Stadtgeschichte(n) am Kamener Maibaum: Als der erste Zug in Kamen einfuhr

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Die Eisenbahn in Camen - Freigabe des Verkehrs am 15. Mai 1847. Schon am 2. Mai 1847 fuhr der erste Personenzug nach Hamm.

Kamen. Der 15. Mai 1847 war für unser verschlafenes Heimatstädtchen ein bedeutender Tag. Die Strecke der Köln-Mindener Eisenbahn, an der Kamen lag, wurde eröffnet, und Kamen erhielt einen eigenen Bahnhof. Enthusiastisch schreibt der Stadtchronist Friedrich Buschmann, daß „die hiesige Stadt jetzt gleichsam in dem Bahnhofe einen Hafen an einem der bedeutsamsten Ströme Europas besitzt“.

Nachdem 1825 in England die erste Eisenbahn für den Gütertransport und 1830 für den Personentransport eingerichtet worden war, fand diese großartige Innovation bald auch in Deutschland großes Interesse (1835 erste Strecke Nürnberg - Fürth) wegen des damit verbundenen wirtschaftlichen Nutzens. 1843 gründeten zukunftsorientierte Unternehmer die „Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft“, an der auch der preußische Staat als Hauptaktionär beteiligt war. 1845 legte die Regierung eine Strecke fest, die von (Köln-) Deutz nach Minden über Dortmund, Kamen, Hamm und Bielefeld führen sollte. Noch im selben Jahr erfolgte auch in Kamen der erste Spatenstich für den Bau. Schon am 2. Mai 1847 fuhr der erste Personenzug nach Hamm. 1846 war die Fünf-Bogen-Brücke vollendet worden, die die Seseke und das sumpfige Mersch-Gelände überquerte. Diese Brücke, auf dem Fundament vieler Eichenstämme errichtet, zählt in nahezu unveränderter Form heute zu den ältesten Eisenbahnbrücken in Deutschland. Mit dem Bau des Stationsgebäudes mit einem Wartesaal für die Reisenden wurde allerdings erst kurz nach der Streckenöffnung begonnen und in den 1850er Jahren fertiggestellt. Es gehört ebenfalls zu den ältesten Gebäuden an der Köln-Mindener Eisenbahnlinie und wurde im klassizistischen Stil nach einem Muster errichtet, das der bekannte preußische Baumeister Karl-Friedrich Schinkel entworfen hatte. Bevor es Kraftfahrzeuge und ausgebaute Straßen gab, war die Eisenbahn das wichtigste Verkehrsmittel auf dem Lande.

Mit der Eisenbahn begann sich auch die Industrie in Kamen rasch zu entwickeln. Einige Betriebe (z.B. das städtische Gaswerk, die Gießerei Jellinghaus, der metallverarbeitende Betrieb Carl Julius Winter, die Schuhfabriken Von der Heide und Henter) siedelten sich in der Nähe des Bahnhofs an, und nach Beginn der Kohleförderung hatte die Bahn für den Transport des „schwarzen Goldes“ an die Verbraucher große Bedeutung. Auch die Post bezog bald ein provisorisches Gebäude in Bahnhofsnähe. Die Bahndämme brachten allerdings auch das Problem des Sesekehochwassers mit sich, das erst durch die Regulierung der Seseke verringert wurde.

(Text: Manfred Böse, Bernhard Büscher, Wolfgang Freese, Hans-Jürgen Kistener, Marlene Siekmann, Bürgerverein Kamener Maibaum aus der Veröffentlichung "Stadtgeschichte(n) am Kamener Maibaum / Fotos: Die Fünf-Bogen-Brücke im Jahr 2017 (oben) / Kamener Maibaum 2017 - KamenWeb.de)

Die Fünf-Bogen-Brücke

170 Jahre Bahnhof: Satanswerk macht mobil

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170 Jahre Bahnhof: Satanswerk macht mobil

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150517100JahreBahnh2Großer Bahnhof am Bahnhof - wo denn auch sonst? Der 15. Mai ist für Kamen ein historischer Tag - exakt 170 Jahre ist es her, dass der Bahnhof eröffnet wurde. Foto: KamenWeb.devon Andreas Milk

