Kamener Straßennamen: Gertrud-Bäumer-Straße

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von Klaus Holzer
Foto: Gertrud Bäumer Quelle: Buch von Hans-Jürgen Kistner, Kamen – wie es früher war, Werne 1996* 12.9.1873 in Hohenlimburg    † 25.3.1954 in Bethel

Gertrud Bäumer entstammt einer Familie von Pfarrern, die sich früh für kirchliche Reformen einsetzte.

Ihr Vater starb, als sie 10 Jahre alt war. So mußte sie erleben, daß es ihrer Mutter nur mit Hilfe von Verwandten gelang, sich und ihre drei Kinder durchzubringen. Das brachte in ihr den festen Entschluß hervor, unter allen Umständen einen Beruf zu erlernen, um in ihrem Leben unabhängig zu sein.  Sie wurde Lehrerin und kam, neunzehnjährig, nach Kamen, da ihr ein Schwager ihrer Mutter hier eine Stelle an „einer Schule die mit seiner Kirchengemeinde verbunden war“, angeboten hatte, für 980 Mark im Jahr.

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Kamener Straßennamen: Güldentröge

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KamenLuft090314 RH 017

vFoto: Straßenschild "Güldentröge"on Klaus Holzer

Kamen. In Kamen heißt sie „Güldentröge“, und das seit vor 1827 – so heißt sie nämlich schon in der Kamener Katasterkarte aus diesem Jahr – in Unna „Güldener Trog“, und es ist unschwer zu erkennen, daß es sich hier um den gleichen Namen handelt. Und wir wissen, daß „gülden“ das veraltete Wort für „golden“ ist, in alten Gedichten und Geschichten begegnet es uns noch. Ein „güldener Trog“ ist also etwas ungemein wertvolles?
Weit gefehlt. Das geläufige Verständnis dieses Straßennamens (in Kamen müßte es richtigerweise „Gasse“ heißen) leitet sich aus dem Gegenteil ab. In mittelalterlichen Städten stank es zum Himmel. Auf dem Markt, in den Straßen und Gassen lief Vieh umher und ließ seinen Kot fallen, vor den Häusern lagen Misthaufen, weswegen die Menschen oft sogenannte Trippen trugen , eine Art Stelzenschuhe, um nicht bis über die Knöchel im Dreck zu versinken. Und hinter den Häusern war das Plumpsklo, dessen Inhalt gegen den Gestank notdürftig mit Asche überstreut wurde. Und geleert wurden diese Aborte, wenn sie voll waren, was mitunter 10 oder 20 Jahre dauern konnte. Dann kamen die dafür zuständigen „unehrlichen Leute“, d.h., solche, die keinem ehrbaren Stand angehörten, wie z.B. Henker, füllten diese Fäkalien in Tröge und fuhren sie, auf ihnen vorgeschriebenen Wegen, zum Fluß und kippten alles hinein. (Auch damals gab es also schon „Wasserspülung“, nur befand sie sich noch nicht im Haus.) Das mußte nachts geschehen, denn zum einen wollte niemand davon etwas mitkriegen, zum anderen wollte auch niemand von dem Schmutz und Gestank weiter behelligt werden.
Und niemand wollte den Namen der stinkenden Last in den Mund nehmen. Daher taten unsere Vorfahren das, was wir auch heute noch tun: sie betrieben Schönfärberei. Gewissermaßen wurde die Sch… vergoldet: der Trog und sein Inhalt wurden „gülden“. Und die Gasse, durch die man die güldenen Tröge zog, hieß dann eben „Güldentröge“. In München hießen die Leute, die dieses Geschäft betrieben, übrigens „Goldgrübler“. Sie gruben gewissermaßen in Goldgruben, denen unter den Plumpsklos nämlich.
Solche Schönfärberei in allen Lebensbereichen ist zu allen Zeiten gut belegt. Wer kennt heute nicht den Entsorgungspark, der zum Spazierengehen einzuladen scheint, doch in Wirklichkeit eine Müllkippe ist? Und was ist Schadstoffemission anderes als Luftvergiftung?
Im Falle unserer Güldentröge gibt es aber gewichtige Zweifel an dieser Deutung: Hätte man die Fäkalien tatsächlich durch die Güldentröge zur Seseke befördert, hätte man am Ende keinen Durchgang zum Fluß gefunden. Dort stand der Swiddenturm (Heinz Stoob, Westfälischer Städtatlas, Kamen, Dortmund 1975), der der Sicherheit diente und keinen Durchlaß hatte. Für diese Fracht kam kein Stadttor in Frage. Benutzte man einen der kleinen Durchlässe im durch die Güldentröge zugänglichen Bereich, trieb die Gülle die ganze Stadtmauer entlang in den Mühlenkolk, der den Betrieb der Mühle mit dem notwendigen Wasser sicherstellte, als Pferdetränke diente und in dem Wäsche gewaschen und gespült wurde. Das ist alles wenig wahrscheinlich. Und obendrein mündet etwas nördlich von der Stelle, wo die Güldentröge auf die Stadtmauer trifft, der Goldbach in die Seseke. „Gülden“ und „Gold“ – ob es da einen Zusammenhang gibt? Es gibt zwar einen Hinweis darauf, daß der Goldbach einmal „Holt– oder Holdbach“ geheißen hat, doch wäre es nicht das erste Mal, daß zu Zeiten, als es noch keine genormte Rechtschreibung gab, unterschiedliche Schreibweisen nebeneinander bestanden und auch Lesefehler zu ganz anderen Namen führten. Vielleicht kommt einmal jemand zufällig auf eine Quelle, die beide Ansichten zusammenführt?
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Kamener Straßennamen: Buxtorfstraße

