Kamener Straßennamen: Schulstraße

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Stadtgeschichte

KHSchulstr1von Klaus Holzer

Kamen. Die Schulstraße war jahrhundertelang der Standort Kamener Schulen, vor allem der Vorgängerbau des alten Küsterhauses neben der Pauluskirche. Die älteste Urkunde mit der Erwähnung eines Lehrers in Kamen stammt von 1320. Darin wird ein „Johann rector scholarum" genannt. Pröbsting nimmt aber an, daß schon vorher eine Schule bestanden haben muß, da diese am Anfang immer den Kirchen angegliedert waren, und die St. Severinskirche (heute Pauluskirche) besteht schon seit dem frühen 12. Jh.

KHSchulstr2Abb. 1: Das alte KüsterhausUnd 1418 wird urkundlich belegt, daß es nur einen Lehrer an dieser Schule gab. Das Vorläufergebäude des alten Küsterhauses neben der Pauluskirche war bereits im 16. Jh. eine Schule, die „schola latina camensis“ und hatte Platz für 24 Schüler. Wegen des ständigen Geldmangels war die bauliche Erhaltung ein Dauerproblem, immer war es kalt und zugig, regnete es herein. 1586 gab es hier drei Lehrer: primarius Antonius Praetorius, magister Lambertus Ulentorpius und magister Jost Timann. Nach 1600 stand hier die Evangelisch-Reformierte Schule, ab 1858 die Städtische Rektoratsschule, der Vorläufer des heutigen Städtischen Gymnasiums. Die letzte Schule an diesem Standort war die Pestalozzischule, zum Schluß als VHS-Gebäude benutzt, seit etwa 15 Jahren in ein Wohnhaus umgewandelt.
KHSchulstr4Abb. 2: Die alte Rektoratsschule, 1904 abgerisse

KHSchulstr5Abb. 3: Der 1905 begonnene Nachfolgebau, die PestalozzischuleDer erste namentlich bekannte Rektor dieser Lateinschule war der o.e. Antonius Praetorius, der sich als erster großer Gegner der Hexenverbrennungen einen Namen machte. Im Jahr 1580 kommt er unter dem Namen Anton Schulze, gebürtig aus Lippstadt, als Lehrer nach Kamen, nennt sich aber, wie alle Studierten der mittelalterlichen Tradition folgend, lateinisch Antonius Praetorius. Hier heiratet er 1584 Maria, eine Kamenerin, die ihm 1585 den Sohn Johannes gebiert. Offenbar ist er ein guter Lehrer, er erwirbt sich bald Ansehen. Schon 1586 wird er zum Rektor der Kamener Lateinschule bestellt, was durch eine Urkunde vom 28. April 1586 im Kamener Stadtarchiv belegt ist.

KHSchulstr7Abb. 5: Urkunde Praet. in KamenEr ist wohl ein sehr guter Lehrer, denn man traut ihm zu, die „übel erzogenen wilden Rangen“ zu „Gottesfurcht, Zucht und Tugend“ (Stadtchronist Pröbsting) erziehen zu können. Umso erstaunlicher, daß es zu Anfang des 17. Jh. eine relativ große Anzahl an Studenten ex schola Camensi gab. Um die Erziehung ihrer Kinder zu verbessern und diesen guten Lehrer halten zu können, stifteten 14 prominente KHSchulstr6Abb. 4: Antonius Praetorius, gesehen vom Kamener Künstler Reimund KasperKamener Bürger, darunter auch der damalige Bürgermeister Joachim Buxtorf aus der bekannten Gelehrtenfamilie, 1520 Taler und 72 Taler Rente pro Jahr, woraus Praetorius und zwei weitere Lehrer bezahlt werden sollten. Als Bedingung wird genannt, daß diese Stiftung nur so lange gelten solle, wie die Schule der „Augsburgischen Konfession“1 folge, d.h. lutherisch bleibe.

Bis 1859 wurde diese Schule von der evangelischen Kirchengemeinde betrieben, durch einen Vertrag zwischen Kirchengemeinde und Stadt, am 7. Februar 1859 von der Königlichen Regierung zu Arnsberg bestätigt, wurde diese Rektoratsschule städtisch, sollte aber evangelisch bleiben. Als Zeichen dafür sollte der älteste Pfarrer dieser Gemeinde ständiges Mitglied des Rektorat-Kuratoriums sein.

