Fußball und Corona

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stadiondoKWWestfalenstadion in Dortmund. Foto: Archiv KamenWeb.de

von Heinrich Peuckmann

Der 8:2-Sieg von Bayern München gegen den FC Barcelona, der alles andere als eine Feld-, Wald und Wiesenmannschaft ist, verdient großen Respekt. Doch, das war Klasse, da ist eine ehemals großartige Mannschaft mit dem noch großartigeren Weltstar Messi nach allen Regeln der Kunst demontiert worden. Auf den Respekt folgt bei weiterdenkenden Fußballfans aber schnell das Erschrecken. Im September beginnt die Bundesligasaison und die Frage stellt sich, wer diese Bayern schlagen soll. Achtmal hintereinander waren sie schon Deutscher Meister, der neunte Titel ist doch so gut wie vergeben. Eine Sportart beginnt seinen Wettbewerb und von allem Anfang an ist klar, wer am Ende gewinnen wird. Was ist da mit Spannung, mit Unwägbarkeiten, neuhochdeutsch Kontingenzen, von denen gerade der Sport seinen Reiz bezieht? Alles ausgehebelt, alles reduziert auf eine nicht erfüllbare Hoffnung.

Die finanzielle Überlegenheit der Bayern erinnert an das Monopolyspiel. Wer die Parkstraße und die Schlossallee mit allen Hotels darauf besitzt, ist nicht zu schlagen. Irgendwann landet jeder Gegner auf einem der beiden Felder und dann ist es aus. Der Fußballer Ansgar Brinkmann, der „weiße Pele“, hat es vor zwei Jahren treffend in einem Bild beschrieben. „Bayern sechsmal hintereinander Deutscher Meister, da ist doch für die Sechsjährigen schon die Kindheit versaut.“ Stimmt. Für diese Kinder hat die Bundesliga keine Spannung zu bieten. Die Klimmzüge der Fußballreporter, aus irgendeiner noch so kleinen Überraschung Spannung zu konstruieren, wirken lächerlich. Aber sie müssen das, denn sie spüren auch, dass ihnen die Felle davonschwimmen und sie bald zum Minderheitenprogramm schrumpfen könnten. Der Reiz, der den Fußball immer ausgezeichnet und der auch meine Begeisterung in der Kindheit ausgelöst hat, ist verschwunden. Der Kapitalismus schafft eben Monopolstrukturen, die nicht zu knacken sind.

Das ist die erste Baustelle, die der Profifußball hat, nämlich Seriensieger, wie etwa auch in Italien und Frankreich. Die zweite besteht in den unglaublichen Ablösesummen und atemberaubenden Gehältern. Da spielt einer unten auf dem grünen Rasen, für den 120 Millionen Euro als Ablöse verlangt werden. Und es gibt Vereine, die diese Summe wirklich zahlen wollen. Gut, der Mann ist nicht schlecht, aber der Verteidiger, der ihm gerade zweimal den Ball abgejagt hat und der schlappe 5 Millionen wert ist, auch nicht. Wer soll solche Summen verstehen? Der Zeitarbeiter etwa oder der Hartz-4-Empfänger, der sich das Eintrittsgeld mühsam absparen musste? Das sind Verhältnisse, die nicht zu begreifen sind. Unter den Fans hat längst ein Grummeln eingesetzt, aber sich deshalb vom Fußball zu trennen, das haben bis jetzt die wenigsten geschafft. Es ist wie bei einem Karussell in voller Fahrt. Wer will da aussteigen?

In diese Stimmung hinein kamen nun Corona und der Lockdown, durch den wochenlang keine Fußballspiele stattfanden. Manch einer hat sich anfangs gefühlt wie ein Alkoholiker auf Entzug. Was soll man mit dem langen Wochenende anfangen? Aber dann setzte langsam, ganz unmerklich ein Umdenken ein. Tatsächlich, es geht auch ohne Fußball mit seinen Riesensummen und seinen vorhersehbaren Ergebnissen. Manche waren erstaunt, was sie alles am Wochenende mit Familie und Freunde machen konnten. Und wie viele schöne Orte es im Umfeld gibt, die man besuchen kann.

