LWL präsentiert Wort des Monats: Nachtpolter - das liebste Kleidungsstück für alle Schlafmützen

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Westfalen-Lippe (lwl). Die Idee ist zwar naheliegend, dennoch bezeichnet "Nachtpolter" keinesfalls die nächtlichen Aktivitäten von Geistern und Kobolden. Stattdessen steht das plattdeutsche Wort für das Nachthemd oder den Schlafanzug. Welche Geschichte dem Wort zu Grunde liegt, wissen die Sprachwissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

"Das zusätzliche Nacht in Nachtpolter oder auch Nachtpölter verdeutlicht das heute häufig nicht mehr verstandene Wort Polter, das bereits Schlafanzug bedeutet", erzählt Markus Denkler, Geschäftsführer der Kommission für Mundart- und Namenforschung beim LWL. "Die Herkunft des Wortes ist nicht sicher geklärt. Eine mögliche Erklärung ist, dass es von dem französischen Wort paletot für Obergewand abstammt."

Dennoch haben die Wörter Polter und Pölter ihren Weg aus dem Plattdeutschen in das regionale Hochdeutsch gefunden: Pölter wird auch heutzutage vielerorts in Westfalen-Lippe als Bezeichnungen für den Schlafanzug, insbesondere den Kinderschlafanzug, verwendet. In Ostwestfalen-Lippe hören die Kinder daher abends von ihren Eltern: "Rin innen Pölter und ab in die Falle, getz wird geratzt!"
Auch Bezeichnungen für Schlaftextilien aus bestimmten Stoffen sind üblich, wie "Seidenpölter" oder "Frotteepölter".

Gedicht der Woche: In der Ferne bin ich dein

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregionale Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

In der Ferne bin ich dein

Voller Zärtlichkeit,
denke ich in diesen Tagen an Dich
Fast verloren geglaubte Sehnsucht
ergreift mich
in diesen Tagen ohne Dich
und in Gedanken halte ich dein junges Gesicht in meinen Händen
halte Dich an mich

Und ohne es selbst zu wissen
so ist jetzt ganz klar
ich bin gegangen, um Dich zu vermissen
Und ich sitze hier, Fingernägel kauend
vor dem weißen Blatt Papier
in diesem fremden Jetzt und Hier
und neben mir, das einsame zweite Kissen

Und ganz weit und unsinnig
erscheint mir meine Wut
über Schuhe im Haus
und deinen schlurfendem Gang
Nein, nicht mehr missen wollen würde ich sie
deine Art zu gehen, zu zetern
und deinen heroischen Gesang

Und nicht mehr missen wollen, würde ich
deinen kritischen Blick auf mich
in dem sie sich spiegelt
diese Mischung
aus Bewunderung und Angst
und die Hoffnung
„dass sie sich etwas zügelt“

Ich bin gegangen
um Dich zu finden
Und hier in der Ferne, weit fort von Dir
umkreise ich mein Verlangen
nach deiner Liebe zu mir
Deine Hände, geschlungen, um mein gezeichnetes Gesicht
Welches hinter all verhärteter Mimik, Dir ewige Liebe verspricht

Und holt mich Morgen
die Alltagswut wieder ein
(über Schuhe im Haus und fehlende Wertschätzung und so)
dann schick mich gerne
in die weite Ferne
Denn da bin ich sanft
denn da bin ich dein

Bilitis Naujoks

Gedicht der Woche: Ein Foto

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Das Vorwort
 
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Ein Foto

Wir fotografieren die Luft, die sie uns verschlingt

damit die Welt sieht

Wir fotografieren eine Katze, die nach unseren Knochen schnappt

damit die Welt begreift

Wir fotografieren die Ameise, die ohnmächtig vom Zuckerstück fiel

damit die Welt Unbehagen empfindet

Wir fotografieren, um den Schmerz zu dokumentieren

damit ihn andre vermeiden

Doch die Welt wendet sich ab

Wir fotografieren mit einer echten Panasonic

wie Kinder hungern

und die Welt wird davon satt

Wir fotografieren, damit er sieht und ich und du

doch nur die Kamera sieht wirklich

Wer hat gesagt, die Welt habe Augen und Zeit um zu sehen

Sorgt euch nicht, wir werden ein bisschen zornig sein

und unter Tränen mit den Füssen auf den Boden stampfen

Unser Gewissen ist erschüttert und so setzen wir uns anders hin

Erschüttert sind auch unsere Seelen

doch schnell wechselt die Welt den Sender

Wir sterben in Massen

ein Kind ertrinkt

Zufällig sieht das die Welt

und empfindet ein wenig Unbehagen

Dann rettet sie ein paar von uns

und wir vergessen. Dass wir alle Menschen sind

und dass die ganze Erde

in diesem kurzen Leben

uns gehört

Kholoud Charaf

 