Der Sohn des Küsters Philip Ruß, der natürlich im Küsterhaus wohnte, ebenfalls Philip genannt, gilt als (einer der) Entdecker des „Schweinfurter Grüns“. Aus seinen Einnahmen daraus vermachte er seiner Heimatstadt später 2000 Taler.

Auf der Ecke Schulstraße – Wimme steht eine Villa, die immer den Blick der Vorübergehenden auf sich zieht, weil sie sich äußerlich von allen anderen Häusern in Kamen unterscheidet. Sie hat eine richtige Einfahrt, der Sockel ist aus Bruchsteinen gemauert, darüber erhebt sich eine vielfach gestaltete Dachform mit Säulen, Erkern, Loggia. Und selbst der Schornstein scheint einem Taubenhaus nachempfunden. Es ist ein typisch historistischer Baustil. Es stammt aus den 1890er Jahren und wurde vom ersten Kamener GKHSchulstr3Abb. 6: Das „Storchenhaus“ynäkologen, Dr. med. R. Boschulte errichtet. An seinen Beruf erinnern noch heute die beiden Storchenköpfe links und rechts auf dem Gittertor. Da diese aber meistens offenstehen, muß man es wissen oder schon sehr genau hinschauen, um sie zu entdecken. Später war Dr. Boschulte auch Stadtverordneter. Seine Tochter erbte dieses Haus mitsamt dem Grundstück. Sie verkaufte einen Teil davon in den 1890er Jahren an die katholische Kirche. Heute steht die Kirche Hl. Familie darauf.

Auf der Ecke zur Julius-Voos-Gasse stand ehemals die Metzgerei Voos. Aus ihr ging … Aber diese Gasse verdient einen eigenen Beitrag.

Abb.: 0,1 & 6: Photos Klaus Holzer
Abb.: 2,3 & 5: Stadtarchiv Kamen

1 Confessio Augustana, 1530, von Melanchthon verfaßte grundlegende Bekenntnisschrift der lutherischen Kirche, auf dem Reichstag zu Augsburg Kaiser Karl V. überreicht; sie bildete auch die Grundlage für den Augsburger Religionsfrieden von 1555 („cuius regio, eius religio“).

 

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Vor 70 Jahren, am 20. Juni 1948, wurde die D-Mark eingeführt

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Stadtgeschichte

spkkamen62 HSGAbbildung 1: Sparkassengebäude Bahnhofstr. 13, Domizil der Sparkasse 1921-1962.

Zigaretten statt Reichsmark

Kamen. 70 Jahre Deutsche Mark. Ab dem 20. Juni 1948 wurde die neue Währung erstmals ausgegeben. Und noch heute ist die DM, auch 16 Jahre nach ihrer Abschaffung, für viele ein Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder.

Die Einführung der Deutschen Mark kam gerade recht, denn die Verhältnisse nach dem verlorenen 2. Weltkrieg waren katastrophal. Ein Pfund Butter kostete 250 Reichsmark - bei einem Durchschnittslohn von 170 Reichsmark für die meisten Deutschen ein unerschwinglicher Luxus. Daher hatten die drei Westmächte mit Hilfe des späteren ersten Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard unter größter Geheimhaltung eine Währungsreform vorbereitet. Heimlich waren die neuen Scheine in den USA und Großbritannien gedruckt und in 23.000 Holzkisten nach Bremerhaven verschifft worden. Die Währungsreform markierte den Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Einer Erfolgsgeschichte, die auch in Kamen stattfand.

Am Freitag, dem 18. Juni, erfuhren die Kamener - wie Millionen anderer Bürger - durch den Rundfunk, dass am Sonntag, 20. Juni 1948 in den drei westlich besetzten Zonen neues Geld ausgegeben würde. Die neuen Scheine wurden unter Bewachung der Polizei in Säcken an die Banken angeliefert und für die Auszahlung vorbereitet. Jeder Bürger bekam ein sog. „Kopfgeld“ von 60 DM, wovon 40 DM sofort und die restlichen 20 DM etwas später ausgezahlt wurden. Auch Guthaben wurden im Verhältnis von 1:10 eingetauscht.

