Kamener Stadtpflanzen - Folge 7: Das Zottige Weidenröschen

Geschrieben von Redaktion am . Veröffentlicht in Natur & Umwelt

stadtpfl119 2GLDas Zottige Weidenröschen - Foto: Dr. Götz Loos für KamenWeb.de

von Dr. Götz Loos

stadtpfl119GLKamen. Es gibt manche Pflanzen, die haben zwei Standbeine, was ihren Lebensraum anbetrifft. Zum einen wachsen sie an Stellen "mit nassen Füßen", zum anderen an genau den gegenteiligen Standorten: trocken bis zum Abwinken. Meist scheint es so, als seien die trockenen Biotope später besiedelt worden zu sein, weil es sich meist um Lebensräume aus Menschenhand handelt: Bahn- und Industriegelände, Pflasterritzen, Dächer, Gartensäume und andere. Offenbar wurden trockenheitsresistente Typen der jeweiligen Arten durch die natürliche Auslese positiv selektiert - sie konnten sich an entsprechenden Standorten ausbreiten. Eine dieser Arten ist das Zottige Weidenröschen (Epilobium hirsutum). Diese Pflanze ist in Feuchtgebieten weit verbreitet und bildet teilweise große Bestände. Besonders zahlreich tritt es in nassen bis feuchten Staudenbeständen an Gewässerufern und auf Brachflächen (z.B. im Zusammenhang mit Bergsenkungen) sowie in Gräben auf. Die Straßengräben besonders in Derne, Rottum und Heeren-Werve sind voll damit. Im Stadtbereich findet man durchgehende Bestände in den Gräben der alten Zechenbahn sowie natürlich entlang des Gewässerbettes der Seseke. An Gartenteichen siedelt es sich nicht selten von selbst an.

Trockenstandorte im Stadtbereich sind ebenfalls ziemlich regelmäßig besiedelt. Neben den erwähnten Standorten wächst es häufiger an und auf Mauern. Nach dem Aus des Karstadthauses besiedelte es zahlreiche Stellen an und auf dem Parkdeck und Fugen auf dem Gehsteig davor. Auch in den Ritzen von Gartenterrassen und Balkonen findet es sich öfter. Ein echter Überlebenskünstler!

Von den "echten" Weidenröschen, die Bestandteile von Kamens Stadtflora sind, ist es das größte, sowohl in der maximalen Wuchshöhe (Hochstaude!) als auch in der Blütengröße. Der Stängel ist vorwiegend abstehend behaart und wirkt eher grün als filzig grau. Wie bei allen Weidenröschen besitzt die Blüte vier rosa Kronblätter und die Früchte sind langgezogene schotenartige Kapseln, die flugfähige Samen mit weißwolligen Haaren freisetzen. Diese "fliegende Wolle" aller Weidenröschen hängt an manchen Sommertagen reichlich in der Luft, bis in die Innenstadt hinein. Das Zottige Weidenröschen ist deutlich weniger "unzüchtig" als die anderen "echten" Weidenröschenarten und bildet nur ziemlich selten Kreuzungen mit anderen.

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