Lesereihe mit PEN-Autoren in den Stadtteilen

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Wort & Buch

lesereisePM1021Kamen. (AG) In Zusammenarbeit mit dem Literaturcafé Kamen, der Stadt Kamen und der internationalen Schriftstellerorganisation PEN veranstaltet der Verein "Pro Mensch" in den nächsten Wochen in den Stadtteilen Heeren,Methler und Südkamen eine Lesereihe unter anderem mit fünf Autoren aus dem Flüchtlingshilfe-Programm für Autoren "Writers in Exile", das Schriftstellern, die in ihren Heimatländern politisch verfolgt werden, ermöglicht, in der freien Welt zu leben und zu arbeiten. Mit dabei ist mit Christoph Hein aber auch ein deutscher Starautor.

Mit Bezug auf das Matthäus-Evangelium wurde der Lesereihe der Titel "Ich war fremd und ihr habt mich beherbergt" verpasst. Und tatsächlich werden viele derjenigen, die sich vor das Mikro begeben und ihre Texte vortragen, Personen, die hier beherbergt werden, die meisten von ihnen auf der Flucht vor Repressionen in ihren islamischen Heimatländern. Mit der Reihe wollen die Initiatoren unter Beweis stellen, dass nicht nur die Kamener Innenstadt im Rahmen der SummerLife-Reihe als Veranstaltungsort für Lesungen geeignet ist, sondern auch die Stadtteile. Unterstützt wird die Reihe aus Fördermitteln des Bundesprogramms "Neustart Kultur". Die Lesungen finden jeweils sonntags um 15 Uhr statt.

Los geht es am 17. Oktober in der Heerener Schlosskirche, Heerener Straße 114, mit den Autoren Gerd Puls, Umar Abdul Nasser, Asli Erdogan und Barbara Krohn. Als Heerener hat Puls einen kurzen Weg zu seiner eigenen Vorlesung. Der ehemalige Lehrer veröffentlicht seit 50 Jahren Erzählungen, Lyrik, Reportagen und Essays, die er nicht nur in Büchern, sondern auch im Hörfunk veröffentlicht. Der nächste Leser dürfte einen weiteren Weg hinter sich haben, als Puls: Der irakische Autor, Dichter und Filmemacher Umar Abdul Nasser versteckte sich seinen Angaben nach zwei Jahre lang vor dem Islamischen Staat, bevor er sein Land im Rahmen eines Stipendiums in Deutschland verließ. Nassers Arbeiten seien vom IS als unvereinbar mit dem islamischen Recht angesehen, da seine Gedichte die Themen Frieden und Freiheit reflektierten. Auch Asi Erdogan kommt aus einem repressiven Islamstaat, nämlich der Türkei. Nach dem gescheiterten Militärputsch gegen ihren Namensvetter sei sie, wie sie sagt, zusammen mit 22 anderen Journalisten verhaftet und monatelang im Gefängnis festgehalten worden. Die 54-jährige Autorin und studierte Physikerin lebt heute im Exil in Deutschland, ihre Werke wurden mit Preisen ausgezeichnet. Die 1957 geborene Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturdozentin Barbara Krohn ist die nächste auf der "Setlist". Sie veröffentlichte Kriminalroman, Gedichtbände und Kurzgeschichten. Ihr Krimi „Der Tote unter der Piazza“ wurde für den Friedrich Glauser Preis nominiert.

