Ein starkes Zeichen: Ehrenamtliche aus DRK-Ortsvereinen unterstützen Pflegeheime über die Feiertage mit mehr als 1.000 Schnelltests

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Gesundheit

Kreis Unna. 1.062 Covid19-Schnelltests in 17 Tagen – das ist die Bilanz der DRK-Ortsvereine im Kreis Unna bei der großen „Feiertags-Schnelltest-Aktion“ in lokalen Pflegeheimen. Insgesamt 84 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer waren dafür vom 21. Dezember bis 6. Januar in 12 stationären Pflegeeinrichtungen innerhalb des Kreises unterwegs.

Vor Ort leisteten sie nicht nur 154 Einsatzstunden, sondern sorgten mit jedem einzelnen Schnelltest dafür, dass Familien sich über Weihnachten persönlich treffen und Kinder oder Enkel ihre Eltern oder Großeltern besuchen konnten. Dabei wurden hauptsächlich Besucher*innen, aber bei Bedarf auch Personal und Bewohner getestet.

Ziel der kurzfristig anberaumten Aktion war es, Besucher- und Bewohner*innen sichere Feiertagsbesuche zu ermöglichen und die stark eingespannten Pflegekräfte in der besonders besucherintensiven Zeit möglichst gut zu entlasten.

„Mein Dank gilt jeder einzelnen Helferin und jedem einzelnen Helfer, die über die Feiertage ihre eigenen Festtagestraditionen und Bedürfnisse hintenan gestellt haben, um anderen Menschen zu helfen und Pflegebedürftigen ein sicheres Weihnachtsfest im Kreise ihrer Liebsten zu ermöglichen. Es ist absolut nicht selbstverständlich, die persönliche Familienzeit zu opfern, um Mitmenschen eine Freude zu machen“, war der Vorstandsvorsitzende des DRK-Kreisverbandes Unna, Michael Makiolla, beeindruckt vom großen Einsatz der Ehrenamtlichen.

„Einer der bisher umfangreichsten ehrenamtlichen landesverbandsweiten Einsätze in der Corona-Krise“, Dr. Fritz Baur, als Präsident des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe, auf dessen Gebiet über die Feiertage insgesamt rund 17.000 Schnelltests durchgeführt wurden. „UnsereEinsatzkräfte sind herzlich empfangen worden, die Einrichtungen haben sich über die Hilfe gefreut, die Atmosphäre war entspannt.“

Das konnten auch die Helferinnen und Helfer vor Ort nur bestätigen, die sich zum Dank über liebevoll gestaltete Karten, Kuchen und viele nette Worte freuen durften. Und auch der Spaß kam trotz allem Ernst der Lage nicht zu kurz, wie ein kleines Video auf der Facebook-Seite des Schwerter DRK-Ortsvereines zeigt. So nutze Helfer Alex in seiner kurzen Pause direkt das bereitstehende Klavier im Speiseraum, um ein kleines Ständchen für Helfer*innen und zu testende Besucher*innen zu geben.

Autobahn Westfalen: Einsatz für Säge und Häcksler

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autobahn19KWDortmund/Hagen. Die Säge lässt die frischen Späne wie Funken fliegen. Stamm für Stamm fällt und auch das Buschwerk rund um das kleine Wäldchen in der Abfahrt der A45 ist nach wenigen Schnitten frisch frisiert. Gehölzpflege an der Strecke: Tagesgeschäft für die Straßenwärterinnen und Straßenwärter der Autobahn Westfalen – wenn der Schneepflug in der Fahrzeughalle stehen bleiben kann.