Bis zu diesem Tag galt die Reichsmark auch in Kamen nur noch formal als Zahlungsmittel. Das Sagen hatte die Zigarettenwährung. Sechs Reichsmark für eine deutsche, zehn Reichsmark für eine amerikanische Zigarette. Der Schwarzhandel blühte. Im Gegensatz zu den Großstädten, in denen meist der Bahnhof Treffpunkt der „Schwarzhändler“ war, gab es in Kamen wohl keinen speziellen Ort dafür. Schon Monate vor der Währungsreform hatten Produzenten, Händler und auch Schwarzhändler bewußt das Warenangebot reduziert in der Hoffnung, hohe Hortungsgewinne zu erzielen.Eine Kamenerin erinnert sich: „Plötzlich gab es wieder alles zu kaufen. Gestern noch waren die Schaufenster leer, heute konnte man alles kriegen. Zuerst konnten wir uns gar nicht sattsehen an dem Überfluß. Dann merkten wir aber schon bald, dass wir ganz schön mit unserem Geld haushalten mussten. Statt alles zu kaufen, mussten wir sorgfältig überlegen, was nun wirklich nötig war und was nicht. Das war sehr schwierig, denn tief in uns saß immer noch das Gefühl, alles möglichst schnell zu kaufen und zu horten, bevor es weg war.“

Doch nicht nur die Bürgerinnen und Bürger hatten ihre Sorgen und Nöte. In diese schwere Zeit „fällt das 700-jährige Bestehen unserer Sesekestadt, die im Laufe der Geschichte schon manchen Wechsel zwischen Krieg und Frieden, Wohlstand und Armut, Glück und Niedergang erlebte“, wie es der damalige Bürgermeister Wieczorrek formulierte. Heute wissen wir, dass die dem Fest zugrunde liegende Datierung allerdings auf einem Irrtum beruhte. Kamen hatte nicht 1248, sondern erst 1284 ein Siegel (von den Landesherren, den Grafen von der Mark) verliehen bekommen. Gleichwohl wollte man das Fest unbedingt durchführen, auch wenn es zunächst durchaus umstritten war. Trotz einiger Bedenken, u.a. wegen der gerüchteweise bevorstehenden Währungsreform und nicht zu überschauender Kosten, stimmte der Rat im März 1948 mit nur zwei Gegenstimmen dafür. Am 24. Juli begann die Festwoche, die bis zum 1. August andauerte, mit einem Festakt zwischen den Kirchen. Für viele Kamenerinnen und Kamener war die 700-Jahr-Feier schlicht eine Möglichkeit, sich für einige Stunden oder Tage von der materiellen und immateriellen Not der Nachkriegszeit ablenken zu lassen.

Der positive psychologische Effekt der Festlichkeiten war enorm. Die Quintessenz war: Das Leben musste weitergehen. Die Heimatstadt würde, nicht zuletzt durch den Einsatz ihrer Bewohner, letztlich ohne bleibende Schäden die Not der schweren Zeit überwinden.

Auch zu der Festwoche 1948, an die sich viele ältere Kamenerinnen und Kamener noch gut erinnern, wird das Stadtarchiv - auf der Basis der vorhandenen Quellen - in der letzten Juli-Woche einen Text vorlegen.

Literatur:
Goehrke, Klaus. Burgmannen, Bürger, Bergleute. Eine Geschichte der Stadt Kamen. 2010.
Frieling, Christian. Neu geordnet. Kamen zwischen Kriegsende und Kommunalreform. 2001.
Heitfeld, Herbert. Erinnerungen. 2004.

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Zusatztermin: 14. Zeitzeichen des Kultur Kreises Kamen - „50 Jahre Neue Stadt Kamen – 50 Photos alte Stadt Kamen“

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Stadtgeschichte

zeitzeichen50JSKWegen des unerwartet großen Besucherandrangs wird das 14. Zeitzeichen des Kultur Kreises Kamen wiederholt.

Kamen. Wir kennen Kamen von unseren täglichen Gängen durch die Straßen unserer Stadt, wissen, wie sie aussieht. Aber wir vergessen leicht die Bilder, die wir früher wahrnahmen. Wie sah diese Ecke aus? Welches Haus stand früher dort?