Die Geisterspiele toppen das alles noch. Ein leeres Stadion, die Rufe der Spieler, überall zu hören wie bei einem Spiel der Kreisliga C. Und dann bekam das Ganze auch noch lächerliche Züge, wenn nämlich die Spieler nach einem Sieg zur leeren Fankurve liefen und winkten. Bei den Fernsehübertragungen wurden Zuschauergeräusche aus Konserven eingespielt. Höhepunkt war, dass bei einem Spiel von Bayer Leverkusen Fangesänge von Fortuna Düsseldorf eingespielt wurden. Da wurde das Spiel schon wieder interessant, wenn auch unfreiwillig. Und genau in jener Zeit hörte ich erstmals Stimmen selbst von Hardcorefans, die meinten, das alles sei doch nicht mehr der Fußball, für den sie sich interessierten. Eine Entfremdung trat ein. „Du, es geht auch ohne Fußball. Vielleicht bleibe ich langfristig ganz weg.“ Nicht irgendwelche Leute sagten das, sondern Fans, die seit Jahrzehnten kein Spiel ihres Vereins auslassen haben. Haben die Vereinsfunktionäre, die bereit sind, wahnsinnige Summen für einen Spieler auszugeben, das inzwischen gespürt? Ist daher ihr Kampf, wenigstens ein paar Zuschauer zum Spiel zuzulassen, erklärbar, damit die Entfremdung nicht allzu groß wird? Doch, bei einige schon. Ein Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt hat genau diese Sorge formuliert. Die monatelange Trennung der Fans von ihren Stadien könne Spätfolgen haben, prognostizierte der Mann. Sie könnten feststellen, dass ein Wochenende ohne Fußball auch schön sein kann. Gut gedacht. Und, wird sich was ändern? An den Seriensiegen bei den Meisterschaften bestimmt nicht. Die Seriensieger sind es doch, die dank ihrer Rücklagen vergleichsweise glimpflich aus der Krise kommen. Bis jetzt jedenfalls. Die Spaltung zwischen reichen und armen Vereinen hat sich durch Corona sogar noch vertieft.  Riesenablösesummen werden im Moment nicht gezahlt. Woher soll das Geld auch kommen bei Millionenverlusten? Pro Geisterspiel verliert Borussia Dortmund beispielsweise 4 Millionen Euro an Zuschauereinnahmen, kann aber manches doch auffangen durch Merchandising, also Trikotverkauf überall in Deutschland usw, was Vereine aus den unteren Bereichen der Tabelle nicht können.

Aber die Gefahr im Hintergrund ist nicht unterschätzen. Was zählt für Bayern München noch die fünfzehnte oder zwanzigste Meisterschaft in Folge, wenn sich nur noch ein paar Hardcorefans dafür interessieren?

Corona bringt etwas zutage, was schon vorher da war, aber eben unterschwellig, nicht wirklich sichtbar. Aber werden die Fußballfunktionäre die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen? Diese eitlen Typen, die gewohnt sind, wie Staatsgäste behandelt zu werden? Zweifel sind angebracht.

Echter Malocher-Fußball aus Baden-Württemberg

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Heidenheim620cvFans des FC Heidenheim bei einem Gastspiel ihrer Mannschaft in Paderborn. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de

von Christoph Volkmer

Der 1. FC Heidenheim hat erstmals die Relegationsspiele um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga erreicht. Nach dem Motto „Die Tabelle lügt nicht“ steht der Klub dort völlig verdient. Noch beeindruckender sind die Hintergründe des Erfolgs, denn beim Verein von der Ostalb stehen nicht Millionen-Transfers, sondern konstante Arbeit und personelle Konstanten im Mittelpunkt. Im Gegensatz zu manchem Verein aus dem Ruhrpott ist der FCH zudem ein echter Malocher-Klub.

Da sind zum Beispiel Trainer Frank Schmidt oder Kapitän Marc Schnatterer. Letzterer ist jetzt 34 Jahre alt und spielt schon seit 2008 für den Klub, noch ein Jahr länger ist Trainer Schmidt beim Verein im Osten von Baden-Württemberg tätig. Beide hatten Angebote von anderen Klubs, doch sie blieben, weil ihnen Kontinuität wichtiger als ein schneller Karrieresprung war. Beständigkeit steht auch an der Vereinsspitze im Mittelpunkt. Vorstandschef Holger Sanwald durchlebte in den vergangenen 26 Jahren mit dem FCH insgesamt sechs verschiedene Ligen.

