Gedicht der Woche: Kehre gerne zurück - und wäre dann am liebsten wieder weg

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 
Kehre gerne zurück
- und wäre dann am liebsten wieder weg

Angora

Ankara

Mir fremd

doch nah

Aus deinen Armen

bin ich rausgewachsen

Gleich hast du

mich wieder

und ich

werde dich begrüßen

Zwischen uns

lebt

offen und verborgen

mehr als nur

ein Leben

Gleich hast du

mich wieder

und ich

werde dich begrüßen

mit osmanischer Gelassenheit

mit preußischer Disziplin

wie beim letzten Mal

Angora

Ankara

Mir fremd

doch nah

Levent Aktoprak

Aus dem Buch „Unterm Arm die Odyssee“, Gedichte, Dagyeli Verlag, Berlin, Juni 2021

 

Autorenlesungen in der Familienbande Kamen e.V.

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

familienbande hausKW„Milla fliegt am Himmel“ Ein Bilderbuch von Liesel Polinski.

Dieses Bilderbuch erzählt, wie Mirko und seine Familie ihr Schicksal erleben und mit der Trauer umgehen. Das Buch thematisiert das Sterben eines Kindes. Es will Kinder und Erwachsene informieren, betroffene Familien begleiten, in Kindergärten und Schulen zu Gesprächen anregen. Die Autorin arbeitet seit 2013 ehrenamtlich im Ambulanten Kinderund Jugendhospizdienst Unna. Erfahrungen aus ihren Begleitungen, Gesprächen mit Eltern und Grundschulkindern sind in das Buch eingeflossen. Die Lesung findet am Donnerstag, den 28.10.2021 von 18:30 – 20:00 Uhr im Café der Familienbande statt. Das Angebot ist kostenfrei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Die Kursnummer lautet: 21-001-03. Anmeldung und Informationen unter: 02307 28505-10 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

„Lauf zurück ins Leben“ Ein Roman von Hermann Wenning.

2010 veröffentlichte Hermann Wenning, der seit 2006 in Hamm lebt, sein erstes Buch „Lauf zurück ins Leben“. 2017 folgte die „Versoffene Jugend“ über seinen Alkoholkonsum in jungen Jahren. Mit diesen beiden Büchern und seinem „Fachwissen“ hält er über 50 Vortragstermine vorwiegend in Schulen, Suchtkliniken und Gefängnissen, mit der Passion Prävention und Rehabilitation zu leisten. Seine Bücher schildern sehr authentisch den langen Weg durch Drogenabhängigkeit, Kriminalität und Verzweiflung, zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Die Lesung findet am Donnerstag, den 04.11.2021 von 18:30 – 20:00 Uhr im Café der Familienbande statt. Die Lesung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Die Kursnummer lautet: 21-001-04. Anmeldung und Informationen unter: 02307 28505-10 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

„Manchmal möchte ich mich totlachen“ Ein Roman von Nina Stahl.

Nils ist 16 Jahre alt, als er von Dr. Boll die Worte: „Du wirst sterben“ hört. Damit beginnt für ihn eine Achterbahn aus Gefühlen. Wut und Sorgen breiten sich aus. Er trifft aber auch auf Menschen, die ihm in dieser Zeit helfen. Da ist Schwester Ulla, die den Klinikaufenthalt zu einem Abenteuer macht, Helene, mit ihrem knallbunten Kopftuch, zu der er sich so hingezogen fühlt und die anderen Kinder der Station.
Nina Stahl ist Diplom-Pädagogin und Koordinationsfachkraft des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Kreis Unna vom Deutschen Kinderhospizverein e.V. Gemeinsam mit der Autorin Birgit Schlieper hat sie dieses Buch verfasst, aus dem sie vorlesen und von ihren Erfahrungen in ihrem Berufsfeld berichten wird.