Von Oktober bis Ende Februar nehmen die Meistereien die Randstreifen, Abfahrten und auch den Bewuchs in den so genannten Ohren der Autobahnkreuze ins Visier. Gehölzpflege dient dabei allein der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. „Bäume dürfen nicht zur Gefahr werden, Äste und Sträucher müssen für einen freien Blick zurückgeschnitten werden“, erklärt Jörg Nolte, als Abteilungsleiter Betrieb in der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH für die Unterhaltung der Strecken zuständig. Abschnitt für Abschnitt wird das „Straßenbegleitgrün“ von den Mitarbeitern gepflegt. Ziel dabei ist, vor allem Altbestände mit einem hohen Anteil an Totholz so zurückzuschneiden, dass sie einem „stufigen Aufbau“ entsprechen. Direkt neben dem Standstreifen schließt sich dabei eine Grasfläche an, dann folgt niedriges Buschwerk und erst im zurückliegenden Bereich einer Böschung stehen die höheren Bäume. „So reduzieren wir die Gefahren, die von abbrechenden Ästen oder auch umstürzenden Bäumen ausgehen können“, sagt Nolte. Eine Gefahr, die mit den Klimaveränderungen größer geworden ist. „Wir registrieren immer mehr kranke und abgestorbene Bäume“, erklärt der Fachmann. Mit der Folge, dass sich in den vergangenen zwei Jahren an die reguläre Gehölzpflege-Saison Monate angeschlossen haben, in denen die Säge nicht mehr weggepackt werden konnte. „Wir haben immer wieder so genannte Gefahrenbäume fällen müssen“, so Nolte. Kranke Eschen, vertrocknete Birken, Ahorn mit einem Pilz: „Die Bäume leiden unter der Trockenheit und sind anfälliger für Krankheiten.“

Lars Nielsen und Markus Siepmann, Straßenwärter der Autobahnmeisterei Hagen, sind in diesen Tagen zu zweit an der A45 unterwegs, um in Abfahrten die Sichtachsen freizuschneiden und in Böschungen einzelne Bäume zu fällen. Stück für Stück arbeiten sie sich durch den Bestand – abseits vom Verkehr. Dort, wo die Arbeiten den Verkehr massiv behindern würden oder der Bestand weit in die Höhe gewachsen ist, werden in der Regel Fällkräne von beauftragten Firmen eingesetzt, damit die Arbeiten schneller vorangehen. „Wir arbeiten außerhalb der Stoßzeiten“, betont Jörg Nolte. „Und wenn es auf einer Strecke durch unsere Arbeiten doch zu einem erheblichen Stau kommt, geben wir die Spur kurzfristig frei.“ Der Mitarbeiter der Autobahn Westfalen wirbt dennoch auch um Verständnis bei den Verkehrsteilnehmern, wenn es wegen der Gehölzpflege einmal stockt: „Wir sorgen dafür, dass alle sicher ankommen.“

Ein Vierteljahrhundert Herzblut für die Ökologiestation

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oekosAgnesTeuwen0121Bergkamen. Eine „gute Seele“ feiert 25jähriges Jubiläum. Überrascht, denn daran gedacht hatte sie nicht, nahm Agnès Teuwen den Dank des Umweltzentrum Westfalen entgegen. Anlässlich dieses Lichtblicks erhielt die Jubilarin einen Blumenstrauß und Geschäftsführer Ralf Sänger gratulierte sich und dem Umweltzentrum zu dieser tollen Kollegin.

Für Agnès Teuwen fing es vor über 25 Jahren damit an, für das Umweltzentrum Westfalen  einen „Naturerlebnisführer Wasser“ zu erstellen. Dass sich daraus eine länger währende Tätigkeit entwickeln sollte, was damals noch nicht absehbar.

Mit dem Projekt „Grüner Rucksack“ wurde dieser Schritt 1996 begonnen. À la carte-Angebote im Naturerlebnisreise- und Exkursionsbereich verbergen sich hinter diesem Titel. Früher noch selber mit im Boot, auf dem Rad und in den Wanderstiefeln, haben die Reise- und Exkursionsbegleitungen längst weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen übernommen. Eines verbindet alle Angebote – der Bildungsauftrag in Sachen Natur, die erlebnisorientierte unmittelbare Erfahrungs- und Wissensvermittlung. Dass dabei durchaus auch Kreativität eine Rolle spielen kann, zeigen die Naturfotografie- und Naturmalereiangebote.

„Über derartige Attraktivitätsangebote“ erreichen wir Menschen, die vielleicht ansonsten nicht unbedingt zu einer „klassischen Ökologiestation“ kommen würden. Diese erfahren dann – zumeist ganz erstaunt – was hier bei uns noch so alles los ist“, so Ralf Sänger, der weiter ausführt „Ohne Agnès Teuwen läuft wenig bei uns; sie ist für die gesamte Veranstaltungsorganisation verantwortlich. Dass wir bei Schulen, Kindergärten, Naturschutzgruppen, Verbänden, Behörden und zahlreichen anderen Menschen mittlerweile so beliebt sind, liegt maßgeblich auch an ihrer liebevollen Hand und ihrer großen Flexibilität.“

Zur Zeit besteht – coronabedingt – der Handlungsbedarf eher in der Rückabwicklung von Veranstaltungsbuchungen sowie der Erstellung von Konzepten für die Zeit, wenn es endlich wieder losgehen kann, damit man schnell handlungsfähig ist.