An diesem Abend möchte Klaus Holzer den Besuchern das „alte Kamen“ in Erinnerung rufen. Nicht das mittelalterliche Städtchen, sondern das, welches uns noch vor nicht allzu vielen Jahren selbstverständlich war.

Der Kontrast zwischen gestern und heute macht bewußt, wie sehr sich die Stadt in nur wenigen Jahren verändert hat.

Datum:        Donnerstag, 14. Juni 2018
Zeit:            19.30 Uhr
Ort:             Saal des Museums, Bahnhofstraße 21 in Kamen

Eintritt frei.

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Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die Stadt Kamen

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Stadtgeschichte

Kamen. Heute vor 400 Jahren, am 23. Mai 1618, begann mit dem (zweiten) Prager Fenstersturz ein Krieg, der große Teile des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation - wie man das Gebiet, dass wir heute als Deutschland kennen, damals nannte - verwüstete.

In diesem Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten ging es aber nicht nur um den „rechten“ Glauben, den jede Seite für sich beanspruchte, sondern auch um die Vormachstellung in Deutschland und Europa. Das Dutzend kleinerer und größerer Kriegszüge, die wir heute in der Rückschau „Dreißigjähriger Krieg“ (1618 - 1648) nennen, war keine ausschließlich deutsche Angelegenheit, sondern rief auch ausländische Mächte auf den Plan.

Der Krieg brachte große Bevölkerungsverluste durch Hunger, Seuchen und Massaker mit sich und hinterließ ein entvölkertes, wirtschaftlich destabilisiertes und politisch relativ machtloses Reich. Politische, religiöse aber auch soziale Auseinandersetzungen führten zu einer europäischen Katastrophe, so dass auf die Verheißungen von Renaissance und Humanismus die Barbarei eines schrecklichen Krieges folgte.

Ein Krieg, der sich auch unmittelbar in Kamen und der gesamten Hellwegregion abspielte. Kamen war eine territoriale Kleinstadt, die wahrscheinlich im Laufe des 13. Jahrhunderts Stadtrechte erhielt. Die folgende Blütezeit ermöglichten auch die Verbindungen der städtischen Kaufleute zum hansischen Handel, wenngleich die spätmittelalterliche Gewerbestruktur wohl mit Ausnahme der Tuchmacher tendenziell auf eine lokalregionale Ausrichtung verweist. Doch bereits Ende des 15. Jahrhunderts lassen sich (aus mehreren Gründen) Stagnationstendenzen erkennen, die durch einen (politischen) Bedeutungsverlust der Stadt innerhalb der Grafschaft Mark noch verstärkt wurden.

Die Spannungen um das Erbe der Grafschaft Mark fanden schließlich parallel zu den Kriegshandlungen statt, welche die Stadt Kamen wohl am stärksten in der ersten Hälfte des Krieges trafen. Wann die Besetzungen und Durchzüge fremder Truppen stattfanden, ist nicht für alle Ereignisse genau belegt. Es fanden aber von 1624-29 „in bunter Folge Durchmärsche statt“, wie die Kamener Zeitung am 3.3.1931 unter der Überschrift „Von Krieg, Seuchen, Not und Tod“ (mit Verweis auf das älteste erhaltene Kamener Kirchenbuch) berichtete. Fremde Truppen, „die hier durch Plündern, Brennen, Schänden und Morden hausten schrecklich.“ Den Heeren folgte „ein Troß von allerlei zweifelhaften Elementen, von Weibern und Kindern (…).“

Bedingt durch den Krieg, aber auch einhergehende Seuchen und etliche Stadtbrände verarmte Kamen wie weite Teile der Hellwegregion über Jahrhunderte. Mitte des 17. Jh.s, nach dem Ende des Krieges, zählte die Stadt gerade einmal 800 Einwohner. Auch die Klagen der Bürgermeister und Räte der „beiden zu Grund ausgemergelten Städte Unna und Camen“ aus dem Jahr 1635 an den Landesherrn hatte das nicht verhindern können. Nur sehr langsam erholte sich das wirtschaftliche, kulturelle und soziale Leben.