Kamen. Großer Bahnhof am Bahnhof - wo denn auch sonst? Der 15. Mai ist für Kamen ein historischer Tag - exakt 170 Jahre ist es her, dass der Bahnhof eröffnet wurde. Für die Gästeführergilde heute Mittag ein Anlass, sich in historische Kostüme zu werfen und einem ganz bestimmten Zug die Aufwartung zu machen. Der kam bloß nicht. Machte aber gar nix - statt dem Regionalexpress auf der geschichtsträchtigen "Originalroute" Köln - Minden zu huldigen, feierten die Heimathistoriker eben eine Eurobahn beim Zwischenstopp auf dem Weg nach Hamm. Manfred Böse kredenzte dem Triebwagenchef ein Fläschchen Kamener Museumswein.  "Aber nicht schon bis Hamm trinken!"

Ach ja - damals. Anno 1847 hatten viele Menschen noch nie eine Lokomotive gesehen. Die Kirche sprach gar von "Satanswerk", berichtete Böse. Frauen seien mit Schüppen auf Vermessungsingenieure der Bahn los gegangen. Aber das Teufelszeug auf Schienen setzte sich durch. Bauern, die unter schlechten Ernten litten, waren froh über Jobs im Eisenbahnbau. Der Bahnhof beförderte Wachstum von Gewerbe und Industrie.

150517100JahreBahnh3v.l.: Jörg Seelmeyer von der DB Station & Service, Manfred Böse (Gästeführer) und Bürgermeister Hermann Hupe. Foto: KamenWeb.deBürgermeister Hermann Hupe dankte den Gästeführern - "unseren Bewusstmachern" - für ein Stück lebendig gewordene Geschichte. Störungen im Betriebsablauf zum Trotz: Den Bahnhof wüssten die Bürger zu schätzen als Garant für Mobilität. Mehr Bahn, weniger Autobahn: Das sei eine gute Sache.

Und Jörg Seelmeyer von der DB Station & Service versicherte, er und sein Unternehmen seien sich der Bedeutung des Kamener Bahnhofs sehr wohl bewusst. 2,8 Millionen Euro seien hier in den vergangenen vier Jahren investiert worden - etwa in Barrierefreiheit. Allein der Lokführer eines wenige Minuten später durchfahrenden Regionalzugs geriet nicht recht in Feierstimmung. Den von Gästeführer Böse angebotenen feinen Tropfen lehnte er ab. Er sei Beamter und dürfe nichts annehmen.

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„Stadtführer Kamen“ des Kulturkreises Kamen erfreut sich großer Beliebtheit

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Stadtgeschichte

stadtführer2 417Kamen. Der „Stadtführer Kamen“ des Kulturkreises Kamen stellte sich als Riesenerfolg heraus. Die Anfangsauflage von 500 Exemplaren war innerhalb einer Woche verkauft. Offenbar wurde hier eine Marktlücke getroffen. Der Erfolg zeigt auch das Bedürfnis der Kamener, mehr über ihre Heimatstadt zu erfahren. Und für den Anfang reicht die in Teil 1 zusammengestellte chronologische Darstellung der Kamener Geschichte allemal, ergänzt durch 16 in zusammenhängender Form dargelegte Themen, ergänzt durch ein Glossar in Teil 2, das wichtige, wiederkehrende Begriffe erläutert. Und für vertieftes Lesen gibt es in Teil 3 eine Bibliographie.

Die sehr ansprechende äußere Aufmachung hat sicherlich dazu beigetragen, die sorgfältig abgestimmte Farbgebung (grau für Geschichte, rot für den Rundgang Nord, blau für den Rundgang Süd, Kunstwerke in Grün), die sich in der Mappe spiegelt.

Dazu kommen die sorgfältig ausgewählten Titelfotos der drei Teile: die gute Stube der Stadt, der Markt; das Wahrzeichen Kamens, der Schiefe Turm; der Fluß, der der Sesekestadt ihren Namen gab. Für die Gestaltung zeichnet Thea Holzer verantwortlich.