„Wir haben im letzten Jahr – so lange es ging – mit ausgeklügelten Hygienekonzepten so viel durchgeführt wie wir konnten, und Schulen und Kindergärten haben es uns gedankt“, so Sänger weiter „wir sind voller Zuversicht, dass wir diesen Zustand bald wieder erreichen.“

Fußgängerbrücke am Mühlentorweg ist da - aber noch nicht begehbar

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Neue Bruecke 01 0121CVDie neue „Beeskower Brücke“ ist am Freitagvormittag erfolgreich eingependelt worden. Fotos: Christoph Volkmer für KamenWeb.de

von Christoph Volkmer | Fotostrecke >>>

Neue Bruecke 02 0121CVDer Stahlüberbau passt - bis die Brücke überquert werden darf, wird es noch Wochen dauern.Kamen. Zwei Tage später als geplant ist am Freitag die neue Fußgängerbrücke über der Seseke eingeschwenkt worden. Das hat ohne Probleme funktioniert. Bis die neue und breitere Verbindung zwischen Mühlentorweg und Sesekedamm von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden kann, wird es aber noch einige Wochen dauern. 

Probleme mit der Genehmigung des Schwerlasttransports führten zur zweitägigen Verspätung der Aktion, die am Freitagvormittag bei eisigen Temperaturen einige Schaulustige anlockte. „Schade, dass wir jetzt so eine Autobahnbrücke bekommen, die Holzbrücke hatte deutlich mehr Charme“, kommentierte eine Augenzeugin die Installation der neuen Brücke etwas enttäuscht. Deutlich positiver fiel die Einschätzung der jüngsten Zuschauer aus. „Wir haben davon gelesen, dass die Brücke heute angebracht wird und da wollten wir mal schauen, wie das so aussieht“, sagte Marianne Lewwe, die ihre Enkel Leni, Lui und Henry mitgebracht hatte. Besonders Henry, der im Januar erst seinen sechsten Geburtstag gefeiert hat, verfolgte das Spektakel mit der durch den Einsatz eines Krans fliegenden Brücke interessiert. „Das war spannend“, bestätigte das Kindergartenkind auf Nachfrage.

Zufrieden blickte auch Axel Sandorf, zuständiger Mitarbeiter der Stadt Kamen für Brückenbauwerke, auf die komplikationslose Anbringung des knapp zehn Tonnen schweren und elf Meter langen Überwegs: „Es hat - abgesehen von den zwei Tagen Verzug - alles gut geklappt.“ Schon recht schnell stand beim Einpendeln fest, dass der Stahlüberbau exakt in den Betonunterbau passt. „Man muss immer mit Fehlern rechnen und manchmal erlebt man die auch - heute aber hat alles gepasst“, so Sandorf. Die Kosten für die Brücke beziffert der Experte auf etwa 300.000 bis 350.000 Euro.

Die neue Brücke soll mindestens 70 bis 110 Jahre halten. So lange dient der Überweg auch als ein Bekenntnis zur Städtepartnerschaft mit Beeskow, denn die Brücke ziert nicht nur das Kamener Wappen, sondern auf der östlichen Seite auch das der Partnerstadt in Brandenburg. Folglich wird das Brückenbauwerk künftig weiter den Namen „Beeskower Brücke“ tragen.

Bis die Brücke offiziell freigegeben werden kann, wird es noch ein paar Wochen dauern. Wie berichtet, stehen unter anderem die Wiederherstellung der Böschung, die Anbringung von Treppen und die Pflasterung des Bereichs vor der Brücke an. „Das dauert normalerweise drei bis vier Wochen, aber bei den aktuellen Witterungsbedingungen würde ich eher von sechs bis acht Wochen ausgehen“, vermutet Sandorf.

