischer Kommunikationsfehler. Unterbrechen wollte die Starautorin niemand - und das war auch gut so, denn dafür war ihr Vortrag zu packend, ebenso wie anschließend der des syrischen Dichters Yamen Hussein, der aufgrund seiner Berichterstattung über die Unterdrückung der Medien in seiner Heimat verhaftet wurde und 2014 nach Deutschland floh. Auszüge aus seinem aktuell erschienenen Band "Nachruf auf die Leere" wurden begeistert aufgenommen. Hussein ist Stipendiat des "Writers-in-Exile"-Programms der Autorenvereinigung PEN, ebenso wie seine Kollegin Anzhelina Polonskaya, die in ihrer russischen Heimat aufgrund von Repressalien seitens des Putin-Regimes nicht mehr veröffentlichen darf. Ihre Eindrücke fasst sie in Worte: "Krieg in mir und in dir" - der Titel eines ihrer Gedichte, das die Gespaltenheit zwischen Gehorsam und Widerstand in ihrem Heimatland auf lyrische Art zum Ausdruck bringen soll.

lesung 4 721AGJürgen Jankowsky war für seinen erkrankten Schriftstellerkollegen Christoph Nix eingesprungen und sorgte an dessen Stelle für humoristische Akzente.In der Pauluskirche schwelgte währenddessen ein waschechter Ossi knietief in "Ostalgie": Jürgen Jankofsky, der mehr als 50 Romane und Kinderbücher veröffentlicht hat, nahm die Zuhörer im "schiefen Turm von Kamen" mit auf eine Reise in seine Jugend in der DDR der Sechziger und Siebziger Jahre. Unter anderem erinnerte sich der Jenaer in bildhaften Worten, wie sich die Inbetriebnahme eines E-Basses anfühlte. Musikalisch unterstrichen wurde sein Beitrag passenderweise von Saxophonist Rüdiger Wilke mit einem samtweichen "Sentimental Journey". Sozusagen als "Support-Act" sorgte die Kamener Autorin Bilitis Naujoks gleichermaßen für Lokalkolorit wie auch für tiefe Einblicke in die weibliche Seele, einfühlsam in Worte gefasst.

"Ohne Heinrich Peuckmann und seine Verbindungen wäre eine solch hochkarätig besetzte und kulturell hochwertige Veranstaltung nicht möglich", erklärt Jörg Höning vom Kulturbüro der Stadt Kamen. Der Generalsekretär der deutschen Abteilung des größten internationalen Schriftstellerverbandes PEN, der in der Lutherkirche auch aus seinen Neuerscheinungen vorlas, hat schon im letzten Jahr einschlägige Publikumsmagneten in die Sesekestadt geholt - und wird dies, wenn alles gut geht, im nächsten Jahr wieder tun. "Wenn die Initiatoren wieder dabei sind, sollte einer Wiederholung nichts im Weg stehen", sagt Höning - und der Einrichtung einer festen Institution im Kamener Veranstaltungskalender möglicherweise auch nicht. Unterstützung von Seiten der Kirchengemeinden werde es sicherlich auch weiterhin geben, und Heinrich Peuckmann verfüge über genügend Möglichkeiten, um auch künftig literarische Schwergewichte wie Tanja Kinkel als Zugpferde für die städtische Veranstaltung zu gewinnen, ist Autor und Mitinitiator Bernhard Büscher sicher. "Wir wären auf jeden Fall wieder dabei", sagt Büscher. Auch Kulturausschussvorsitzender Daniel Heidler, der die Veranstaltung in der katholischen Kirche eröffnete, würde sich über eine dauerhafte Einrichtung der SummerLife-Lesereihe freuen. "Eine solch hochwertige und anspruchsvolle Veranstaltung im Kamener Kulturkalender ist auf jeden Fall eine Bereicherung", so Heidler im Gespräch mit der Redaktion. Auch die zweite Ausgabe, so Heidler, war "rundum gelungen".

Archiv: SUMMERlife: 6 und 3 - Literarische Lesereihe - 6 Autoren Lesen in 3 Kamener Kirchen

lesung 3 721AGSaxophonist Rüdiger Wilke untermalte die Lesung von Jürgen Jankowsky stets mit dem passenden Sound - sein schier unerschöpfliches Repertoire macht es möglich.

Gedicht der Woche: Jeder Tag

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 
Jeder Tag

wieder ein Tag, der keiner ist
regnerisch am Morgen, diesig
am Mittag, verloren
am Abend. Was willst du

mit ihm anfangen. Nichts
antwortete der Tag. Was
kann man schon groß
anfangen mit mir. Nichts

Immerhin, da ist noch die Einsicht
denkst du, wer hat das schon
Einsicht mit sich selber, wer
schafft das, und hat doch

nicht Recht, denn da ist noch
eine andere Stimme, die flüstert
egal ob diesig, ob verloren
las dich nicht täuschen

jeder Tag wird. Tu was, nutze
ihn, wer weiß, wie viele, kein Tag
der keiner ist, wird jeder doch
durch dich. Wird nur durch dich

Heinrich Peuckmann

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