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Johannes Buxtorf, entst. Ausgabe von 1710; Books & Treasures

von Klaus Holzer

Kamen. In Kamen ist ein unscheinbares Sträßchen nach ihm benannt, in Südkamen das Buxtorfhaus, hier gehört immerhin der Vorname Johannes zum Namen. Aber wo in unserer Stadt gibt es einen Hinweis darauf, daß es sich bei diesem Mann um den Kamener handelt, der die tiefsten und längsten Spuren in der Geistesgeschichte Europas, ja der Welt, hinterlassen hat?

Wer ist der Namensgeber?

Er entstammt einer Kamener Familie, die seit 1453 in 5 Generationen als Pfarrer, Bürgermeister und Ratsmitglieder nachweisbar sind. Der Name schrieb sich auch Bockstorp oder Boxtrop, ein springender Ziegenbock zierte das Familienwappen. Sein Vater war Kamener Oberpfarrer, der (zusammen mit Hermann Hamelmann, Johannes Schomberg und Gerdt Oemecken) die Reformation nach Kamen brachte.

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Kamener Straßennamen: Nordstraße

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Blick auf die Nordstraße im Sommer 2015. Foto: KamenWeb.devon Edith Sujatta

Foto: Nordstraße Blickrichtung Kreisverkehr Nordenmauer / Hertie Immobilie (C) KamenWeb.de

Die zum Nordtor führende Straße war im Volksmund jahrhundertelang die Viehstraße. Hier führte der Hirte morgens das bei den Ackerbürgern eingesammelte Vieh zur Almende (Gemeinschaftsweide), oder zur Hude (von „hüten“) in den Gemeindewald. Das Recht auf die sogenannten vier „W“ (s. weiter unten) war allerdings mit dem Bürgerrecht verbunden. Man mußte Grundbesitz in den Mauern haben und den Bürgereid geleistet haben. Nach dem Besitz in der Stadt richtete sich die Nutznießung in den Feldmarken und des Busch- und Waldbesitzes einer Stadt. Die vier „W“ sind die Rechte auf das Wasser in den öffentlichen Brunnen, Weide für das Vieh, Wiese zur Heugewinnung, Holz und Buschen (mit Buschen wird der Backofen beheizt) aus dem Wald mit Eichelmast. Einwohner, also Leute ohne eigenes Haus oder Zugereiste ohne Bürgerrecht, waren ausgeschlossen, Juden natürlich auch.