Die neue Brücke am Unkeler Weg wird ähnlich aussehen wie die neue am Mühlentorweg, ist nur etwas länger. In zwei Wochen soll an dieser Baustelle der Stahlrohrbau fertig sein, bis der Überweg angebracht werden kann, wird es nach der Einschätzung von Sandorf noch dauern. „Wenn da demnächst die Betonarbeiten anstehen und wir immer noch Minustemperaturen haben, wird das dementsprechend länger dauern. Aber daran kann man zu dieser Jahreszeit nichts ändern“, so Volker Heine von der Firma Werner Bauingenieure, der für die Bauüberwachung der neuen Brücke vor Ort war. Fotostrecke >>>

Archiv: Sesekebrücken werden erst im ersten Quartal 2021 fertig

 

Neue Bruecke 03 0121CVMarianne Lewwe verfolgte vom Sesekedamm aus zusammen mit ihren Enkeln interessiert das Spektakel.

Rückbauarbeiten an der Bergkamener Nordfeldstraße beginnen am Montag

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Kreis Unna. Die von der Wirtschaftsförderung Kreis Unna (WFG) beauftragte Freimuth Abbruch & Recycling GmbH wird am kommenden Montag, 18. Januar, mit dem weiteren Rückbau einer Lagerhalle und eines Verwaltungsgebäudes sowie der dazugehörigen Fundamente an der Nordfeld-straße, auf der einstigen Hoffläche Schulze-Bergcamen, beginnen. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten Ende März abgeschlossen sein werden“, erklärt WFG-Prokurist Christoph Gutzeit. Er bittet mögliche Lärmbelästigungen durch die Abbrucharbeiten zu entschuldigen.

Die WFG plant, vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kreis Unna und die politischen Gremien der Stadt Bergkamen, ein kleines Wohngebiet auf der bisher stark versiegelten Fläche.

Stadtgeschichte: Die Pest in Kamen

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pestKH0121 1von Klaus Holzer

Seit fast einem Jahr leiden wir unter Corona, einer Pandemie, die 2018/19 in China ihren Anfang nahm, viel zu weit weg, als daß sie uns hätte berühren können, wie wir damals glaubten. Doch dann erwischte sie uns mit aller Macht und legte alles Leben, so wie wir es kannten, monatelang lahm. Die Pandemie zu bestehen, gar zu überwinden, hilft uns die Wissenschaft, die Naturwissenschaft vor allem. Ihr ist es gelungen, das Virus, seine Wirkung und seine Verbreitung, zu entschlüsseln, es weitgehend zu verstehen. Sie hat sogar inzwischen ein Gegenmittel, einen Impfstoff, entwickelt, der verspricht, die Seuche zu überwinden. 

Damit sind wir in einer vergleichsweise glücklichen Position gegenüber unseren mittelalterlichen Vorfahren. Sie standen der Seuche ihrer Zeit, der Pest, hilflos gegenüber. Sie nannten sie „Pestilenz“ und den „Schwarzen Tod“. 

pestKH0121 4Abb. 4: Der schwarze Tod

Mangels naturwissenschaftlicher Kenntnisse nahmen sie an, Gott habe die Seuche geschickt, um den Menschen für sein sündiges Verhalten zu bestrafen. Daher lag denn auch die einzige Möglichkeit der Heilung in verschiedenen Arten von Buße, um Gott wieder versöhnlich zu stimmen: man ließ Messen lesen, sammelte Almosen, führte Prozessionen und mehrtägige Altargänge durch und hielt strenges Fasten ein. 

pestKH0121 5Abb. 5: Die GeißlerSchwärme von Geißlern zogen überall durch die Straßen und schlugen sich mit ihren Geißeln blutig, die härteste Buße. Die meisten dieser Maßnahmen führten jedoch zu einer weiteren Verbreitung der Pest, weil fast immer große Gruppen von Menschen zu dieser Art von Buße zusammenkamen. Und die hygienischen Verhältnisse im allgemeinen waren katastrophal.

pestKH0121 6Abb. 6: Juden als SündenböckeEine weitere Art, diese Seuche zu bekämpfen, bestand darin, einen Sündenbock zu suchen. Nach einem Pestausbruch entstand sehr schnell das Gerücht, die Juden seien schuld. Sie hätten die Brunnen vergiftet, um alle Christen zu ermorden, Kinder rituell geschlachtet und deren Blut getrunken und, vor allem, sie seien für den Tod Jesu verantwortlich. Befeuert wurden die folgenden  Pogrome durch die Tatsache, daß die jüdischen Gemeinden von der Pest nur relativ wenig betroffen waren. Daß das an der wesentlich besseren Hygiene der Juden lag, ahnte man nicht.

