Autobahn Westfalen: Gefährliche Pflanzen am Straßenrand bekämpfen

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Auto, Straßen & Verkehr

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Hamm. Wenn die Natur im Sommer in voller Blüte steht, rücken die Meistereien mit den Mähfahrzeugen aus. Und dabei geht es längst nicht mehr nur darum, das Gras rechts und links der Fahrbahn kurz zu halten. So genannte invasive Arten, also Pflanzen, die nicht heimisch sind, machen nicht nur viel Arbeit, sie können auch eine Gefahr darstellen. Von Mitte Juni bis Ende Juli blüht auf vielen Flächen die Herkulesstaude, die bei Berührung schwerste Hautverbrennungen verursachen kann. Das macht die Pflanze, auch als Riesenbärenklau bekannt, zu einer potenziellen Gefahr für Straßenwärterinnen und Straßenwärter im Sommer bei der Arbeit, aber auch für Reisende, Pendler und LKW-Fahrer auf der Autobahn und an den Rastplätzen. „Diese nicht heimischen Pflanzenarten müssen rechtzeitig bekämpft werden, um Verletzungen und eine unkontrollierte Verbreitung zu verhindern“, erklärt Klaus Altmiks, Teamleiter Landschaftspflegerische Ausführung Geschäftsbereich Bau und Erhaltung bei der Autobahn Westfalen.

Der schöne Schein trügt Mit ihrer prächtigen weißen Blüte wirkt die Zierpflanze mit einer Höhe von bis zu dreieinhalb Metern eher imposant als bedrohlich. Doch das Gefahrenpotenzial liegt gerade in der Größe sowie dem Saft der ursprünglich aus dem Kaukasus stammenden Pflanze. Die Größe kann die Sicht für Autofahrer beispielsweise an den Auf- und Ausfahrten einschränken. Der Saft der Herkulesstaude kann zu Hautverbrennungen führen. Er enthält phototoxische Substanzen, das heißt, dass es in Verbindung mit Sonnenlicht bei Berührungen zu schlimmen Verletzungen kommen kann. So stellen die Pflanzen die Straßenwärter bei der Pflege der Grünflächen entlang der Autobahnen jedes Jahr aufs Neue vor große Herausforderungen. Damit sie ihre Arbeiten sicher durchführen können und sich auch Reisende im Grünbereich auf den Raststätten gefahrenfrei bewegen können, ist der Riesenbärenklau in den Gebieten der Niederlassung Westfalen auch in diesem Jahr in den vergangenen Wochen unschädlich gemacht worden.

Bekämpfen mit Augenmaß nach gesetzlichen Vorgaben Die Pflanze wird sowohl mechanisch als auch chemisch bekämpft. „Dafür werden Wurzeln durchstochen und Flächen gemäht, aber punktuell auch Herbizide angewendet. Dabei gilt generell der Grundsatz, so wenig Chemie wie möglich einzusetzen“, erklärt Stephan Rex, Geschäftsbereich Bau und Erhaltung bei der Autobahn Westfalen. Dafür verwendet die Autobahn Westfalen Präparate, die von der Pflanzenschutzbehörde genehmigt sind und den unterhalb der Stauden liegenden Rasen nicht beschädigen. Das Mittel wird direkt auf die Blätter der Pflanze gestrichen oder gesprüht, die Blätter nehmen es auf, sterben ab und die Pflanze geht ein. Wichtig ist, dass diese Arbeiten vor der Blütenbildung stattfinden. Die Autobahn Westfalen beauftragt damit Garten- und Landschaftsbauunternehmen, die sich auf diese Arbeiten spezialisiert haben.

Unterschiedliche Verbreitung im Niederlassungsgebiet Im Bereich der Niederlassung Westfalen kommen Herkulesstauden vermehrt im Ruhrgebiet vor. Besonders große Flächen gibt es im Streckenbereich der Autobahnmeistereien Hagen und Kamen. Hier müssen jährlich in mehreren Abschnitten Flächen von zusammen rund 48.000 Quadratmetern bearbeitet werden. Zum Vergleich: Die beiden nördlichsten Autobahnmeistereien der Autobahn Westfalen, Lathen und Holdorf, kommen in diesem Jahr zusammen nur auf rund 30 Quadratmeter. Dafür gibt es eine einfache Erklärung.

Verbreitungswege über Wasser und Straßen Viele Populationen kommen entlang von Gewässern vor. Mit dem Wasser können die Samen sehr wirksam in großer Zahl und über weite Entfernungen transportiert werden. „So haben wir im Bereich der Niederlassung Westfalen sehr stark an unseren Flüssen Ruhr und Lenne damit zu kämpfen“, so Rex. Die Herkulesstaude streut ab August ihre Samen aus. Eine einzige Pflanze produziert in der Blütezeit einige zehntausend flug- und schwimmfähige Samen und besitzt damit ein enormes Vermehrungspotenzial. Die Vermehrung ist bis in den Herbst hinein möglich. Riesenbärenklau wird auch durch verschiedene menschliche Aktivitäten verbreitet. Da etwa Straßengräben und -ränder zu den typischen Lebensräumen der Art gehören, bleiben die Samen an Reifen vorbeifahrender Autos haften und können so weit weg von ihrem Ursprung gelangen. 

Auch andere Pflanzen müssen zurückgedrängt werden Auch andere nicht heimische Pflanzen beschäftigen die Straßenwärter der Autobahn Westfalen vom Sommer bis in den Herbst hinein. Der Japanische Staudenknöterich muss zum Beispiel mehrmals im Jahr gemäht werden. Er wächst schnell und ist wurzelausläuferbildend, aber nicht gefährlich für Menschen. Jedoch überwuchert er Verkehrsschilder, nimmt Fahrerinnen und Fahrern zum Beispiel in Auf- und Abfahrten die Sicht und verdrängt darüber hinaus die heimische Flora. Er ist häufig auf den Mittelstreifen zu finden.

Ebenfalls im Visier der Meistereien ist das Jakobskreuzkraut. Hier handelt es sich zwar um eine heimische Pflanze, die vermehrt an den Rändern der Autobahnen und angrenzenden Böschungen sowie auf Kompensationsflächen zu finden ist. Dort stellt sie aber eine Gefahr für Weidetiere dar, da sie Substanzen enthält, die durch Nahrungsaufnahme zu Lebervergiftungen führen kann.

Alle Arbeiten müssen jedes Jahr aufs Neue ausgeführt werden, damit sich die unerwünschten Pflanzen nicht unkontrolliert vermehren. Die Straßenwärter der Autobahn Westfalen haben ihre Flächen jedoch fest im Blick und können rechtzeitig reagieren. „Dort, wo es zwingend notwendig ist, reagieren wir auch über das übliche Maß der Pflegearbeiten hinaus“, resümiert Altmiks. 

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