Interessant ist, dass eine Episode aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, Kamen mit der deutschen Literaturgeschichte verbindet. Der bedeutend(st)e Schriftsteller der Barockzeit, Christoffel v. Grimmelshausen, beschreibt in seinem Schelmenroman „Simplizissimus“ seinen Gefährten „Springinsfelt“, mit dem er in Soest auf Garnison liegend, viele Streifzüge auch durch die Hellwegregion unternahm. Es handelt sich hier wohl nicht um einen Spitznamen, sondern einen realen Familiennamen, denn das Kamener Stadtarchiv fand in den 1990er Jahren folgende Kirchenbucheintragung vom 17. Dezember 1624: „Spring ins Felt des Soldaten Söhnlein ist Hanß Jürgen genannt.“

Was hat der „große Krieg“ und der folgende Westfälische Frieden“ von Münster und Osnabrück rückblickend gebracht? Sozialgeschichtlich keinen Vorteil, sondern nur Millionen Tote und zum Teil ganze entvölkerte Landstriche. Aber die Niederlande wurden unabhängig (von Spanien), Frankreich und Schweden erhielten Gebietszuwächse (zu Lasten des Reiches) und die deutschen Fürsten erreichten mehr Autonomie vom Kaiser. Außerdem wurde der Friedensvertrag zum Vorbild vieler wichtiger Vertragswerke der nächsten Jahrhunderte. Die ausgehandelte Reichsverfassung hielt über 150 Jahre, länger als alle späteren.

Warum wünschen Menschen zu allen Zeiten, auf allen Ebenen und überall auf der Welt Frieden und warum ist seine Bewahrung auf Dauer nie gelungen? Dazu läuft zurzeit (noch bis zum 02. September) in Münster, der Stadt des Westfälischen Friedens, eine fünfteilige Ausstellung mit dem Titel: „Frieden. Von der Antike bis heute“. Anlass für die interdisziplinären Schau(en) in fünf Museen ist neben dem Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren auch die Schließung des Westf. Friedens vor 370 Jahren.

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775 Jahre Kamener Stadtmauer

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Stadtgeschichte

von Klaus Holzer

Es gab keinen Bebauungsplan, keinen Planfeststellungsbeschluß, keinen Bauantrag, nichts, das uns heute über das größte Bauprojekt in Kamens Geschichte etwas Konkretes berichten könnte. Ein Bauwerk, das schon ganz am Anfang von Kamens Geschichte steht: die Stadtmauer. Wir wissen nicht das genaue Datum, wann sie gebaut wurde, doch gibt es Anhaltspunkte, die uns eine Annäherung erlauben, wie es auch Anhaltspunkte gibt, die uns eine Annäherung an das Datum von Kamens Stadtwerdung erlauben. Wir wissen nicht, ab wann genau Kamen sich „Stadt“ nennen durfte, nehmen aber das Datum des ersten (bekannten) Stadtsiegels von 1284 als das Jahr, von dem an Kamen Stadt war. Es ist aber gewiß, daß 1284 die Stadtmauer längst existierte, Kamen also de facto längst eine Stadt mit allen Rechten war.

Um dem Datum näherzukommen, müssen wir uns zuerst weiter entfernen. Der Anfang des 13. Jh. war eine Zeit voller kriegerischer Auseinandersetzungen. Territorien, und damit Machtverhältnisse, mußten erst noch arrondiert werden.