Die Lesung findet am Donnerstag, den 25.11.2021 von 18:30 – 20:00 Uhr im Café der Familienbande statt. Die Lesung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Die Kursnummer lautet: 21-001-05. Anmeldung und Informationen unter: 02307 28505-10 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Westfälischer Wortschatz von A bis Y

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

Letzter Band des "Westfälischen Wörterbuches" erschienen

89994Dr. Robert Damme hat 36 Jahre an dem "Westfälischen Wörterbuch" gearbeitet. Passend zu seinem Ruhestand hat er das Werk nun abgeschlossen. Foto: LWL/Markus BomholtMünster (lwl). Nach fast 50 Jahren ist das Westfälische Wörterbuch des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) fertig: Mit dem fünften Buchband vervollständigt die LWL-Kommission für Mundart- und Namenforschung Westfalens die bisher umfangreichste westfälische Sprachdokumentation.

"Für Westfalen-Lippe ist dies ein lang erwarteter Meilenstein: Der Wortschatz der niederdeutschen Sprache, die unsere Region nachhaltig geprägt hat, ist mit dem Westfälischen Wörterbuch nun ausführlich wissenschaftlich dokumentiert", sagte LWL-Direktor Matthias Löb. "Damit können Forschungen zum aktuellen Sprachgebrauch in Westfalen-Lippe auf ein solides Fundament gestellt werden", so Löb weiter, der auch Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes ist.

"Unser Anspruch war es, den westfälischen Wortschatz ausführlich im Hinblick auf seine Bedeutungsdifferenzierungen und seine lautliche Vielfalt zu behandeln", sagt Markus Denkler, Geschäftsführer der LWL-Kommission. "An dem großlandschaftlichen Wörterbuch haben im Laufe der Jahre elf hauptamtliche Kolleginnen und Kollegen und zahlreiche ehrenamtlich Tätige gemeinsam gearbeitet. Diese gute Zusammenarbeit macht uns auch als Kommission sehr stolz." Dass dieses Langzeitprojekt nun wie geplant fertiggestellt werden konnte, sei insbesondere dem Engagement von Dr. Robert Damme zu verdanken. Der Projektverantwortliche hat seit 1985 an dem Wörterbuch gearbeitet und es sich zum Ziel gesetzt, das Projekt bis zu seinem Ruhestand abzuschließen: "In den 1990er-Jahren lag noch nicht einmal der erste Band vollständig vor. Es war vollkommen unklar, ob das Wörterbuch jemals fertiggestellt werden kann", so der 67-Jährige.

Das Wörterbuch erstreckt sich nun auf fünf Bände mit über 3.600 Seiten und rund 90.000 Stichwörtern - von "A" (Ausruf bei unangenehmen Empfindungen) bis "Ypern" (Stadt in Flandern). Und wo bleibt das "Z"? Das gibt es im Niederdeutschen schlichtweg nicht: Wörter, die im Hochdeutschen mit "Z" beginnen, haben im Niederdeutschen zumeist ein "T" am Anfang, wie beispielsweise "Tied" (Zeit), "to" (zu) oder "tehn" (ziehen).

Wer keinen halben Regalmeter für das Westfälische Wörterbuch erübrigen kann, sollte noch ein wenig warten: die digitale Fassung wird voraussichtlich im kommenden Jahr kostenfrei im Internet (https://woerterbuchnetz.de/">https://woerterbuchnetz.de/) verfügbar sein.

Hintergrund
1927 wurde das Archiv des "Westfälischen Provinzial-Wörterbuchs" gegründet. In den folgenden Jahren legten die Mitarbeiter:innen die Grundlage zur Erstellung eines Wörterbuchs der westfälischen Mundarten, indem sie zahlreiche Fragebogen verschickten und Erhebungen vor Ort durchführten. Bis heute umfasst das Archiv rund 500 Kästen mit etwa 1,5 Millionen Belegen. Ab dem Jahr 1973 erschien das Westfälische Wörterbuch zunächst jährlich in schmalen Heftlieferungen, später in abgeschlossenen Bänden. Neben dem Wörterbuch digitalisiert die LWL-Kommission derzeit auch das Archiv.

Westfälisches Wörterbuch
Herausgegeben von der Kommission für Mundart- und Namenforschung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe,

Bearbeitet von Robert Damme u. a.
Kiel/Hamburg: Wachholtz Verlag - Murmann Publishers 1973-2021,
3.643 Seiten, 816 Euro, ISBN 978-3-529-04610-0.