„Heidenheim ist Malochen und Arbeiten“, sagt der Coach, der auch in Heidenheim geboren wurde. Glanz, Gloria und Spektakel sucht man hier ebenso vergeblich wie Skandal-Kicker á la Aubameyang und Sancho, auch einen russischen Investor gibt es nicht, statt dessen unterstützen den Klub mittelständische Unternehmen aus der Region.

So ist dem „kleinen gallischen Dorf“ mit bescheidenden Mitteln eine einzigartige Entwicklung gelungen. Diese könnte in den beiden Duellen mit Werder Bremen jetzt seine Krönung finden. Und wenn nicht? Dann wird in Heidenheim einfach weiter gearbeitet, mit dem Ziel, die bisher erfolgreichste Spielzeit 2019/20 dann vielleicht in einem anderen Jahr noch einmal zu übertreffen. Schön, dass es solche Vereine im Profi-Fußball noch gibt!

Der Wähler bockt? - Das Los entscheidet!

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muster stichwahl2018von Andreas Milk

Kamen. Reichlich Kommentare in den sozialen Medien - reichlich Zuschauer bei den Podiumsdiskussionen der Kandidaten: Das Interesse an der Kamener Bürgermeisterwahl schien hoch. Aber vielleicht war's ja so eine Filterblasengeschichte. Jedenfalls blieben am 17. Juni sechs von zehn Wahlberechtigten zuhause, im Biergarten, im Freibad und wer weiß wo.

Diesen Sonntag nun ist Stichwahl: Es geht um die Entscheidung zwischen der SPD-Kandidatin Elke Kappen und Tanja Brückel, die von CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern aufgestellt worden ist. Kappen holte im ersten Wahlgang 45 Prozent der Stimmen - Brückel 30.

Welche der beiden Frauen auch immer gewählt wird: Ihr wäre zu wünschen, tatsächlich von einer Mehrheit der Bürger ins Amt gebracht worden zu sein - nicht nur von einer Mehrheit innerhalb der kleinen Minderheit, die sich die Mühe gemacht hat, wählen zu gehen. Vielleicht kann das hier zur Motivation beitragen: Bei exakt gleicher Stimmenzahl für Brückel und für Kappen würde das Los entscheiden. Kein Scherz! Wenn die Bevölkerung sich nicht entscheiden kann, darf so ein Rathaus schließlich nicht führungslos bleiben.

Ich habe da so ein statistisches Bauchgefühl, das mir sagt: Je höher die Wahlbeteiligung, desto niedriger die Gefahr, dass am Ende gelost werden muss. Denn: Wenn 10 Leute zwischen zwei Bewerbern wählen, ist das 5-zu-5-Risiko recht groß. Wenn aber 10.000 Leute wählen, ist das 5.000-zu-5.000-Risiko recht klein.

Drum: Wählen gehen! Mal ehrlich: Möchte sich unter uns Nicht-Bürgermeistern irgendjemand nachsagen lassen, seinen Job doch bloß in der Lotterie gewonnen zu haben? - Na also.

Wahl abgesagt: Zwei Chefinnen fürs Rathaus - April, April!

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rathaus17KWvon Andreas Milk

Kamen. Vereinte Frauen-Power für Kamen: Statt noch Monate Wahlkampf gegeneinander zu führen, tun sich Elke Kappen und Tanja Brückel zusammen. Erstmals in der Geschichte der Stadt Kamen wird der Bürgermeisterposten ab August per Job-Sharing besetzt. Die Wahl am 17. Juni ist entbehrlich - und deshalb abgesagt.

Ein Bündnis aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern hatte "Familienbande"-Chefin Brückel aufgestellt, etwas später folgte die SPD mit der Ersten Beigeordneten Kappen. Klar schien damit: Ab Sommer sitzt eine Frau auf dem Rathaus-Chefplatz.

Während Unterstützer und Gegner der beiden Kandidatinnen sich in den sozialen Medien beharkten, waren Tanja "Tanne" Brückel und Elke "Kappe" Kappen längst viel weiter. "Bei unseren heimlichen Treffen haben wir eine Menge Gemeinsamkeiten gefunden", sagt Brückel. Ihren Anfang genommen hatte die Allianz am 11. März - bei der feierlichen Ratssondersitzung zum 50-jährigen Stadtjubiläum (KamenWeb.de berichtete). "Wir kamen mit der NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach ins Gespräch", berichtet Kappen, "sie bot auch die entscheidende Hilfe an." Soll heißen: Scharrenbach - zuständig auch für Kommunales - sagte die Änderung der NRW-Gemeindeordnung zu. Erst so wird die Teilung des Bürgermeisterjobs juristisch wasserdicht.