Weiter geht es am 31. Oktober in der Methleraner Margaretenkirche am Lutherplatz. Auch hier werden sich wieder vier Autoren die Klinke in die Hand geben, darunter auch ein Prominenter aus dem Osten, nämlich Christoph Hein. Der 77-Jährige war von 1974 bis 1979 Hausautor der Volksbühne Berlin, der Durchbruch gelang ihm 1982 mit seiner Novelle „Der fremde Freund“, der in der Bundesrepublik unter dem Titel „Drachenblut“ veröffentlicht wurde. Der PEN-Ehrenpräsident gilt als eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur, seine Werke als unverfälschte Einblicke in den DDR-Alltag. Zuletzt erschienen die Romane „Glückskind mit Vater“ über einen Jungen, dessen Vater als Naziverbrecher hingerichtet wurde sowie „Guldenberg“, ein Roman über die Schwierigkeiten von Migranten in einer Provinzstadt. Die Syrerin Kholoud Charaf ist Dichterin, Kunstkritikerin, Publizistin. In ihrem Land wurden ihre Arbeiten zensiert, sie selbst fühlte sich als schreibende Bürgerrechtsaktivistin nicht mehr sicher und emigrierte nach Deutschland. Charaf hat unter anderem den Gedichtband „The Remains of the Butterflies“ veröffentlicht, in dem sie sich lyrisch mit dem Krieg in Syrien auseinandersetzt. Ihre Gedichte wurden in zehn Sprachen übersetzt. 2011 veröffentlichte sie eine wissenschaftliche Arbeit über syrische Gewaltpoesie. Für ihr Buch „Return Lourney to the Montain: Diares in the Shadow of the War“, erhielt sie 2019 den prestigereichen arabischen Ibn Battuta Prize. Zudem wurde ihr 2020 der amerikanische IIE Award verliehen. Darüber hinaus gibt es an diesem Nachmittag geballtes literarisches Lokalkolorit: die beiden Kamener Autoren Heinrich Peuckmann und Bernhard Büscher, Mitinitiatoren der Lesereihe, lesen aus ihren aktuell veröffentlichten Gedichten, Romanen und Erzählungen vor. Bernhard Büschers Gedichte sind direkt, authentisch und stammen aus dem "echten Leben", von dem er als ehemaliger Bezirksbeamter kein Lied singen, aber jede Menge Zeilen schreiben kann. Heinrich Peuckmann ist Kamens bekanntester Schriftsteller. Der ehemalige Studienrat und amtierende PEN-Generalsekretär schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Essays, Theaterstücke, Glossen, pädagogische Artikel und kleinere Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen. Peuckmann wird auch als Moderator der Veranstaltung auftreten, die musikalisch von dem Jazzgitaristen Gregor Hennesbach begleitet wird.

Den vorerst letzten Termin der Reihe bestreiten die Autoren Leander Sukov, Yirgalem Fissha Mebrahtu, Sajjad Jahan Fard und Thorsten Trelenberg im Südkamener Johannes-Buxtorfhaus in der Perthesstraße 8. Leander Sukovs Lyrik bewegt sich im Spannungsverhältnis von Neo-Realismus und Neo-Romantik Seine Werke stützen sich auf ein humanistisches Weltbild. Mystische Bilder in den Geschichten und Gedichten ergeben bei Sukov aus dem Bindeverhältnis des Gegenwärtigen mit der Vergangenheit, also aus dem Fluss des umfassenden Geschehen. Das Leid des Menschen als konkretes Wesen ist der rote Faden seines Werkes Sukov ist Vizepräsident des PEN. Yirgalem Fissha Mebrahtu ist eine eritreische Dichterin, Journalistin und Schriftstellerin und arbeitete seit 1990 für staatliche und private Medien. Ab 2002 war sie als Produzentin und Radiomoderatorin tätig. In ihrer Vita gibt sie an, 2009 verhaftet und sechs Jahre lang in einem Militärgefängnis inhaftiert worden zu sein, wo ihr Mordpläne gegen den Präsidenten vorgeworfen und sie schwer misshandelt worden sei. Nach ihrer Entlassung sei sie nach Uganda gegangen, wo sie begann, Gedichte und Texte zu verfassen, darunter auch Erlebnisberichte, für den sie einen PEN-Preis erhielt. 2018 publizierte Mebrahtu eine vierteilige Serie unter dem Titel „Wie überlebt ein Mensch in der Gefangenschaft?“. Der nächste, der über seinen Exodus in Richtung Europa berichtet, ist der kurdische Schriftsteller Sajjad Jahan Fard. In seiner iranischen Heimat sei ihm Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen worden, worauf er habe fliehen müssen, so seine Vita. 2018 kam er als Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN nach Deutschland. Der 58-jährige Thorsten Trelenberg ist als Lyriker, Kinderbuchautor und selbsternannter "Fluss-Poet" im östlichen Ruhrgebiet unterwegs. Mit Kurzgeschichten und Gedichten ist das PEN-Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Anthologien vertreten und veröffentlichte bislang mehrere Gedichtbände und Kinderbücher, aber auch vertonte Gedichte. Musikalisch begleitet wird die Lesung von der Sängerin Simone Barrientos. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei, es greifen die am jeweiligen Termin aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen.

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