Die erste große Pestwelle in Westeuropa begann 1347 in Genua, aus Asien eingeschleppt von genuesischen Händlern und Seeleuten, umgehend nach Marseille und Barcelona weitergetragen. Bis 1352 erreichte sie fast ganz Europa (Corona reist heute nicht per Segelschiff, sondern mit dem Flugzeug und ist entsprechend schneller. Obendrein haben wir heute eine digitale Informationsverbreitung, die uns das Weltgeschehen in Echtzeit miterleben läßt). Sie hatte eine verheerende Wirkung und rottete mancherorts bis zur Hälfte der Menschen aus, im Durchschnitt wohl etwa 40% der europäischen Bevölkerung. 

pestKH0121 7Abb. 7: Die Pest entvölkert ganze LandstricheImmerhin kam man in Venedig schon 1374 zu der Einsicht, daß man die Erkrankten isolieren müsse, wenn auch sowieso niemand den Kontakt mit ihnen suchte (Venedig war auch die erste Stadt, die 1423 ein Pestkrankenhaus einrichtete). Es wurde eine Meldepflicht eingeführt, die Erkrankten isoliert. In der Regel dauerte diese Isolation 40 Tage1, auf italienisch „quaranta“, bald danach griffen die Franzosen diese Idee auf und nannten sie „quarantaine“, woher unser heute gebräuchliches Wort Quarantäne stammt. Die Toten wurden so schnell wie möglich in Massengräbern beerdigt. Die Situation war schlimm, doch wird der mittelalterliche Mensch auf den Schwarzen Tod mit mehr Gelassenheit reagiert haben, als wir uns das heute vorstellen können, gab es doch so viele Gründe für einen frühen Tod, von der hohen Kindersterblichkeit bis zu vielen Krankheiten, Mangelernährung, den häufigen Unfällen, oft schlechter, weil eintöniger Ernährung, meist Getreidebrei, mangelhafter medizinischer Versorgung, der soziale Stand und Krieg waren alltägliche Risiken. Die meisten Menschen erreichten nicht 50 Lebensjahre. Außer Aderlaß und Astrologie gab es kaum etwas, das den Ärzten zur Verfügung stand. Sie wußten es einfach nicht besser.

pestKH0121 8Abb. 8: Der Pestarzt schützt sich mit dieser speziellen Maske, die mit Essig getränkt und mit Kräutern gefüllt warDie Pest breitete sich in fast ganz Europa aus, auch Kamen blieb nicht von ihr verschont. Wir wissen nicht, ob sie unsere Stadt noch im 14. Jh. erreichte. Lt. dem ersten Stadtchronisten Friedrich Buschmann dauerte es ungefähr 230 Jahre, bis sie Kamen heimsuchte, dann aber heftig. 

Bis zur Mitte des 15. Jh. war Kamen eine wohlhabende und mächtige Stadt, für damalige Verhältnisse bevölkerungsreich, etwa 1500 - 1600 Einwohner. Sie genoß Privilegien, die die Grafen von der Mark ihr eingeräumt hatten und pflegte gute Beziehungen zur Hanse, nach Lübeck vor allem, wo Kamener Kaufleute wichtige Händler waren und einige es sogar in den lübischen Senat schafften. Kamen war, nach Hamm, die zweitwichtigste Stadt in der Grafschaft. Wöllner und Weber schufen Reichtum, weil sie ihre Tuche über die Hanse auf dem Weltmarkt anboten, schon früh die Globalisierung des Handels nutzten und vorantrieben.

Die glänzenden Aussichten wurden jäh zunichte gemacht, als 1580 zum ersten Mal die Pest hier ausbrach. Es ist nicht bekannt, wie viele Leben sie forderte, es ist keine Chronik, kein Kirchenbuch auf uns gekommen, das Genaueres festgehalten hätte. Das älteste noch vorhandene Kamener Kirchenbuch beginnt 1620, aus dem wir freilich das Grauen der folgenden Jahre erfahren.