Wenn Worte eine Herberge geben: Grandioses Literaturprojekt feiert mit eindringlicher Poesie Premiere in der Heerener Schlosskirche

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

PML 1021 1KBStarke Gefühle trug auch Barbara Krohn vor. Fotos: Katja Burgemeister für KamenWeb.de

von Katja Burgemeister

PML 1021 3KBBilitis Naujoks, Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende ProMensch Kamen e. V. Kamen-Heeren-Werve. Es war eine Premiere in der Heerener Schlosskirche für alle Beteiligten. Pro Mensch e. V. hat noch nie eine „Veranstaltung dieser Art“ durchgeführt. Eine ganze Veranstaltungsreihe mit Literaten, die aus ihren Werken vorlesen. In drei Lesenachmittagen erzählen sie, die aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen kommen, vom Fremdsein und von der Suche nach Obdach und Heimat. Wie es sich der Verein schon seit sechs Jahren zum Ziel setzt und bei rund 1.000 Hilfesuchenden umgesetzt hat. Wie es in der Bibel so oft betont wird: „Ich war fremd und ihr habt mich beherbergt“. Deshalb sind drei Kamener Kirchen wohl der beste Ort, und mit Literatur diesem Gleichnis auf die Spur zu gehen.

Bernhard Büscher gab den Anstoß dafür. Er schreibt selbst seit Jahren, kennt als ehemaliger „Ortsscheriff“ alles und jeden und engagiert sich schon lange für Pro Mensch. „Ich saß eines abends mit Heinrich Peuckmann zusammen, wir unterhielten uns und dabei entstand die Idee.“ Denn: „In jeder Situation sind Fremde immer zu uns gekommen und haben uns viel mitgebracht.“ Damit war PEN mit im Boot. Für Heinrich Peuckmann ist das Mitgebrachte auch Literatur für eine Stadt, „die viel mit Literatur zu tun hat und es lange nicht gemerkt hat“. Sinnbildlich dafür war für ihn die spontane Besucherin Petra Reski, gebürtige Kamenerin, Journalistin und preisgekrönte Buchautorin. Sie saß in der ersten Reihe und hörte fasziniert zu.

PML 1021 4KBGerd PulsDenn alle ihre Kollegen hatten an diesem Nachmittag viel zu sagen. Allen voran Gerd Puls. In Kamen geboren, in der Schlosskirche mit „Sesekewasser“ getauft und konfirmiert nahm er die Zuhörer mit auf eine besondere Reise. Die ging in den hohen Norden, begleitet vom Schatten eines Fotos von einem toten Soldaten. Das zeigte ihm einst der früh gestorbene, aus dem Krieg „mit halbwegs heiler Haut davongekommenen“ Vater, als er sich als Kind ein Holzgewehr wünschte. Bei der Reise durch Finnland, als Teil des vom Massentourismus beflügelten Weltenbürgertums mit „redlich verdientem“ Urlaubsanspruch kommen sie zurück, die Fragmente der Erinnerung, als „schwarz-weiße Schnipsel im Kopfkino“. Wo heute Urlaub zelebriert wird mit Idyll und Touristenritualen, hat sich einst ein Krieg abgespielt, der Leben zerstört hat, Heimat entrissen, Menschen getötet hat. Sein Vater war als Soldat ein Teil davon, an gleicher Stelle.

PML 1021 5KBSchriftsteller Umar Abdul NasserWas Krieg und Heimatlosigkeit bedeuten, führte der irakische Schriftsteller Umar Abdul Nasser eindrucksvoll vor Augen. Seit 2014 versteckt er sich vor dem IS, weil seine Worte dort wenig gut ankommen. Auf Arabisch trug er eindrucksvoll vor, dass Hoffnung auch dort noch sprießt, wo die Verzweiflung fast unmenschlich groß ist. „Seit Anbeginn frei und frei bis zum Ende“ mit einer „Sehnsucht ohne Hafen, Zauber ohne Zauberer“. Halb Vogel, halb Baum ist er zerrissen von der Notwendigkeit, die Freiheit zu suchen und vom Bedürfnis, verwurzelt zu bleiben in der Heimat. „Die ganze Welt als Zuhause oder zuhause in der ganzen Welt?“ ist eine seiner Kernfragen dort, „wo der Tod aus dem Nichts erscheint“ und „Marionetten im Krieg“ an Fäden bewegt werden „umgeben von all dem Tod“ und Lügen. Er fordert dazu auf, sich in diese Situation hineinzuversetzen: „Beurteile mich als Individuum“, nicht als Nationalität oder Hautfarbe oder sonst was.