Gedicht der Woche: Silvester

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregionale Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 

Silvester

Ein Jahr vergeht, nein

frag nicht, wo es blieb

es kam, es ging, wobei es

dich stets vorwärtstrieb

Und frage auch nicht

nach der Zeit

ob du sie gut genutzt

die Antwort führt nicht weit

Ein neues Jahr beginnt

und wird wieder vergehn

du wirst dich wieder sputen, die Welt

wird sich im selben Rhythmus drehn


 Heinrich Peuckmann

Der Weihnachtsdichter: Eine Weihnachts-Kurzgeschichte

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

stern20kwvon Dr. Götz Heinrich Loos

Dunkel war es in der Welt. Pandemie, Terroranschläge, Pleiten, Arbeitslosigkeit... und noch mehr. Eine lange Liste. Wer Zeitung las oder Nachrichten schaute, wurde damit konfrontiert - ob man selbst betroffen war oder nicht. Spätestens die Maskenpflicht und die Pandemie-Gebote und -Verbote waren überall zu bemerken. Und trotzdem war es Weihnachtszeit. Wie zum Trotz leuchtete überall die Weihnachtsbeleuchtung - privat wie öffentlich. Als wollte man die bösen Geister vertreiben. Als wollte man sich die Normalität der Weihnachtszeit gerade jetzt nicht nehmen lassen.

In dieser Stimmung machte Petermann jeden Tag einen Spaziergang durch die Stadt. Er versuchte sich von der Weihnachtsstimmung einfangen zu lassen. Doch so richtig wollte es nicht gelingen, nachdem fast alle Geschäfte außer den Lebensmittelläden, Frisören und einigen wenigen weiteren dicht gemacht hatten. Es waren relativ wenige andere Menschen unterwegs. Petermann kaufte Brot und Zeitung, ging dann weiter und schaute zu den Häuserfassaden. Hier brannte hinter den meisten Fenstern Licht, ab und zu bemerkte er das Flackern von Fernsehern, ganz leise tönte hier und da Radiomusik durch Fenster in Kippstellung. Ach wie gemütlich, alle zuhause - dachte Petermann, fragte sich aber, wie es den meisten Leuten so geht in ihrem Quasi-Hausarrest. Plötzlich fand er auf einer Fensterbank in Leibeshöhe einen kleinen Zettel. Er rief laut alle Menschen, die in der Nähe vorbeigingen, zusammen. Einige ignorierten ihn, aber die meisten kamen und versammelten sich um ihn - im gehörigen infektionsvermeidendem Abstand und hörten ihm zu. Einige schauten von ihren Balkonen zu ihm herunter. “Leute, hier hat jemand ein Weihnachtsgedicht liegen gelassen“, sagte Petermann und hielt den Zettel hoch, auf dem einige Verse in kunstvoll geschwungenen Buchstaben zu sehen waren. Ein Kind rief: “Das hat der Weihnachtsmann da hingelegt“. Ein anderes Kind erwiderte: “Nein, niemals. Den gibt's doch gar nicht. Den Zettel hat das Christkind da verloren“. Die Erwachsenen lachten. Petermann jedoch las das Gedicht vor:

Weihnachtsfrieden persönlich

Was jetzt wichtig ist
Wenn Hinz und Kunz nicht täglich durch die Städte rennen
Wenn Du diese Zeilen liest
Und mit Muße in dieser Zeit endlich wirklich Alle erkennen
Was Weihnachten bedeutet Dir
Dann findest Du schließlich hier
Was jetzt wichtig ist

Alle schwiegen zunächst und dachten sichtlich über die Worte nach, dann begannen die ersten zaghaft zu klatschen. Und letztlich klatschten alle dem Vortragenden, der die Verse eindringlich und langsam vorgelesen hatte.