Territorialstreitigkeiten prägten das gesamte 13. Jh.. Der Erzbischof von Köln, seit 1180 gleichzeitig Herzog von Westfalen, lag im Dauerstreit mit den Grafen von Isenberg-Altena. Einer dieser Isenberger Grafen ermordete den Kölner, wurde im Jahr darauf gefaßt und aufs Rad geflochten. Sein Bruder wollte den belasteten Namen loswerden und nannte sich von der Mark. Doch focht man munter weiter, bis es am 1. Mai 1243 zu einem Friedensvertrag kam. Darin beurkundete Bischof Engelbert von Osnabrück den Vergleich zwischen Dietrich von Limburg und Adolf von der Mark wegen der Isenbergschen Güter. Es wurde u.a. festgelegt, daß Adolf seine Städte Kamen und Hamm (man beachte die Reihenfolge!) befestigen durfte. „Ebenso wird Theodor zu Isenburg keine neue Befestigung errichten oder eine alte wiederherstellen, und auch Graf Adolf wird nichts befestigen außer in Kamen und Hamm,“ heißt es im Friedensvertrag. Man kann also mit Fug und Recht sagen, daß am 1. Mai 2018 unsere Stadtmauer, d.h., der kleine noch vorhandene Rest in der Ostenmauer, 775 Jahre alt wird. Klaus Goehrke geht in seiner Kamener Stadtgeschichte „Burgmannen, Bürger, Bergleute“ sogar so weit, zu sagen: „Der Vertrag vom 1. Mai 1243 kann als Geburtsurkunde Kamens gelten.“

Altstadt KamenKH

Abb. 1:  Die Stadtmauer in ihrer gesamten Länge, aus Theo Simon, Kleine Kamener Stadtgeschichte, Dortmund 1982

Die originale Kamener Stadtmauer war 2,04 km lang, 16 Fuß (etwa 5m) hoch und 3 Fuß (knapp 1m) breit, gerade so hoch, daß man einen guten Blick auf das davor liegende Gelände hatte und die Patrouillen mit ihrer Bewaffnung sicher auf ihr entlang gehen und im Verteidigungsfall auch kämpfen konnten. Und davor waren noch Stadtgräben und palisadenbewehrte Wälle. Kamen war, bevor es Kanonen gab, so gut wie uneinnehmbar. Das kleine, heute noch sichtbare Stückchen Mauer hat nur zwei Meter Höhe. Doch wo sind die restlichen drei Meter geblieben? Nun, Kamen, ist im Laufe seiner Stadtgeschichte 11 mal abgebrannt, und man hat es immer wieder auf den Brandresten aufgebaut. Die drei fehlenden Meter sind also unter der Oberfläche noch vorhanden, unserem Blick verborgen. Was wir sehen können, ist allerdings ein auffälliges Stück aus neuen Ziegeln. Hier mußte eine Bresche repariert werden, die eine Bombe im Februar 1945 in die Mauer geschlagen hatte. Und noch etwas besonderes gibt es hier: an ihrem östlichen Ende wächst das in der homöopathischen Medizin noch heute verwendete Kleine Habichtskraut, soweit bekannt, die einzige Stelle im Kreis Unna.

Man muß sich einmal klarmachen, mit was für einem Aufwand so ein Mauerbau verbunden
war. Eine Mauer wie die Kamener umfaßte ein Volumen von ca.10.000 cbm Stein, der von weither per Ochsenkarren herangeholt, auf der ganzen Länge verteilt, aufs Gerüst gehoben und vermauert werden mußte. Und das alles in nur vier Jahren! Es dürfte deutlich sein, was für eine ungeheure Leistung die Kamener zwischen 1243 und 1247 vollbrachten.

Stadtmauer Kamen heuteKH

Abb. 2:  Das letzte Stück Kamener Stadtmauer

Auch wenn man im MA Latein als lingua franca sprach, die selbstverständlich auch die Sprache der Verträge war und man also wußte, daß pacta sunt servanda, hielten Verträge schon damals nur so lange, wie es den Vertragspartnern opportun erschien. Die latente Rivalität zwischen Köln und den westfälischen Grafschaften brach in den 1270er Jahren wieder auf. Doch die westfälische Front bröckelte. Adolf von Berg söhnte sich mit dem Erzbischof von Köln wieder aus, Eberhard I. von der Mark sah sich zu Verhandlungen gezwungen. Am 15. Juni 1278 schloß man einen Friedensvertrag, in dem Eberhard das Versprechen abgeben mußte, die Stadtmauer u.a. von Kamen zu schleifen. Was Eberhard natürlich gar nicht wollte und auch nicht tat.