PML 1021 6KBLütfiye GüzelZerrissenheit drang auch aus den Worten von Lütfiye Güzel, die mehr als nur Krankheitsvertretung an diesem Nachmittag war. Mit ihr flüchteten die Zuhörer in die Fremde, „damit sich das Leben wie eine warme Decke um einen legt“. Der Bus fährt, der Klebstoff löst sich vielleicht eines Tages von Heimweh, Heimat, Erinnerungen. „Es ist erstaunlich, wie stark man fühlt, wenn man nichts mehr fühlt.“ Starke Gefühle trug auch Barbara Krohn vor. Die Regensburger Autorin, ebenfalls ausgezeichnet, erzählt in ihren Gedichten vom Reisen und der plötzlichen Einsamkeit: „Im nächsten Moment kennt du dich nicht mehr aus“. Vom Heimgehen und fremd sein, von der Ohnmacht bei der Lektüre der täglich verordneten Zeitungsmeldungen über Flüchtlinge und Kriegsgemetzel und von kleinen Alltagsrettungen wie Schlüsselsammlungen, die zwar längst kein Schloss mehr besitzen, aber immer noch „alte Türen“ aufschließen „zu Räumen, die noch niemand betreten hat“.  Oder von der Sehnsucht, „einmal nur die in die Landschaft zu passen“.

Ein poetischer, nachdenklicher, schmerzlicher und hoffnungsvoller Auftakt einer ganz besonderen Literaturreihe, die am 31.10. in der Margaretenkirche Methler und am 7.11. im Johannes-Buxtorf-Haus in Südkamen jeweils um 15 Uhr eine nicht weniger spannende Fortsetzung finden wird. Nicht verpassen!

Archiv: Lesereihe mit PEN-Autoren in den Stadtteilen

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Gedicht der Woche: Chemieunfall

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 
Chemieunfall

Hallo, ihr da draußen, ihr da drinnen

Schließt eure Fenster und Türen dicht

Lasst eure Kinder nicht aus dem Haus

Esst bloß kein Obst aus eurem Garten

Längst sauer die Milch eurer glücklichen Kühe

Das Schweinefleisch aus stinkendem Stall

Hat längst einen komischen Geschmack

Nacktschnecken im Gras, was solls

Mit dem Spaten zerteilt, Blick nach oben

Himmel verhangen, fetter Rauchpilz, ostwärts

Treibt er diesmal und harter Regen fällt

Wer weiß, was da drin ist, eine Handvoll

Tote diesmal, in den Bergwerken früher

War sowas an der Tagesordnung, kein Hahn

Krähte damals danach, die Luft ist drückend

Regengesättigt, was geht es uns gut

Gerd Puls

Gedicht der Woche: lieber lieben

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Das Vorwort
 
Kamen ist eine Stadt der Literatur, gleich mehrere, auch überregional bekannte Schriftsteller wohnen hier. KamenWeb.de möchte darauf durch die Reihe "Gedicht der Woche" hinweisen.
 
 lieber lieben

geliebt und durchtrieben, will ich doch

lieber lieben

vergebliche Versuche
diesen Hochmut zu besiegen
nackt und immer wieder
lieber lieben

vertrieben
aus dem Gefühl
ich will viel

lieber lieben

vertrieben
im Blute suhlend
hast du es mit mir getrieben
durchtrieben, getrieben werd ich zum Tier
und besorg es dir

lieben, lieben

verstossen und
vertrieben
aus dem Gefühl

ach wollt ich doch zuviel

lieber lieben

Bilitis Naujoks

 

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