pestKH0121 9Abb. 9: Marodierende Soldaten im Dreißigjährigen Krieg1624 begann der Dreißgjährige Krieg, unter dem Kamen entsetzlich leiden sollte. Es gab Durchmärsche, Einquartierungen, es waren Kontributionen zu entrichten, Plünderungen zu erleiden, kurz, Kamen verarmte. Und als wäre der Krieg nicht schon genug der Last gewesen, brach im Jahre des Kriegsbeginns die Pest aus und forderte 267 Tote. Und das bei einer Bevölkerung von etwa 1600 Personen! Innerhalb eines Jahres starb an der ersten Pestwelle also etwa ein Sechstel der hiesigen Bevölkerung! 1625 starben weitere 209, 1626 noch einmal 115 Einwohner. Das bedeutet, daß Kamens Bevölkerungszahl von ca. 1600 auf ca. 1000 zusammenschmolz, über ein Drittel aller Kamener starb in nur drei Jahren an der Pest!

pestKH0121 10Abb. 10: Beerdigung von PestopfernUnd 1636 erfolgte ein weiterer Ausbruch, der weitere 213 Leben forderte. Buschmann berichtet 1841, daß am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) „die Einwohnerzahl der Stadt auf die Hälfte zusammengeschmolzen“ war. 1673 starben in Kamen und im Kirchspiel noch einmal 400 Menschen. Solchen Verlust kann keine Geburtenrate ausgleichen, die im 17. Jh. in Kamen im Durchschnitt 60 betrug (so der zweite Stadtchronist Friedrich Pröbsting). Noch 1722 hatte Kamen mit 1.413 Einwohnern nicht wieder die Zahl von vor 1624 erreicht. Erst 1816 sind es mit 1.941 Einwohnern deutlich mehr. Die Auswirkungen der Pest auf die Demographie, und damit die Wirtschaft, waren enorm.

Kein Wunder, daß Kamen seine starke wirtschaftliche Stellung in der Grafschaft Mark nicht länger behaupten konnte, nachdem es schon 1492 auf den dritten Platz hinter Unna abgerutscht war. Jetzt ging es weiter bergab, bis ins Mittelfeld, doch blieb die Stadt mit ihrer Bevölkerungszahl immer noch weit vor z.B. Bochum (!). Knapp gesagt: Kamen war verarmt. „So fand sich denn am Schlusse jenes grauenvollen 30jährigen Krieges die hiesige Stadt fast aller ihrer Besitzungen beraubt und mit Schulden belastet, und die gesamte Bürgerschaft war allmählig verarmt.“ (Buschmann) Die Stadt mußte den größten Teil ihres Grundbesitzes notverkaufen, „ganze Reihen von Häusern [waren] ohne Bewohner, die entlegenen Ackergründe [blieben] culturlos liegen, und große Flächen Ackerland in der Reck-Camenschen Gemeinheit bewaldeten“ (Buschmann). 

pestKH0121 11Abb. 11: Das Siechenhaus vor Dassow in Mecklenburg-VorpommernImmerhin, schließt Buschmann, gab es in der Gemeinde Overberge einen kleinen Kirchenkotten, Siechenhaus genannt, der, von der evangelischen Kirche unterhalten, für die Aufnahme von Kranken bereitstand und wohl aus der Pestzeit stammte. Man kümmerte sich trotz der immer bewußten Risiken um seine Pestkranken, wenn auch, weise, weit außerhalb der städtischen Bebauung.

pestKH0121 12Abb. 12: Aus der mittelalterlichen Seuchenerfahrung griff das Barock das clunianzensische memento mori wieder auf

Und zu all diesem Unglück aus Pest und Krieg kamen damals immer noch verheerende Stadtbrände. Zwischen 1250 und 1712 brannte Kamen elf Mal. An Pfingsten 1452 blieben nur die Kirche, das Rathaus und 20 Häuser stehen, alles andere brannte nieder. Und Heilung und Rettung suchten die Menschen in der Buße. Allerdings gibt es auch heute noch religiöse Gemeinschaften, die der Medizin mißtrauen und Gebete für das einzige Gegenmittel halten. Und wenn sie nicht helfen sollten, nun, dann hat Gott anderes mit einem vorgehabt.

pestKH0121 13Abb. 13: Ein besonders schönes Beispiel des memento mori: der freundlich lächelnde, ekstatisch tanzende, äußerst lebendige TodEin Blick in Kamens Historie relativiert unser Leid vielleicht doch etwas.