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Unser Kamener Maibaum zeigt: Freunde in aller Welt

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Stadtgeschichte

Maibaum418BroschTitelbild: Broschüre "Der Kamener Maibaum zeigt: Freunde in aller Welt" - Bürgerverein Kamener Maibaum

Die neue Broschüre „Unser Kamener Maibaum zeigt: Freunde in aller Welt“ feierte bereits bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung ihre Vorab-Premiere. Autor und Vereinsmitglied Wolfgang Freese hat darin die Kamener Partnerstädte aufgeführt und erklärt. Das fertige Produkt wurde am 27. April im Rahmen der Feierlichkeiten um die Maibaumaufstellung präsentiert. Auf KamenWeb.de erhalten Sie einen Einblick in die Inhalte der neuen Broschüre:

Heute: Montreuil-Juigné

Montreuil-Juigné liegt 10 km nördlich von Angers, der Hauptstadt des Departements Maine-et-Loire. Im Jahre 1974 schlossen sich die Gemeinden Montreuil-Belfroy und Juigné-Béné zur Gemeinde Montreuil-Juigné zusammen. Heute hat Montreuil-Juigné 8.000 Einwohner.

montreuil18www.ville-montreuil-juigne.frErste Kontakte zwischen den Bürgermeistern von Kamen und Montreuil-Belfroy entstanden im Jahre 1965 auf einem Treffen ehemaliger deportierter Zwangsarbeiter in Dortmund. Zunächst bestand die irrige Annahme, dass Montreuil-Belfroy (2.000 Einwohner) und Kamen (20.000 Einwohner) Städte gleicher Größenordnung seien. Dieser Irrtum klärte sich bald auf, konnte jedoch die angeknüpfte Freundschaft nicht trüben. So kam es dazu, dass in Größe, Einwohnerzahl und Struktur so unterschiedliche Städte eine Partnerschaft begründeten.

Am 19. Dezember 1968 beschlossen die Räte beider Städte jeweils einstimmig, die Partnerschaft miteinander einzugehen. Der Austausch der Partnerschaftsurkunden erfolgte im Jahre 1969 in Montreuil-Belfroy.

Die Ziele dieser Partnerschaft sind unter anderem die Festigung bestehender und der Aufbau neuer Kontakte, die Förderung der Verständigung zwischen den Völkern und die Vertiefung des Gedankens an ein vereintes Europa. In diesem Sinne wurde nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Montreuil-Belfroy und Juigné-Béné auch von der neu entstandenen Gemeinde Montreuil-Juigné die Partnerschaft zu Kamen weiter gepflegt und ausgebaut.

An der Mayenne, dem kleinen Fluß, der durch Montreuil-Juigné fließt, finden Gäste einen Campingplatz und ein Schwimmbad. Die Umgebung der Stadt, das nahegelegene Loiretal mit zahlreichen Schlössern und die Stadt Angers bieten interessante Besichtigungs- und Besuchsmöglichkeiten.

Jedes Jahr, z.B. am Himmelfahrtswochenende, treffen sich Vereine und Gruppen aus Kamen und Montreuil zum gegenseitigen Austausch. Langjährige Beteiligte sind die Landwirte, die Musikschule, die Grundschüler, die katholische Kirchengemeinde, Behinderte und Sportler. Auch Sänger, Künstler und Gästeführer aus Kamen beleben die Partnerschaft. Immer im September finden in Montreuil-Juigné „Kamener Tage“ statt. Die Kamener errichten einen deutschen Bierstand, das sogenannte „Café de Kamen“, und bieten deutsche Spezialitäten an.

Jährlich findet ein Schüleraustausch zwischen dem Collège Jean Zay und dem Kamener Gymnasium statt. 2018 wird gemeinsam das 50jährige Partnerschaftsjubiläum gefeiert.

Texte: erstellt auf der Grundlage der Darstellungen der Partnerstädte auf der Homepage der Stadt Kamen, persönlicher Erinnerungen und der Wikipedia-Ortsbeschreibungen. Bearbeitungen: Wolfgang Freese
Ideen: Maibaum: Jürgen Neff Broschüre: Bernhard Büscher
Redaktion: Wolfgang Freese
Literatur und Informationsmöglichkeiten: Homepage der Stadt Kamen und Wikipedia
Layout: Christian Freese
Herausgeber: Bürgerverein Maibaum Kamen

Archiv: Jubiläum: 50 Jahre Städtepartnerschaft mit Montreuil-Juigné

Kamener Maibaum kündet von Freunden in aller Welt

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