Ebenso wichtig ist aber wohl das handliche Format, griffig und komprimiert. Auf einen Stadtrundgang brauche ich eigentlich nur eins der Hefte und den Stadtplan mitzunehmen, die zudem gegen Regen geschützt sind.

Ganz wichtig waren die Kamener Geschäfte, die durch ihre Inserate den sehr günstigen Preis ermöglicht haben, aber auch die Mayersche Buchhandlung, die als regionale Kette sich bereit erklärte, diesen Stadtführer zu verkaufen. Und weil alle Teillieferungen sofort verkauft waren, bestellte die Mayersche Buchhandlung 1000 (!) Exemplare nach. Somit ist für alle Besucher des Kamener  Frühlingsmarktes mit verkaufsoffenem Sonntag ein Exemplar erhältlich.

In dieser zweiten Auflage konnten wir auch noch einen Tippfehler korrigieren, der eine falsche Jahreszahl zur Folge hatte: in Teil 1, unten auf Seite 16, muß es heißen: 9. Januar 1945 statt 1941 (auf Seite 35 unten ist das Datum richtig wiedergegeben).

 

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Kamener Straßennamen: Wimme & Wiemeling

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von Klaus Holzer

Abb. 0. Wimme517KHEine ganz kurze Straße in Kamen heißt „Wimme“. Sie verläuft zwischen der Dunklen Straße im Westen und der Schulstraße im Osten und führt an der Nord–, der Turmseite der Kirche Heilige Familie vorbei. Geht man geradeaus weiter und folgt der Julius-Voos-Gasse weiter nach Osten, trifft man auf den „Wiemeling“.

Zwei merkwürdige Namen, und doch einander ähnlich. Gehören sie etwa zusammen?

Abb. 1FK517KHAbb. 1: Das Eckhaus Wimme / Schulstraße, rechts hinten die Wilhelmschule (vgl. Artikel „Schulstraße“), vermutlich vor 1900. Die Abb. 1 & 2 entstammen dem Büchlein von Fred Kaspar, „Kamen in alten Ansichten“, Bd. 1, Zaltbommel, MCMLXXVIDer Name „Wimme“ geht zurück auf ein mhd. widem(e), das wiederum aus einem ahd. widamo herrührt und in seiner ursprünglichen Bedeutung „Aussteuer“ hieß. Dabei handelte es sich zunächst um die Gabe eines Bräutigams an den Brautvater vor der Eheschließung. Dann merkte man, daß aber vor allem der Ehefrau geholfen werden mußte, da es eher die Regel war, daß der Mann vor ihr starb und die Frau unversorgt zurückblieb. Aus der Zuwendung an den Brautvater wurde also eine an die Ehefrau zu ihrer Versorgung.

Gleichzeitig war ein solches „widum“ das unbewegliche Vermögen einer Kirchenpfründe, in der Regel das Pfarrhaus, das nicht selten das Geschenk eines reichen Gönners an die Kirche war (die Kirche erhob Gebühren für alle möglichen Dienstleistungen, Priester & Pfarrer erhielten, neben einem Gehalt von ihrer Gemeinde, auch Naturalien als Zuwendungen, die Kirchensteuer gibt es erst seit 1919), oft aus seinem Erbe, um sich einen Platz im Paradies zu sichern. Und ihr sonstiges Einkommen mußten sich die Geistlichen sichern, indem sie sogenannte „Stolgebühren“ nahmen, das sind Gebühren für kirchliche Handlungen, zu denen die Stola getragen wurde, z.B. Taufe, Trauung, Begräbnis (es durfte keine Gebühr genommen werden für die Heilige Eucharistie, die Beichte und die letzte Ölung).

Diese beiden Bedeutungen trennten sich im 17. Jh., als mit „widum“ ausschließlich das Pfarrhaus gemeint war. So wissen wir, daß Straßen bzw. Gassen namens „Wimme“ immer Standort eines Pfarrhofs waren.