Fußnote:
1 Die Dauer von 40 Tagen bestimmt sich wohl aus der Bibel: Jesu Versuchung; die Sintflut; Noah; Auszug des Volkes Israel aus Ägypten; Moses auf dem Berg Sinai; die Fastenzeit; die Zeit zwischen Auferstehung und Himmelfahrt: immer handelt es sich um einen Zeitraum von 40 Tagen, der Gelegenheit zu Buße und Besinnung gibt, Wende und Neubeginn ermöglichen soll. 

Abb. 1: Photo Klaus Holzer
Abb. 4: Arnold Böcklin, Die Pest, 1898, Kunstmuseum Basel (Wikipedia)
Abb. 5: Carl von Marr, Die Flagellanten, 1889, Museum of Wisconsin Art (Wikipedia)
Abb. 6: Chronik von Gilles Li Muisis, Darstellung der Geißlerzüge, um 1350, Bibliothèque royale de
Belgique (Wikipedia)
Abb. 7: Chronik von Gilles Li Muisis, Scène de la peste de 1720 à la Tourette (Marseille) 1720
(Wikipedia)
Abb. 8: Paul Fürst, Der Doctor Schnabel von Rom, 1656 (Wikipedia)
Abb. 9: Sebastian Vranckx, Marodierende Soldaten, 1647 Deutsches Historisches Museum Berlin,
(Wikipedia)
Abb. 10: Chronik von Gilles Li Muisis, Beerdigung der Pestopfer in Tournai, um 1350, Bibliothèque
royale de Belgique
Abb. 11: Autor unbekannt, Siechenhaus von Dassow, Mecklenburg-Vorpommern, (Wikipedia)
Abb. 12: Autor unbekannt, Pesttafel mit dem Triumph des Todes, Deutsches Historisches
Museum Berlin (Wikipedia)
Abb. 13: Hans Leinberger zugeschrieben, 1596, auf Schloß Ambras, Österreich (Wikipedia)

 

Onlinespiel: In fünf Leveln zur laufenden Dampfmaschine

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Lokalnachrichten

lwldampf0121www.dampfmaschinenspiel.lwl.org

LWL-Industriemuseum entwickelt Onlinespiel

Dortmund (lwl). Große Erfindungen brauchen manchmal viel Zeit. Bei der Dampfmaschine war das so. Den ersten Schritt machte ein Gelehrter im antiken Griechenland. 2.000 Jahre später brachte die Dampfkraft die industrielle Revolution in Gang und veränderte so die Welt. Im LWL-Industriemuseums kann man wichtige Etappen der Entwicklung jetzt spielerisch entdecken - innerhalb einer guten Viertelstunde. Den kurzweiligen Spaß mit Lerneffekt hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) jetzt unter www.dampfmaschinenspiel.lwl.org in Internet gestellt.

Entwickelt hat das LWL-Industriemuseum das Spiel für Kinder ab der 3. Klasse, für Familien und alle, die Spaß am Tüfteln haben. Sie können in fünf Leveln den Erfindern Heron von Alexandria, Denis Papin, Thomas Newcomen und James Watt bei ihren bahnbrechenden Entdeckungen helfen. Mit der Maus oder dem Finger müssen Teile wie Kessel, Kolben, Ventile, Pumpen, Stangen und Räder an die richtige Stelle geschoben werden. Zur Belohnung setzt sich die Maschine in Bewegung. Dazu gibt es persönliches Lob von den Erfindern, weitere Informationen zum Einsatz der Technik, Fotos, Filme und den Pfeil zum nächsten Level. Am Schluss gilt es, Lokführer Klaus bei der Reparatur der Dampflok "Anna" im LWL-Industriemuseum zu unterstützen.

"Wir möchten Kinder mit unseren vielfältigen Angeboten für die Technik in unseren Museen begeistern, und zwar nicht nur vor Ort, sondern auch im Lockdown zuhause", so Anja Hoffmann, Referentin für Bildung und Vermittlung im LWL-Industriemuseum. Das gemeinsam mit den Fachleuten im Haus entwickelte Spiel sei unterhaltend, vermittele aber auch Wissen über die Funktionsweise und den Einsatz von Dampfmaschinen. Es kann am heimischen PC, auf dem Handy, im Klassenraum oder auch auf einem Bildschirm im Museum gespielt werden. Für Gestaltung und Programmierung zeichnet die Münsteraner Agentur "BOK + Gärtner" verantwortlich. Sie stattete die Erfinder mit charakteristischen Merkmalen aus, machte den Maschinen Feuer unter dem Kessel und brachte Lok Anna zum Fahren.