Wie diese Aufteilung im einzelnen funktionieren wird - darüber wollen die Frauen noch im Detail reden. Am sinnvollsten scheint beiden derzeit ein tageweiser Wechsel. Vorteilhaft ist das etwa bei langwierigen Ratssitzungen: Wer bis spät abends im Sitzungssaal zubringt, bleibt am nächsten Tag halt zuhause. Andererseits: Stehen zwei dringende Termine zeitgleich an, kann "die" Kamener Bürgermeisterin bei beiden zugegen sein.

Auch der Beitrag eines Mannes zu diesem landesweit (noch) einzigartigen Modell soll nicht unerwähnt bleiben: Jonas Büchel, bisher als dritter Bewerber im Spiel, zog sich angesichts des übermächtigen Frauenbündnisses zurück. "Es ist an der Zeit, sich von patriarchalischen Strukturen zu lösen", sagte er uns. Seine offizielle Verzichtserklärung zum 1. April war formale Voraussetzung für die offizielle Absage des Juni-Wahltermins schon an diesem Ostersonntag. Büchel, dem der Kampf gegen Leerstände in der City Herzenssache ist, hat ebenfalls einen Verbündeten aufgetan: den scheidenden Bürgermeister Hermann Hupe. "Wir machen erst mal zusammen eine Kneipe auf. Zack, ein Leerstand weniger! Alles weitere - abwarten."

Festnetzausbau der Telekom verzögert sich - warum bloß?

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Telekombaustelle218CVAktuell stoppt die Kälte auch den Festnetzausbau der Telekom. Foto: Christoph Volkmer für KamenWeb.de von Christoph Volkmer

Kamen. Minustemperaturen sorgen derzeit an vielen Baustellen für eine wetterbedingte Zwangs-Auszeit. Auch die Arbeiten der Telekom, die nach Stationen unter anderem in Südkamen und im Kamener Osten nun im Bereich der Innenstadt ihr Netz ausbaut, indem Kupfer- durch Glasfaserkabel ersetzt werden, kommt wegen Frost und Kälte aktuell nicht weiter. Ebenso hapert es derzeit etwas bei der Kommunikation des magentafarbenen Kommunikations-Unternehmens.

So ist es trotz mehrerer schriftlicher und fernmündlicher Versuche seit der vergangenen Woche nicht geglückt, eine Auskunft von der Presseabteilung darüber zu bekommen, warum das im September vergangenen angekündigte schnelle Internet für 23.350 Haushalte statt Ende März nun erst Ende September diesen Jahres verfügbar sein wird.

Dies ist anhand einer vom Unternehmen bereitgestellten Karte erkennbar, auf der die bereits ausgebauten Gebiete sowie die aktuellen Baumaßnahmen mit einem Vorlauf von rund drei Monaten zu erkennen sind.

Vielleicht sind die entsprechenden Mitarbeiter ja alle derzeit beim großen Treffen der Mobilfunk-Branche in Barcelona im Einsatz und deshalb eben einmal nicht immer und überall erreichbar?

Update (01.03.2018, 20:31 Uhr):
Eine Woche nach der ersten Anfrage hat das Unternehmen nun geantwortet.
Demnach ist aktuell in Heeren ein Großteil des Tiefbaus abgeschlossen. Hier wurden bereits vier Kilometer im Spülbohrverfahren erschlossen und über fünf Kilometer Glasfaser eingezogen, sowie zwölf Multifunktionsgehäuse aufgestellt. Im weiteren Verlauf wird das Unternehmen zunächst die Stadtmitte und dann die Bereiche in und um Westick, Kaiserau und Methler erschließen. „Zeitgleich haben wir bereits im Süd-/Östlichen Teil von Kamen mit den Spülbohrarbeiten begonnen und arbeiten uns im weiteren Vorlauf in den Kamener Norden“, so der Sprecher weiter.
Der eigentliche Baubeginn habe sich wegen aufwändiger Plan- und Genehmigungsverfahren von Oktober auf Januar verschoben. „Wir und die Stadt Kamen versuchen, bis September das Stadtgebiet erfolgreich erschlossen zu haben“, teilt die Telekom weiter mit.

 

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