Von da an fand Petermann täglich einen solchen Zettel mit der gleichen künstlerischen Handschrift, aber immer einem neuen Gedicht jeweils an ganz unterschiedlichen Stellen in der Stadt. Und immer rief er alle Leute in der Nähe zusammen, um ihnen das Gedicht vorzutragen. Stets waren es besinnliche Worte, die den Menschen ein wenig Nachdenken brachten.

Natürlich hatte auch die örtliche Zeitungsredaktion bald Interesse daran gefunden und interviewte Petermann. Doch auf die wichtigste Frage, nämlich wer die Gedichtzettel jeweils ablegte, darüber konnte er keine Auskunft geben.

Redakteur Schreiner, der für seine verbissene und etwas sensationslüsterne Art bei Recherchen bekannt war, machte sich auf die Lauer. Aber wo sollte er observieren? Immerhin tauchten die Zettel jeden Tag an einem ganz anderen Ort auf. Nachdem er drei Abende und Nächte vergeblich durch die Stadt gezogen war und die Gedichtzettel dann am nächsten Tag an ganz anderen Stellen von Petermann gefunden worden waren, als dort, wo Schreiner herumlief, wollte er schon aufgeben und überlegte, mit welchen Formulierungen er aus der Herkunft ein Mysterium machen könnte. Als er aus der Redaktion kam, sah er in einiger Entfernung Petermann und beschloss, ihm in gebührendem Abstand zu folgen. Er wollte selbst sehen, wie Petermann die Zettel aufspürte, denn es konnte doch nicht sein, dass Tag für Tag dieselbe Person diese merkwürdigen Gedichtblättchen auffand und sonst niemand.

Auf einmal sah er, dass Petermann an einer Gruppe von Abfallcontainern stehenblieb, sich umschaute und dann aus seiner Manteltasche einen Zettel herauszog. Vorsichtig platzierte er den Zettel auf einem Container und blieb dann stehen, sich ständig umdrehend, ob jemand vorbeikommen würde. Schreiner trat nun in Aktion und fragte Petermann, was er denn da hingelegt hatte. Petermann wurde ein bisschen rot, aber antwortete daraufhin ohne Umschweife: “Ein Weihnachtsgedicht. Das Letzte, denn morgen ist Heiligabend und dann kommt sowieso groß niemand mehr durch die Innenstadt“. Schreiner fragte verwirrt: “Wieso... wieso legen Sie das dahin? Ich dachte, Sie finden die Zettel? Ich verstehe nicht...“. Petermann gestand: “Die Gedichte habe ich doch geschrieben, habe sie dann abgelegt und schließlich selbst 'gefunden' - alles, um den Leuten ein bisschen Nachdenken zu geben und Freude zu machen“. Schreiner war immer noch verwirrt, aber in seinem Kopf wuchs schon eine gute Story. Petermann gab ihm dem Zettel und Schreiner las Petermanns letztes Weihnachtsgedicht, baff erstaunt:

Nur ein bisschen Freude

Hab ich euch doch etwas abgelenkt
Vom Dilemma unserer Tage
Gedichte zum Denken hab ich euch geschenkt
Und euch plagte die Frage:
Wer war das denn? Wer macht sowas?
Und immer derselbe findet's - wo gibt's denn das?
Für mich war es etwas Schabernack - aber euch hat es etwas gegeben
Feiert nun Weihnachten gut und denkt mehr nach über's Leben

Gedicht der Woche: Wir gehen in den Herbst

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Wir gehen in den Herbst

Wir gehen in den Herbst.

Die Lichter am Deck sind erloschen.

nimm mich als blassen Schiffsjungen mit

auf die weiteste Reise.

In den Sturm, in den Blütenkosmos.

Zu den grotesken Tänzen des Sonnenuntergangs

Um die Erde nicht zu sehen,

mich nicht an sie zu erinnern.

Wenn die Erde sich nicht an den Schiffsjungen

erinnert --- vom alten Mann getrennt,

war der Herbst bodenlos.

Dann musste es so sein.

 

Anzhelina Polonskaya

 

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