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Kamener Straßennamen: Koppelstraße

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von Klaus Holzer

Eine Koppel ? lat. copula, ist ein Verbindungsstück bzw. ein Band. Und genau so zog sich das große Areal, das in der Kamener Urkatasterkarte von 1827 so hieß, wie ein Band westlich bis südwestlich um die Stadt.

Dieses Gelände umfaßt das gesamte Areal südwestlich bis westlich der Stadtmauer: „Auf der kleinen Koppel“ im Süden, direkt an den südlichen städtischen Filleplatz (Abdeckplatz für die Schuhmacher bzw. Gerber) angeschlossen, reicht sie in 2 Arealen „In der Koppel“ bis nördlich des Westentors. Westlich schließt sich der Kalthof an, nördlich „Auf dem Spiek“. Älteren Kamensern dürfte dieses Gelände wohl vor allem als „Römers Wiese“ in Erinnerung sein.

In früheren Zeiten handelte es sich bei der heutigen Koppelstraße nur um einen Feldweg, auf dem Vieh zu und von der Weide getrieben wurde.

Vom Westentor gingen zwei Wege ab: der wichtigere, daher größere, führte nach Lünen, eine alte Handelsroute (Lünen war auch Hansestadt) und eine kleine nach Westick und Methler, die damals einzige Verbindung dorthin.
Foto: Römers Wiese Alle Abbildungen: Archiv Klaus Holzer

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Stadtgeschichte: Die Benennung von Kamener Straßennamen

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KamenLuft090314 RH 017von Klaus Holzer

Kamen. Südlich der Südkamener Straße, zwischen der Bückeburger Straße und Schulze Berge, heißen viele Straße nach Philosophen: Schopenhauer, Schelling, Feuerbach, Hegel, Fichte, Nietzsche. Doch stößt der Spaziergänger auf „Auf den Kämpen“, „Lütge Heide“, „Siegeroth“. Und die südlich angrenzende Flur heißt „Auf der Heide“. Wie paßt das zusammen?
Große Städte wie Köln hatten auch im Mittelalter schon Straßennamen, da selbst ihre Einwohner sonst in ihnen die Orientierung verloren hätten. Kleine Städte wie Kamen hatten das nicht nötig, hier kannte praktisch jeder jeden. Daher genügte eine bloße Numerierung, die in Kamen bis 1771 Bestand hatte. Danach gab es eine neue durchlaufende Numerierung. Und erst 1885 erhielt Kamen offizielle Straßennamen mit Hausnummern. Meist orientierte man sich bei der Namengebung an den typischen Gegebenheiten einer Straße. Straßen waren die großen Verkehrsadern, die die Verbindung zur Welt durch die Stadttore herstellten. Entsprechend gab es die Nord–, West– und Oststraße, das erste „Kamener Kreuz“. Eine „Südstraße“ brauchte es nicht, hier gab es die städtische Mühle als Orientierungspunkt. Zu ihr führte die Mühlenstraße. Und gleich hinter dem Mühlentor hieß die Straße Steinweg bzw. –straße, da sie als erste in Kamen gepflastert war. Sie war besonders wichtig geworden, weil sie den direkten Zugang zum Hellweg ermöglichte, der damals wichtigsten Handelsstraße.
Die Straßen innerhalb der Stadt, die den Verkehr der Bürger und Einwohner untereinander  ermöglichten, hießen Gassen. Und da Handwerke und Gewerbe sich bevorzugt in direkter Nachbarschaft miteinander ansiedelten, hießen solche Gassen z.B. Lämmergasse, Färbergasse, Gänsemarkt.

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