Eingebettet ist das Spiel auf einer Informationsseite zum Thema "Dampf" im LWL-Industriemuseum unter www.lwl-industriemuseum.de/de/digital/dampf. Denn die Dampfkraft spielte auch an den Standorten des Museums eine große Rolle - egal, ob mit ihrer Hilfe Kohle zu Tage gefördert wurde oder Maschinen in Gang gesetzt wurden. Auf der Zeche Nachtigall in Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis) und der Zeche Hannover in Bochum sowie im Textilwerk Bocholt (Kreis Borken) sind noch heute Dampfmaschinen in Funktion zu sehen, allerdings von Elektromotoren angetrieben. Museumsschiffe im Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop (Kreis Recklinghausen) und Lok Anna auf der Zeche Zollern in Dortmund fahren dagegen noch heute wie im Spiel allein mit der vor 2.000 Jahren entdeckten Kraft des Wasserdampfs.

Heerener Sportschützen setzen Pokalschießen aus

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Lokalsport

Kamen-Heeren-Werve. Die Sportschützen Heeren-Werve setzen das seit 33 Jahren im Februar stattfindende Pokalschießen die „Heeren-Werver“ Schießsporttage für dieses Jahr aus. Wie fast alle Sportarten geht zur Zeit auch bei den Sportschützen nichts. Kein Training, keine Wettkämpfe und keine vereinsinterne Veranstaltungen. Schon im Jahr 2020 sind das Sommerfest, das Kartoffelfest und die Weihnachtsfeiern mit den Senioren und den Vereinsmitgliedern ausgefallen. Auch 2021 sieht es nicht viel besser aus, so der Geschäftsführer Günter Kunert, denn das ist eine finanzielle Katastrophe. Die jährlichen Ausgaben bleiben, nur fehlen uns halt die Einnahmen. Wir hoffen nun auf die Impfung, denn damit wäre ein geordnetes Vereinsleben mit seinen vielen sportlichen und vereinsinternen Veranstaltungen vielleicht Endes des zweiten Halbjahres wieder möglich, so Kunert. Dann kann ich mir auch vorstellen, dass wir unser beliebtes Pokalschießen die 34. „Heeren-Werver“ Schießsporttage mit seinen fast 400 Schützen und Schützinnen aus dem Schützenkreis Unna-Kamen, dem ganzen Ruhrgebiet und aus Holland noch durchführen könnten. Besonders tun mir auch unsere Schüler- und Jungschützen leid. Sie waren in den letzten Jahren sehr erfolgreich bei Meisterschaften und Pokalschießen. Doch jetzt und wohl auch noch für länger, gibt es keine Alternativen, auch sie müssen leider zuhause bleiben.

Archiv: Siegerehrung Pokalschießen

Evangelische Gemeinden bieten Alternativen für Gottesdienste in Kirchen

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Lokalnachrichten

pauluskircheoben320KamenWebSeelsorge und Begleitung sichergestellt

Kreis Unna. Vor Weihnachten haben die evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Unna bis zum 10.1. alle Gottesdienst in ihren Kirchen abgesagt. Dies gilt jetzt auch weiterhin. Damit folgen sie der dringenden Empfehlung der Evangelischen Landeskirche von Westfalen, bis zu Ende Januar weiterhin auf alle Präsenzgottesdienste und andere kirchliche Versammlungen zu verzichten.

Die 13 Kirchengemeinden zwischen Bergkamen und Fröndenberg haben sehr verschiedene Lösungen entwickelt, dennoch den Gemeindegliedern Andacht und Verkündigung zu ermöglichen: ob in offenen Kirchen zum stillen Gebet oder mit online-Andachten und Gottesdiensten halten sie Kontakt zur Gemeinde. Die einzelnen Angebote sind auf den Internetseiten der Gemeinden zu finden.

In allen Belangen der Seelsorge stehen Pfarrerinnen und Pfarrer weiterhin bereit: ob zum unterstützenden Gespräch oder in Trauerfällen. Die Kontaktaufnahme geschieht in jedem Fall am besten telefonisch. Die Kontaktdaten finden sich auf der Seite des Ev. Kirchenkreises Unna www.kirchenkreis-unna.de

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