Abb. 2. Wiemeling

Der Kamener Pfarrer und Chronist Friedrich Pröbsting berichtet in seiner 1901 erschienenen „Geschichte der Stadt Camen", daß zu seiner Zeit die Wimme noch „Wieme“ hieß. Der Zusammenhang dürfte also klar sein: „Wiemeling“ ist die Verkleinerungsform von „Wieme“, so wie es z.B. auch Liebling und Säugling gibt.

Und noch etwas: das mittelalterliche Wort lebt heute noch im Verb „widmen“ weiter und hat in den letzten Jahren eine unerwartete Popularität erlebt: Fußballer etwa „widmen“ ihre Tore ihren Freundinnen oder Neugeborenen.

Abb. 3FK517KHAbb. 2: Der Beginn des Wiemeling, von der Kirchstraße her gesehen, vermutlich 1930er Jahre. Die Abb. 1 & 2 entstammen dem Büchlein von Fred Kaspar, „Kamen in alten Ansichten“, Bd. 1, Zaltbommel, MCMLXXVI

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Neues aus der Arbeit der Ortsheimatpfleger

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buchkaiserau417Neues Heft der Ortsheimatpfleger „Die Häuser der ehemaligen Bergarbeitersiedlung Kaiserau Sektion 1 bis 8“ ist erschienen.Kamen. In der Reihe „Heimatkundliches Bilderbuch für Methler - Westick - Wasserkurl - Kaiserau“, ist ein neues Heft erschienen „Die Häuser der ehemaligen Bergarbeitersiedlung Kaiserau Sektion 1 bis 8“. Ehemalige Bewohner der Sektionen können „ihre“ Wohnung wieder finden und ihren Nachkommen aufzeigen wie die alte Bergarbeitersiedlung Kaiserau aussah, mit ihren Sektionen von 1 bis 8. Außerdem welche Häuser es dort gab und wo sie standen. Das alles mit etlichen Bildern „garniert“, findet man in dieser Broschüre, die es in Methler in den Geschäften Brinkmann (Robert-Koch-Str) und Gatter (Germaniastr.) zu erwerben gibt. Nach dem ausverkauften Heft „Gasthäuser im Stadtteil Methler“ die zweite Veröffentlichung aus dem Kreis der Ortsheimatpfleger.

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Kamener Straßennamen: Der Hanenpatt

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Stadtgeschichte

von Klaus Holzer

hanenpatt1Abb. 1: Blick aus dem Hanenpatt zur Pauluskirche, vor dem Krieg

Kamen. Der Hanenpatt ist eine Torstraße, wenn das Sträßchen heute auch gar nicht mehr danach aussieht. Von der Bahnhofstraße aus gesehen auf der linken Seite, hinter dem kleinen Fachwerkhaus, einem sogen. Gadum1, das zum Hof gehörte, stand bis etwa 1855 zum Schutze des Mühlen– oder Rennentores2 der Burgmannshof der Familie von Hane. Daher kommt der jetzige Straßenname. Der Hof  heißt nach mündlicher Überlieferung auch Elsey– oder Elysenhof.

 Es gab aber vorher schon andere Bezeichnungen für den Weg vom Hanenhof zum Wünnentor* an der „Langen Brücke“ (vgl. Artikel „Am Bollwerk“), z.B. Langebrüggen-Patt, oder Glampatt/Glampfad, Glarenpfad, Wilhelmstraße. „Glamme“ ist eine Nebenform von Klamm/Schlucht, das ist ein tiefer Geländeeinschnitt, in der Regel von einem Gewässer durchströmt, wie es im Gebirge häufig vorkommt.

hanenpatt2Abb. 2: Blick von der Pauluskirche auf Hanenpatt und Klosterstraße, etwa 1946, noch mit Kriegsschäden

Hier war es ein schmaler, sehr tiefer Graben, der das von der Seseke drückende Grundwasser abfing und gleichzeitig ein Teil des Wassergrabens  war, der den Grafenhof und die Severinskirche (Pauluskirche) mit ihrem Kirchhof schützte. Der Weg gehörte bis zur Schließung des Tores zur Langebrüggen-Schicht2, später zur Mühlenschicht.

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